Donnerstag, 16. September 2021

Darf der Deutsche Staat Schulden machen?

Sparen klingt besser, als Schuldenmachen? Auch die  deutschen Politiker fordern nach den Covid bedingten Mehrausgaben der letzten Monate eine Rückkehr zur schwarzen Null, wie jüngst der FDP Politiker Lindner.  Die hohe Sparquote der Deutschen von mehr als 10 % bei gleichzeitig ausgeglichenen Staatshaushalt hat aber wesentlich zur weltweiten Schuldenkrise beigetragen. Wenn der eine spart, muß der andere Schulden machen. Weltweit kann die Kapitalbilanz nur ausgeglichen sein. Auch die deutsche Industrie hatte in den letzten Jahren keine Verwendung für die Ersparnisse der Deutschen - im Saldo wurde hier nicht mehr investiert als verdient. Da die Sparquote der Privathaushalte in den letzten 30 Jahren (vor Corona) bei rund 10 % lag, muß jemand anders die Schulden machen.  Wir haben unsere Ersparnisse exportiert und damit in anderen Ländern den Konsum finanziert. Und damit zur steigenden Verschuldung bei den Hauptabnehmern der Exporte - z.B. den USA - beigetragen. 

Die hohe private Sparquote half aber nicht dem Durchschnitts-Arbeitnehmer beim Vermögensaufbau, sondern kam Dank der wachsenden Ungleichheit in Deutschland nur den Besserverdienern zu gute (siehe vorheriger Blog).  Da Sparen Konsumverzicht bedeutet, würde in einer geschlossenen Volkswirtschaft die Produktion pro rata zurückgefahren, bis die Sparquote bei Null liegt. Wenn sich der Staat weigert Schulden zu machen, zum Beispiel um Steuersenkungen oder Infrastruktur-Investitionen zu finanzieren,  dann kann nur der Export die fehlende interne Nachfrage ausgleichen.  Ohne Reallohnsteigerungen bei den Durchschnittsverdienern kann die Wirtschaft nur wachsen, wenn der Exportanteil steigt,  wie es in Deutschland seit Beginn der 90'er Jahre der Fall ist.  Da Exporte im Ausland Konsum bedeuten, muß das Abnehmerland im steigenden Maß Schulden machen. Das geht solange gut, bis die Bonität angezweifelt wird, wie es die große Finanzkrise 2009 zeigte. Seit dem sind die Südeuropäer auch zu Sparern geworden und die USA bleibt als Hauptabnehmer der deutschen und europäischen Exportüberschüsse. So ist es nur eine Frage der Zeit, bis die nächste Kreditkrise oder der Handelskrieg mit Strafzöllen richtig ausbricht. 

So bleibt dem Deutschen Staat eigentlich nichts anderes übrig, als mit der Aufnahme von Schulden den fehlenden Konsum in Deutschland auszugleichen, wenn man den weltweiten Handelskrieg vermeiden möchte. Solange, bis die Importe der Höhe nach den Exporten entsprechen,  wie es zu Beginn der 90'er Jahre fast der Fall war.  Mit steigenden deutschen Importen hilft man den Ausländern, die eigene Arbeitslosigkeit zur reduzieren. Gleichzeitig kommt der steigende Staatskonsum der inländischen Nachfrage und Beschäftigung zu gute. Damit ist ein gesundes Wachstum für alle verbunden. 

Die staatlichen Mehrausgaben helfen die Produktivität zu steigern, zum Beispiel durch Investitionen zum Ausbau des Internets (sehr langsam im europäischen Vergleich) oder Investitionen in Straßenbau und Bahn, um Stauverluste zu reduzieren. Alle Ausgaben haben auch einen Multiplikator-Effekt, in dem die Beschäftigung oder (durch Zulagen) die Kaufkraft gesteigert wird und  sich damit wiederum die Nachfrage erhöht. 


