Freitag, 1. Dezember 2017

Warum haben wir bei unserer Tochtergesellschaft Vosla den Insolvenzplan nicht selber gesponsert?

Vor ein paar Tagen haben wir zugestimmt, dass die Vosla unentgeltlich an einen anderen Investor übertragen wird. Wie kam es dazu?

Wir hatten Vosla vor gut 5 Jahren von Philips für EUR 1,5 Mio. erworben. Zusätzlich hatten wir uns dazu verpflichtet, weitere Zahlungen in Höhe von rund 2 Mio. p.a. an Philips zu leisten. Voraussetzung war, dass eine Mindestabnahmemenge während der fünfjährigen Laufzeit des Liefervertrages erreicht wird.  Mit dem Vertrag hatten wir die Grundauslastung des Plauener Unternehmens gesichert. Zusätzlich sahen wir die Chance, weitere Kunden zu gewinnen. Leider fielen die Volumina für herkömmliche Autoglühbirnen viel schneller als gedacht. LED Lampen sind kein Premiumprodukt mehr, da in der Zwischenzeit auch Kleinwagen damit ausgestattet sind. Die geringeren Absatzmengen erhöhten den Preiskampf auf dem Autolampenmarkt. Die wesentlichen Versäumnisse lagen aber bei uns.

Wir hatten den Philips Geschäftsführer aus Bequemlichkeit übernommen. Wir hatten dabei die Einschätzung, dass dieser für die Pflege der Lieferbeziehungen zu Philips wichtig ist. Da die Gesellschaft bei der Übernahme mit einer operativen Marge von rund 5% operierte, unterließen wir es, alle Geschäftsprozesse auf den Prüfstand zu stellen. Philips nahm lediglich die vertraglich vereinbarte Mindestmenge ab und kaufte stattdessen mehr und mehr in Asien zu. Wir erzielten zu wenige Produktivitätszuwächse und erwirtschafteten mit 330 Mitarbeitern weniger als EUR 50 Mio. Umsatz. Aufgrund der zu hohen kalkulierten Kosten gewannen wir zu wenige Neukunden.

Gegen Ende 2006 Jahr überraschte uns der Geschäftsführer mit einem schlechten Ergebnisausblick. Er offenbarte uns ferner, dass Philips den Liefervertrag nicht verlängern wollte. Was tun? 

Wir entsandten daraufhin einen erfahrenen Sanierungsmanager zur Vosla. Er stellte fest, dass es kein Kennzahlensystem und keine Vertriebsplanung gab. Insgesamt hatte das Unternehmen viel zu viel Personal in den meisten Bereichen.  Der Geschäftsführer erzählte uns dann bei seiner Entlassung, dass er von Anfang an wusste, dass er ca. 50 Mitarbeiter zu viel hatte! Aus falsch verstandener Mitarbeitertreue wollte er nicht schon wieder einen Sozialplan machen (den letzten hatte es vor unserer Übernahme gegeben).

Jetzt fehlten uns die Rücklagen, um die erforderlichen Entlassungen von mindestens 100 Mitarbeitern zu finanzieren. Mit den Gewinnen hatten wir umfangreich investiert und den Earn-out an Philips bezahlt, Dividenden für uns gab es keine. Für den Sozialplan waren rund EUR 8 Mio. erforderlich. Vielleicht hätten wir den Betrag in Verhandlungen mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft noch reduzieren können...Wir entschlossen uns  , einen Insolvenzplan durchzuführen. Die bestehenden Bankfinanzierungen erforderten dabei, dass wir die Banken regelmäßig über den aktuellen Stand unterrichten mussten. Wir beschönigten die Lage nicht. Was dazu führte, dass die Banken bisher nicht genutzte Linien kündigten. Wir mussten frühzeitig den Antrag auf Eigenverwaltung stellen - ohne einen fertig ausgearbeiteten Insolvenzplan zu haben. Das Gericht bestellte einen Sachwalter und die von uns neu ernannte Geschäftsleitung arbeitete den Plan dann aus. 

Der Insolvenzplan sah einen Mitarbeiterabbau auf ca. 220 Mitarbeiter vor. Der Investor hatte einen Beitrag von EUR 1,5 Mio. zu leisten. Mit den neu aufgenommenen Leasing- und anderen Finanzierungen von ca. 6,5 Mio. betrug der Unternehmenswert („Enterprise Value“) EUR 8 Mio. Das Unternehmen erwartete in 2007 ein Vorsteuerergebnis von ca. 1,5 Mio. und ein Nachsteuerergebnis von etwas über EUR 1 Mio. Eigentlich kein schlechter Deal. Wir entschlossen uns trotzdem nicht dazu,  selbst zu investieren. Die Gründe waren vielfältig. Die Belegschaft stand uns und unserm Sanierungsgeschäftsführer sehr ablehnend gegenüber. Sie sah bei uns die Schuld für die Unternehmenskrise. Uns überzeugte aber auch nicht die Vision der Geschäftsleitung, die aus Vosla einen Dienstleister für Lichtlösungen machen wollte. Der Absatz an herkömmlichen Autolampen ist weiter rückläufig und LED Lampen werden in Asien viel kostengünstiger produziert. Um dieses Ziel wirklich umzusetzen, ist unserer Meinung nach zu viel und nicht ausreichend qualifiziertes Personal vorhanden. Ein weiterer teurer Abbau  von Mitarbeitern erscheint unumgänglich. Wir sahen dabei insgesamt kein angemessenes Verhältnis von Chancen und Risiken. Dabei können wir uns natürlich auch irren.



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