Donnerstag, 18. November 2021

Warum spielt der Konzernabschluss für Beteiligungs-Holdings keine Rolle?

Haftet man als Holding nicht für alle Verbindlichkeiten der Tochtergesellschaften, dann ist der Konzernabschluss eigentlich irrelevant zur Beurteilung der Gesellschaft. Die Konzernbilanz ist eine Aufsummierung der Vermögenswerte und Schulden aller Beteiligungen und das Konzernergebnis ist das Saldo aller Vermögensveränderungen im Betrachtungszeitraum. Stattdessen sollte man die Beteiligungen einzeln bewerten:  der Gesamtwert ist die Summe der Einzelwerte minus aller Schulden. Seit Jahren habe ich mir nicht mehr unseren Konzernabschluss angeschaut... In unseren Aktionärsbriefen kommentierten wir nur die geschätzte Wertentwicklung unserer Beteiligungen und den aktuellen Marktwert der Finanzanlagen. Den Wert unserer Beteiligungen (derzeit ca. EUR 10 Mio.) schätzen wir so, dass wir die operativen Ergebnisse  der letzten 12 Monate mit 5 multiplizieren und die Nettoschulden abziehen. Damit sollten wir mindestens genauso viel erzielen, wie beim Verkauf der Gesellschaft unter Einbeziehung eines Unternehmensmaklers. Da wir keine Ergebnisabführungsverträge abschließen und Unternehmen im Wesentlichen unter Ausschluss von Haftungen kaufen, gibt es in der Holding auch keine Gewährleistungsrisiken und damit mögliche Abzugsposten.

Möchtet man aber als Beteiligungsgesellschaft Investoreninteresse schüren, dann sind der Manipulation keine Grenzen gesetzt. Kauft man Gesellschaften unter Buchwert für einen Euro, entsteht "Badwill" - das Gegenteil von Goodwill (= Kaufpreis übersteigt den Buchwert bzw. das Eigenkapital der erworbenen Gesellschaft). Diesen Badwill kann man mehr oder weniger willkürlich auflösen. Damit entsteht ein Konzerngewinn, sofern der Verlust der Gesellschaft nicht noch höher ausfällt. Auch kann man beim Kauf eine Restrukturierungspauschale bilden, die sich später gewinnsteigernd auflösen lässt.

Natürlich lässt sich auch der Nettowert der Beteiligungen ("NAV") manipulieren. So gibt es Beteiligungsgesellschaften, die den Wert so ermitteln, dass zukünftig erwartete Gewinne abdiskontiert und aktuelle Verluste ignoriert werden. In der Regel wird dann auf die konservative Wertermittlung hingewiesen, da der Diskontfaktor nur x beträgt und die Gewinne in Wirklichkeit viel höher ausfallen werden.

In Pressemeldungen wird auf gewonnene  Aufträge, Umsatzsteigerungen oder neue Länder oder Produktfelder hingewiesen. Über Fehlschläge wird dagegen nie berichtet. 



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