Dienstag, 14. September 2021

Wachsende Ungleichheit führt zu Handelskriegen und macht die Welt ärmer

Deutschland und China haben mehr gemein, als man denkt. Beide Länder sind durch Konsumverzicht Weltmeister im Export geworden. Mit den Erlösen werden ausländische Schuldpapiere erworben, die den Ausländern und insbesondere den USA helfen, die Importe zu bezahlen. In den USA hat der schuldenfinanzierte Konsum zur Deindustrialisierung geführt. Die amerikanischen Arbeitnehmer sind damit zum Opfer der Globalisierung geworden. Die Wahl von Trump und der Start eines Handelskrieges sind letztendlich die Folge. Nach der großen Finanzkrise haben die Deutschen der Europäischen Gemeinschaft die gleiche unsinnige Wirtschaftsformel ("liefere BMW's gegen Schuldscheine") aufgezwungen. Bis 2009 war die Außenhandelsbilanz im Euroraum noch ausgeglichen, da Spanien, Irland, Griechenland und Portugal mit ihrem Schuldenaufbau deutsche Importe bezahlten. Nach dem Platzen der Schuldenblase wurde diesen Ländern von Deutschland der gleiche Konsumverzicht aufgezwungen und sie exportieren ebenfalls mehr als sie konsumieren. Ähnlich wie bei den Deutschen wurde der Konsumverzicht durch Maßnahmen wie die Erhöhung der Abgaben und der Mehrwertsteuer sowie die Kürzung der meisten Infrastrukturmaßnahmen zur Sicherung der Schwarze Null (Staatshaushalt darf keine Neuschulden aufnehmen) durchgesetzt. 

Sei den Unternehmenssteuerreformen in Deutschland Anfang der Jahre 2000 ist die Steuerbelastung der Spitzenverdiener (obere 10 %) bis 2018 um 2,5 % Prozent gesunken, während sich die Belastung der unteren Lohngruppen um 5 % erhöht hat. Gleichzeitig sind die Gehälter der Spitzenverdiener seit 1990 um 30 % gestiegen, währen die untersten Lohngruppen keinen realen Lohnzuwachs hatten. Infolgedessen ist der Gini-Koeffizient (der den Grad der Ungleichheit) misst, in Deutschland von 1990 bis 2016 von 0,25 auf 0,3 gestiegen. Klingt nicht nach viel, allerdings beträgt der Koeffizient bei einer kompletten Gleichverteilung 0 und bei 1 gehört alles einer Person! Laut OECD ist die Ungleichheit in Deutschland zwischen 2000 und 2008 in Deutschland stärker gestiegen als in jedem anderen OECD Land.

Die Grafik zeigt die Lohnentwicklung nach Einkommensgruppen (in Dritteln) in Deutschland:



(Quelle: www.boeckler.de/pdf/imk_vortrag_behringer_2017_12_13.pdf )


Die gestiegene Ungleichheit in Deutschland und die größere Sparquote der Besserverdienenden haben den Konsum in Deutschland stark reduziert. Stattdessen sind die Ausländer zu Konsumenten der deutschen Produkte geworden. Die Deutschen sind dabei weniger zu Exportweltmeistern geworden, sondern haben im Verhältnis zum Wirtschaftswachstum auf Importe bzw. Konsum verzichtet:



Import und Export in Zahlen (2000 bis 2017). Quelle: Statistisches Bundesamt: Außenhandel, www-genesis.destatis.de


Das Wirtschaftswachstum in den Jahren seit 2000 beruht fast ausschließlich auf stark gestiegenen Exporten, während der Durchschnittsdeutsche nichts davon hatte! Die Amerikaner sind weltweit die größten Abnehmer für die Exporte der Deutschen und anderer Länder geworden, die sich einen ähnlichen Konsumverzicht leisten (wie z.B. Holland oder China). Auch in den USA hat die Ungleichheit durch ähnliche Maßnahmen wie in Deutschland stark zugenommen. Und die Durchschnittslöhne stagnierten. Da der USA Dollar aber die Weltwährung ist, konnte der Durchschnittsverdiener seinen Konsum durch die Aufnahme von immer mehr Schulden steigern. Der Konsum wurde dabei durch immer mehr Auslandsschulden finanziert. Gleichzeitig hat die Kapitalzufuhr aus dem Ausland den US Dollar gestärkt und damit Importe verbilligt. Der steigende Dollar hatte umgekehrt zur Folge, dass die US Produktion im Laufe der Zeit immer unwirtschaftlicher wurde und im starken Maße Personal reduziert wurde. Mit der steigende Globalisierung sind in den USA immer mehr Jobs ins Ausland verlagert worden. Die Opiod-Krise und 20 Mio. Amerikaner, die wegen Gefängnisaufenthalten oder Vorstrafen aus dem Arbeitsleben ausschieden, sind Symptome dieser Krise.  Die Radikalisierung der Politik und Handelskriege sind letztendlich die Folge. Auch lassen sich nicht immer mehr Schulden aufbauen, da der US Dollar als Reservewährung in Gefahr ist. Irgendwann muß ein System zusammenbrechen, dass Wirtschaftswachstum nur durch Konsumverzicht und den immer stärker steigenden Export von Ersparnissen und damit einhergehende Verschuldung sichert.  Weltweit muß die Sparquote Null sein,  denn jedem Sparer steht ein Schuldner gegenüber. 

Wege aus der Krise

Alle Maßnahmen zur Bekämpfung der wachsende Ungleichheit helfen, den Konsum zu stärken und der wachsenden Verschuldung zu begegnen. Mehr Konsum hilft, Exportüberschüsse abzubauen und damit den Außenhandel weltweit wieder in ein Gleichgewicht zu bringen. Interessanterweise denken hier die amerikanische Regierung Biden und die Chinesen ähnlich. Auch die Programme der politischen Parteien (mit Ausnahme der FDP) in Deutschland enthalten hier Ansätze, wie steigende Steuern für die Reichen und mehr Umverteilung, Stärkung der Nachfrage durch Infrastrukturausgaben und Erhöhung des privaten Konsums. Allerdings wird der Widerstand der Habenden groß sein, Lobbyisten werden beschäftigt, um mit Scheinargumenten ("Staaten dürfen keine Schulden aufnehmen", Vermögenssteuer ist Neidsteuer und führt zu Entlassungen") gegen zu halten. So zettelte Trump parallel zur steuerlichen Entlastung der Reichen in 2018 einen Handelskrieg mit China und eine Kampf gegen Emigration an, um von seiner Politik der wachsenden Ungleichheit abzulenken. 

Die Steuern sollten so gewählt werden, dass sie effizient sind und den Anreiz zum Unternehmertum nicht nehmen. Also Mehrwertsteuer und Abgaben wie GEZ Gebühren senken, Grunderwerbssteuer und Erbschaftssteuer dagegen erhöhen. Schließlich müssen auch die Besserverdienenden verstehen, dass es Wirtschaftswachstum nur geben kann, wenn alle davon profitieren. Dies erkannte in den 20'er Jahren auch Henry Ford, der seine Mitarbeiter sehr gut bezahlte, damit sie seine Autos auch leisten konnten. 


Mehr dazu: 

Trade Wars Are Class Wars: How Rising Inequality Distorts the Global Economy and Threatens International Peace

by Matthew C. Klein and Michael Pettis


Mittwoch, 1. September 2021

Werden die Zinsen so niedrig bleiben?

Ein Argument für steigende Zinsen ist, dass die Generation der Babyboomer sich langsam aus dem Erwerbsleben verabschiedet und mit dem Abbau der Ersparnisse die Konsumnachfrage (und damit die Zinsen) ankurbelt. Das Beispiel Japan zeigt aber, dass dies nicht der Fall sein muss. Trotz zunehmender Überalterung und Rückgang der Erwerbstätigenzahl leidet das Land seit mehr als ein Jahrzehnt unter  Niedrigzinsen. 

Eine gerade veröffentlichte Studie der FED zeigt, dass die starke Einkommensverschiebung zu den Reichen hin ein starkes Ansteigen der Sparquote zur Folge hat. Dieser Effekt ist wesentlich stärker als die vermehrte Konsumnachfrage der Ruheständler. Eine höhere Sparquote führt zu steigenden Preisen bei Kapitalanlagen und damit sinkende Renditen bzw. Zinsen. Wenn ich meine eigene Sparquote (oder die der BAVARIA sehe), kann ich bestätigen, dass wir unsere Gewinne fast vollständig wieder anlegen. Im Gegensatz zu einem Arbeitnehmer, der fast alles in den Konsum stecken muss. Dies deckt sich auch mit der Beobachtung, dass die Ungleichheit auch (oder gerade) in Folge des QE stark zugenommen hat und weiter zunehmen wird, solange die Geldvermehrung der Notenbanken kein Ende findet.

Auf der Angebotsseite kommt es dagegen immer häufiger zu Verknappungen und damit zum Preisanstieg bei Rohstoffen und Konsumgütern. Der plötzliche Konsumanstieg mit der stark gestiegenen Impfquote hat zu einer Angebotsverknappung geführt. Auch der Trend zur Deglobalisierung aufgrund der Verkürzung der Lieferketten (um diese weniger störanfällig zu machen) führt zu steigenden Preisen. Da der Servicesektor aber in den westlichen Industrieländern dominiert, wird ohne einen drastischen Anstieg der Löhne die richtige Inflation ausbleiben.

Was heiß dies als Investor? Ohne exogenen Schock (zum Beispiel Platzen der Immobilienblase in China) oder ein Umschwenken der Politik hin zu mehr Umverteilung bleiben die Aktienpreise auch in den nächsten Jahren hoch und eine hohe Aktienquote (bei uns 75%) im eigenen Portfolio erscheint sinnvoll.

Donnerstag, 26. August 2021

Wertentwicklung unserer Aktien im 1. HJ 2021...

Im ersten Halbjahr 2021 stieg der Nettowert je Aktie um 18% von EUR 81 auf EUR 95. Der DAX Aktienindex erhöhte sich im gleichen Zeitraum um 13%. 

Die größten Gewinner waren die russische Tinkoff Bank (+171%) und unsere indischen Aktien (+59%) - im Wesentlichen IT- und Finanzdienstleister (z.B. Birlasoft und Shriram City Union). Hauptverlierer waren Ryman Healthcare (-13%), Gold (-8%) und unsere japanischen Aktien (-1%). Insgesamt haben wir 76% unserer Gesamtmittel in Aktien investiert, der Goldanteil liegt bei 9% und die Barmittel bei 13%.  Im ersten Halbjahr verdienten wir mit unseren Aktienanlagen rund EUR 73 Mio. – ein Plus von 27% bezogen auf den Bestand an Aktien zum Jahresanfang von EUR 266 Mio. Neben dem Wertzuwachs erzielten wir aus  Aktienverkäufen EUR 0,8 Mio. und Dividenden EUR 3,1 Mio.  




Donnerstag, 20. Mai 2021

Verhandeln lernen

Konflikt scheuen und sich damit abfinden, schlecht zu  verhandeln! Dabei ist das ganze Leben eine Verhandlung... Wie mache ich es besser?

Startpunkt ist die eigene Erwartung, eine höhere Erwartung sendet ein wichtiges Signal an die andere Partei. Mit einer guten Vorbereitung kann man viel entspannter verhandeln. Dabei sollten man die Ziele und Alternativen aller so gut wie möglich kennen. Ein Skript hilft, die Kontrolle über die eigenen Gefühle zu behalten. Die Reaktion des Gegenübers hängt dabei mehr von der Stimmlage ab, als von dem Inhalt der Forderung. Zu 70 % bestimmen Gefühle das eigene und fremde Handeln. Wie lassen sich diese positiv beeinflussen? Sprich so mit dem anderen, wie mit Freunden und lächele viel dabei...  

Ein Spiegeln des Gegenübers in Tonlage, Ausdruck und Verhalten schafft zusätzliches Vertrauen. Ein Zusammenfassen und Wiederholen des Gesagten erkennt den Gegenüber an, ohne das man seine eigene Position aufgibt. Ziel ist es, ein "Ja, das ist es" von der anderen Partei zu bekommen. Letztendlich das Einmaleins des aktiven Zuhörens. Grundsätzlich ist man nur dann bereit, Neues aufzunehmen, wenn man sich verstanden fühlt. Diese Technik hilft auch bei Meetings: Das  Aufschreiben auf einer Tafel dient dazu, Störenfriede und irrelevante Beiträge zu neutralisieren. Das Gleiche gilt, für Misstrauen und Störungen: Ein Ansprechen trägt zur Entspannung bei. Wichtig ist ein neutraler Tonfall, sodass sich der Gegenüber nicht angegriffen fühlt. Nutze häufige Pausen und Stille, um der anderen Partei Raum zu geben, die eigene Position zu vertreten.  Siehe das Ganze als Geländeerkundigung. 

Die Angst vor einem Nein ist oft die Haupthürde für ein erfolgreiches Verhandeln. Ein Nein gibt dabei dem Anderen das Gefühl, die Kontrolle zu haben und nicht überrumpelt zu werden. Wichtig ist nur das Ja zum Schluss! Die Grundzüge der Psychologie (siehe Caldini) spielen bei einer erfolgreichen Verhandlung eine wichtige Rolle: 
1. Ohne ein Gefühl von Fairness gibt es keine Deal. Frage z.B. was nicht fair an einem Vorschlag ist. Appelle von Fairness können allerdings auch manipulativ eingesetzt werden, wenn sie mit Forderungen verbunden sind.
2. Ein Zugeständnis löst bei dem Gegenüber den Zwang auch, ebenfalls ein Zugeständnis zu machen. So kann auch der Verzicht auf einen nicht finanziellen Dealbreaker dazu führen,  dass der Gegenüber sein finanzielles Angebot erhöht. 
3. Jede genannte Zahl wird zu einem Gesprächsanker und beeinflusst damit den weiteren Verlauf der Verhandlung. Vermeide ein zu schnelles Erwidern auf ein Vorschlag des Gegenübers. Nutze die Frage "Wie soll ich das machen" dazu, den anderen mit sich selbst verhandeln zu lassen.
4. Eine Deadline erhöht den Wert eines Vorschlags, weil sie ein Gefühl von Knappheit vermittelt. 

Vergiss nicht, dass auch nicht anwesende Parteien u.U. zustimmen müssen. Gewinne bei einem Personalgespräch zum Beispiel einen möglichen Mentor durch die Frage, was muss man tun, um in der Firma erfolgreich zu sein. Unterhalte Dich mit Deinem Gegenüber offen darüber, wie man die anderen Mitglieder der Organisation zur Zustimmung bewegt. Nutze dabei wie und was Fragen statt Aussagen zu machen. Ein Ja ist noch lange kein Erfolg, wenn der Wille zur Umsetzung fehlt. Auch die nächsten Schritte sollten abgestimmt sein. Hat man Zweifel an der Zustimmung des Anderen, sollte man diese ansprechen. Auch gibt es verschiedene Verhandlungstypen, sodass die Ansprache auch auf verschiedenen Ebenen erfolgen sollte. Eine mögliche Annahme ist, dass es für die umsetzbare Einigung drei schwarze Schwäne gibt. Diese gilt es, gemeinsam mit dem Gegenüber zu adressieren. 

Mittwoch, 12. Mai 2021

Unsere Wirtschaft: wie geht es weiter und was mache ich als Investor?

Die Epidemie nähert sich dank der gestiegenen Impfquote dem Ende entgegen. Die Deutsche Wirtschaft erholt sich zunehmend. Der Nachholbedarf und der Vergleich zum niedrigen Vorjahr führen dazu, dass die Wachstumsrate  in der zweiten Jahreshälfte einen Sprung machen wird. Lieferengpässe und steigende Rohstoffpreise lassen aber auch die Inflationsrate steigen. Gleichzeitig sind die Schulden in allen Industriestaaten auf Rekordhöhe. Staaten und Privathaushalte sind mit durchschnittlich 300 % der Wirtschaftsleistung verschuldet, in den USA sogar mit mehr als 400 %. Nur extreme Niedrigzinsen verhindern den Wirtschaftskollaps. An Tilgung ist nicht zu denken. Die geplanten staatlichen Mehrausgaben werden die Schulden im Gegenteil weiter nach oben treiben. 

Gefahr droht, wenn die Wirtschaft wieder auf Vollast fährt. Konkurriert die gestiegene Nachfrage um ein verknapptes Angebot zum Beispiel von Arbeitsleistungen, besteht die Gefahr, dass sich die Inflation durch höhere Lohnforderungen  verselbstständigt. Die Notenbanken haben angesichts der Schuldenlast keine andere Wahl, als die Zinsen durch den Ankauf der Schulden künstlich niedrig zu halten. Nur wenn die Zinsen niedriger sind als das Wirtschaftswachstum, reduziert sich die Verschuldung im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung.

Um die Verschuldung dauerhaft abzubauen, reicht es jedoch nicht, die Zinsen niedrig zu halten. Viele werden versuchen, ausländische Devisen und Werte zu erwerben, um der Geldentwertung zu entgehen. Daher werden die Regierungen auch versuchen, mit Kapitalkontrollen der drohenden Abwertung der eigenen Währung entgegenzuwirken. Verbote und Vorschriften zur Geldanlage können folgen. Dazu gehört zum Beispiel das Verbot in Bitcoin zu investieren, um diese Art der Kapitalflucht zu verhindern. Die Banken und Versicherer können dazu gezwungen werden, inländischen Schuldenpapiere zu halten. Dies kann bis zum Verbot reichen, in Gold zu investieren. Die gezielte Nutzung von Steuern, wie z.B. Wegzugbesteuerungen  sind eine weitere Methode, die Kapitalflucht zu verhindern. Die realen Zinsen (Nominalzinsen minus Inflationsrate) können  bis zu zweistellig, negativ werden. Ähnlich wie nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals führten negative Realzinsen verbunden mit hohen Wachstumsraten und Kapitalkontrollen dazu, das Schuldenniveau im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung drastisch zu reduzieren.

Wie kann man sich als Investor verhalten, um dem Verlust der Kaufkraft zu entgehen?

Attraktive sind Märkte mit geringer Gesamtverschuldung wie Indien und Russland. Niedrig bewerte Aktien sind interessanter als Wachstumsaktien, deren Bewertung durch den höheren Discount Faktor leiden. Auch Rohstoffproduzenten oder  Unternehmen gehören dazu, deren Einnahmen proportional zur Geldmengenentwicklung steigen. Zum Beispiel notierte Wertpapierbörsen, Kreditversicherer oder Zahlungsabwickler wie Visa.  

Montag, 3. Mai 2021

Karstadt Kaufhof will mehr Geld vom Staat um Benko`s Miete zu zahlen...

Geht es um den vermeintlichen Erhalt von genügend Arbeitsplätzen, ist der Staat in Deutschland schnell mit finanziellen Hilfen zur Stelle.  Die im letzten Jahr gewährten Kredite von EUR 500 Millionen an  die von Benko kontrollierte Karstadt Kaufhof Kette sind wohl schon ausgegeben.  Die Löhne wurden zusätzlich über Kurzarbeitergeld als Coronahilfe vom Staat gezahlt. Der Kredit diente dazu,  die Miete an Benko's Signa Gruppe als Vermieter der Karstadt Kaufhof Läden zu zahlen. Hohe Mieten rechtfertigen  steigende Immobilienpreise. Die damit erzielten Buchgewinne dienen dazu, Dividenden an Benko und seine Mitgesellschafter zu zahlen. Der Karstadt Kaufhof Vermieter erwirtschaftet keine wirklichen Gewinne. Die Mieterlöse reichten in der Vergangenheit nicht um die Zinsen, Tilgungen und Steuern zu zahlen, wie eine Analyse von Bloomberg News zeigt. Höherbewertungen der Immobilien führen zu Buchgewinnen und werden von Benko zur Neuaufnahme von Krediten genutzt. Damit können dann Dividenden an Benko und seine Mitgesellschafter gezahlt werden. Ohne die geforderte Staatshilfe käme dieses System zum Erliegen. 

Wenn der Staat Unternehmer spielt, werden in der Regel Steuergelder verschwendet. Staatliche Kredite verzögern nur die Anpassung an geänderte Rahmenbedingungen. Kaufhausketten lassen sich nicht durch Kredite am Leben erhalten, wenn der Kunde dort nicht mehr einkaufen möchte. Die unausbleibliche Insolvenz führt dann dazu, dass der Staatskredit abgeschrieben wird. Vergessen wird, dass bei der Insolvenz  die Arbeitsplätze nicht ganz verloren sind. Wettbewerbsfähige  Unternehmen werden die attraktiven Innenstadtlagen belegen, vielleicht mit neu verhandelten Mietverträgen. Arbeitsplätze werden in der Regel keine verloren gehen. Der Kunde bekommt das, was er möchte. Der Staat kann bei der Umschulung und der Jobsuche helfen, sollte sich aber nicht dem Wandel entgegenstemmen. Mit der schnelleren Anpassung an Marktveränderungen ist zu erklären, warum sich die USA jetzt viel schneller als Europa von der Covidkrise erholt. 

Gleiches gilt für viele andere Branchen auch. Warum soll der Stadt der Lufthansa Kredite dafür geben, dass sie z.B. den Piloten mehr als das Doppelte zahlt  als Ryanair? Bei den Staatshilfen wird vergessen, dass keine Flüge und Arbeitsplätze verloren gehen, wenn jetzt eine andere Fluggesellschaft die Route bedient. Stattdessen profitiert der Kunde davon, wenn die Fluggesellschaft die Ticketpreise verringern können, weil sie z.B. nicht durch hohe Tilgungsraten für Notkredite belastet ist. Wir haben unsere Sanierungen ohne Staatshilfe geschafft. Gescheitert sind wir immer dann, wenn wir versuchten, uns gegen Marktentwicklungen zu stemmen.

Mittwoch, 10. März 2021

Property Franchise Group und Alphabet

Beim englischen Immobilienmakler und -Betreuer Property Franchise Group ("PFG") halten wir mit EUR 6,4 Mio. (+80 %) 10 % der Geschäftsanteile. Der Gründer Richard Martin (30 % der Anteile) ist nur noch im Aufsichtsrat der Gesellschaft tätig. Der Franchisegeber PFG unterstützt die Franchisenehmer bei der Betreuung und Vermittlung von Miet- und Kaufobjekten. Sie haben die Wahl zwischen sechs verschiedenen Marken, die Gebühren von 10 % amortisieren sich allein durch die Discounts bei Onlineschaltungen. Die Gesellschaft steigerte den Gewinn pro Aktie in den letzten fünf Jahren um 9,5 % p.a. und die Dividendenrendite beträgt 2 %. Der Investor kann so mit über 11 % Rendite im Jahr rechnen. Die Gesellschaft wächst mit der steigenden Anzahl an Vermietungen im englischen Immobilienmarkt und mit der Übernahme unabhängiger Vermittler. Bei einem EBIT Multiplikator von 9 auf Basis des geplanten Ergebnis 2020 notiert das Unternehmen noch recht günstig.  

Weniger originell ist unser EUR 6 Mio. Investment in Alphabet (+93 %). Das KGV beträgt 35 und ist günstiger als der  S&P mit einem KGV von 41 für das abgelaufene Geschäftsjahr. Erstaunlicherweise sind in den letzten fünf Jahren weder Umsatz noch Nettoeinkommen bei den 500 S&P Unternehmen  gestiegen. Bei Alphabet stiegen Umsatz und Ergebnis 20 % im Jahr. Bereinigt man das Nettoergebnis um die Verluste aus dem Cloud-Bereich (EUR 4,7 Mrd.) und den sonstigen Wetten (EUR 3,8 Mrd.), dann reduziert sich das KGV von Alphabet auf 27. Zieht man die  Nettokasse von Alphabet (EUR 93 Mrd.) und die Durchschnittsschulden des S&P Unternehmens von 1x EBITDA (EUR 55 Mrd.) von der Marktkapitalisierung ab, dann reduziert sich das KGV auf 24! 

Leider gibt Alphabet viel für die Mitarbeitermotivation aus. Die Aktienrückkäufe der letzten 5 Jahre von EUR 56 Mrd. dienten zu 2/3 dazu, die Verwässerung durch die Aktienoptionen auszugleichen. Die Anzahl der Aktien reduzierte sich in den letzten fünf Jahren nur um 2 %, Dividenden wurden keine gezahlt.  Verringert man das Jahresergebnis um die ca. EUR 7 Mrd. jährliche Verwässerung durch das Mitarbeiterprogramm, beträgt das KGV 28. Immer noch deutlich günstiger als der S&P. Besonders, wenn man damit rechnet, dass Alphabet in den nächsten Jahren stärker wächst als der S&P. Ein Erfolg bei den anderen Wetten oder der Turnaround im Cloudgeschäft sind ein weiteres mögliches Upside. 

Dienstag, 9. März 2021

Ein Cloudanbieter, ein Ölproduzent und ein Bürovermieter als interessante Wachstumsaktien

Wir haben ca. EUR 7 Mio. (2,5x Geld) in Cartrack Holdings investiert, ein profitables "Software As A Service" Unternehmen. Die südafrikanische Firma wuchs in den letzten 5 Jahren (in EURO) 18 % p.a. Die Dividendenrendite von 2,7 % entspricht in etwa dem freien Cash Flow des Unternehmens (3,1 %). Die  Free Cash Flow Marge ist 30 % - die Aktie ist mit dem 10-fachen des Umsatzes wohl fair bewertet. Cartrack verkauft Sensoren und hilft Unternehmen beim Flottenmanagement. Das Unternehmen gilt als einer der Marktführer und bereitet gerade ein Listing  an der Nasdaq vor. Der internationale Umsatz beträgt 25 %; die beiden  Geschäftsführer halten derzeit 80 % der Anteile.

Ähnlich hoch ist unser Anteil in Lundin Energy (+35 %), einem kostengünstigen Ölproduzenten (3 USD per BOE) mit Anteilen an norwegischen Feldern. Lundin investiert stark und erwirbt regelmäßig Anteile an weiteren Feldern. Der Umsatz wuchs in den letzten fünf Jahren um 35 % p.a. Der freie Cash Flow liegt bei 8% und die Dividendenrendite beträgt immerhin 5,3 %. Das Unternehmen wurde von der Lundin Familie gegründet, die immer noch einen Anteil von 33 % hält.  Die Gesellschaft  investiert sehr effizient, mit einem ROCE von über 30 % (gemäß Capital IQ) bzw. 90 % (unsere eigene Rechenweise). Die hohe Steuerlast von 75 % ist ein guter Ergebnispuffer und die Umweltauflagen für den norwegischen Produzenten sind weltweit mit am höchsten.  

Hinter unserem EUR 6 Mio. Investment (+44 %) IWG PLC verbirgt sich der weltweit führende Büroraumvermieter mit Regus als bekanntester Marke.  Wir glauben, dass sich der Trend nach variablen Büroräumen - von Wework popularisiert - durch die COVID Epidemie noch verstärken wird. Insbesondere in den günstigeren B und C Lagen. Der Geschäftsführer Mark Dixon hält 28 % der Geschäftsanteile: wir investieren hauptsächlich in inhabergeführte Firma, die ähnlich wie wir selbst denken. Die Nettoschulden von EUR 8 Mrd. (dem 7 fachen des geschätzten EBITDA's für 2020) sind "ringfenced". Das Unternehmen hat sich durch zwei Kapitalerhöhungen die Chance gesichert, von der Krise im Büroraumbereich zu profitieren. IWG plant den weiteren Verkauf eigener Büroimmobilien an Franchise Nehmer, um zukünftig eher Asset-light weiterzuwachsen. Der Umsatz wuchs in den letzten fünf Jahren 8% p.a. und der Buchwert je Aktie 12 %. Das Unternehmen notiert derzeit mit dem 3,5-fachen des Buchwerts eher teuer. 





Montag, 8. März 2021

Wie schwer ist es mit Aktien Geld zu verdienen?

Vor 8 Jahren fingen wir an in Aktien zu investieren. Wir trauten uns aber zunächst nicht, im nennenswerten Umfang unsere liquiden Mittel von über EUR 100 Mio. zu investieren. Wir hielten Aktien für zu riskant. Wir hatten noch die Hoffnung, unsern Erfolg bei 1 EUR Geschäften im normalen Buy-out Bereich fortzusetzen. Später realisierten wir, dass wir beim Kauf profitabler Unternehmen nicht wirklich mithalten können. 

Unsere Wettbewerber sind Fonds, die das eingesammelte Geld möglichst schnell wieder ausgeben wollen, um die Rendite nach oben zu treiben. Der Erfolg wird am IRR gemessen und der fällt mit der Dauer der Suche und Haltezeit. Der Investmentmanager geht lieber mit dem Geld Anderer jede Wette ein, statt dem Investor das Geld am Ende wieder zurückgeben zu müssen. Da er nicht mehr als 1 % der Summe mit investiert, riskiert er wenig, bekommt aber im Erfolgsfall mehr als 20 % des Gewinnes! 

Wir selbst wollen unser mühsam verdientes Geld keineswegs verlieren. Wir prüfen daher bei jeder Transaktion hauptsächlich, was hier schiefgehen kann. Auch kaufen wir mit einem erheblichen Sicherheitsabschlag - für unerkannte Risiken! So verloren wir in der Regel die Unternehmensauktion. Besonders in den letzten fünf Jahren investierten selbst unerfahrene Vermögensverwalter mehr und mehr in Private Equity Transaktionen - mangels Alternativen dank der Niedrigzinsen.

Mit der Zeit gewöhnten wir uns daran,  jeden Tag die Bewertung unserer Investments zu sehen. Private Käufe bieten dagegen den Vorteil, dass man sich nach dem Kauf praktisch jeden Wert zurechtlegen kann. Sehr oft mussten wir erleben, wie der Preis der Aktie nach dem Kauf erst einmal sank oder noch schlimmer: wie die nicht gekaufte Aktie stärker im Preis stieg. 

Nach dem Lesen vieler Investmentbücher und Aktionärsbriefe der besten Investoren (z.B. hier) konnten wir feststellen, dass bei Aktien die gleichen Kriterien wie im Private Equity Geschäft gelten. Ein Kauf sollte nur nach Prüfung aller Risiken und mit ausreichender Sicherheitsmarge erfolgen. Wir haben dabei den Vorteil, jeden Tag zwischen mehr als 80.000 Investitionsmöglichkeiten auswählen zu können. Zudem gibt es z.B. mit CapitalIQ eine kostengünstige Datenbank, die alle Unternehmensdaten weltweit enthält und das Screening nach einfachen Kriterien erlaubt.  Mit der Zeit stieg unser Vertrauen und damit der Einsatz, mittlerweile sind wir 70 % in Aktien investiert und haben mehr als EUR 100 Mio. an Wertsteigerung erzielt...


Sonntag, 7. März 2021

Das wichtigste Erfolgsprinzip: kontinuierliches Verbessern!

Jeden Tag versuche ich etwas zu verbessern. Na ja, meistens startet der Prozess mit einer persönlichen Krise. Ob der Auslöser Langeweile, Rückenschmerzen oder ein verlorener Deal sind. Erst die Sorge, dass dieses Unglück niemals vergehen wird, führt zu der Frage, wie ich da wieder herauskomme. Und wer sucht, der findet. Früher häufig in Büchern, heute meistens im Internet oder beispielsweise durch Youtube Videos.  Habe ich mir dann alle Videos zum Thema Rückenschmerzen angeschaut, ergänze ich meine Tagesroutine um ein paar Übungen und der Schmerz geht langsam wieder... Dabei gehen mir nie die Krisen aus! 

In beruflichen Dingen war häufig der Auslöser, das Gefühl im Morast zu stecken. Dabei den Wunsch zu haben, einen guten Job zu machen. Ohne aber wirklich zu wissen wie. Dabei half mir die Frage, wie tun es die Besten in diesem Bereich. Ob normales Management oder Turnaround, nach vielen Recherchen fand ich immer eine Lösung. So las ich bei meinem ersten Job als Turnaround Manager jeden Tag in einem Buch über die ersten 100 Tage eines Turnarounds, was am nächsten Tag zu geschehen hat. Allerdings nicht, ohne dass ich vorher nicht fast geheult hätte. Bei der ersten Firmenübernahme hatte uns der Geschäftsführer gleich am ersten Tag verlassen und ich musste, ohne je eine Maschinenbaufirma wirklich von innen gesehen zu haben, die Nachfolge antreten.

Darf der Deutsche Staat Schulden machen?

Sparen klingt besser, als Schuldenmachen? Auch die  deutschen Politiker fordern nach den Covid bedingten Mehrausgaben der letzten Monate ein...