Samstag, 12. Dezember 2020

Nie Garantien geben!

Bei jedem Kredit fordert die Bank eine persönliche Bürgschaft. Auch der Verkäufer eines Unternehmens in einer Krisenlage möchte eine Garantie, dass die Firma nicht gleich nach dem Verkauf in die Insolvenz geht. Solche Garantien sollte man grundsätzlich nicht geben!

Warum nicht?

Bewertet man eine Garantie, dann hat sie vermeintlich niedrige Kosten. Denn die Wahrscheinlichkeit des Eintretens wird meistens als sehr gering erachtet. Ein faules Ei kann aber eine ganze Unternehmensgruppe zum Einsturz bringen oder die Privatinsolvenz zur Folge haben. Persönlich kenne ich einige, die im Glauben an den Erfolg gebürgt und damit sich und andere in den Ruin getrieben haben. 

Unberücksichtigt bleibt, dass eine gegebene Garantie das Verhalten der Parteien ändert. Sie haben einen selbsterfüllenden Charakter. So meldete als Beispiel  der Geschäftsführer der Paulmann&Crone am letzten Tag der auf drei Monate begrenzten  Garantie trotz (noch) voller Kassen die Insolvenz an. Warum? Neben den Gesellschaftsmitteln hatte er zu diesem Zeitpunkt noch uns in der Haftung, sodass er damit auch der Gesellschaft half. Nicht unwesentlich war wohl, dass er  damals mit uns über seine Erfolgsbeteiligung stritt. 

Auch verhandelt es sich viel schwieriger, wenn der Betriebsrat weiß, dass man im Falle der Insolvenz persönlich zum Nachschuss gezwungen ist. Das eigene Verhalten ändert sich, statt frei und ergebnisoffen zu handeln, wird man zum Verzweiflungstäter. So wirft man gutes Geld schlechtem hinterher oder geht immer riskantere Wetten ein, um die eigene Haftung abzuwehren. Was weder dem Unternehmen noch einem selbst nutzt.

Lehnt man die persönliche Garantie entschlossen genug ab, bekommt man den Kredit oder das Unternehmen häufig auch ohne die Garantie. Letztlich ist die Frage der Garantie Teil des Spiels, da es Bestandteil der Checkliste des Anwalts oder der Bank ist und einfach abgefragt werden muss!


Freitag, 11. Dezember 2020

Anreize verstehen

Bei unserm IT Dienstleister Neef stellten wir den Betriebsrat vor die Wahl, die Personalkosten (der Hauptkostenfaktor) um 10% zu senken oder Insolvenz anzumelden. Er entschied sich am Hauptsitz Karlsruhe dafür, 10% des Personals gehen zu lassen. Warum? Der Betriebsrat selbst kann nicht entlassen werden, aber eine Lohnsenkung trifft ihn persönlich! Interessant war, dass sich der Standort Hannover für die Lohnsenkung entschied. Bei 12 Mitarbeitern war der Gruppenzwang zu stark, um eine Entlassung umzusetzen.

Bei der Wiedervereinigung der beiden Teile Deutschlands halfen die West-Gewerkschaften ihren östlichen Brüdern bei der Durchsetzung höherer Löhne und der schnellen Angleichung an das westliche Lohnniveau. Warum? Sie wollten keine ostdeutsche Billigkonkurrenz und nahmen dabei in Kauf, dass es nach jeder Lohnerhöhung (quartalsweise stiegen die Löhne um 10%) zu einer Entlassungswelle im Osten kam. Das ging so lange gut, bis die ostdeutschen Gewerkschaften merkten, dass die westlichen Brüder vielleicht doch nicht in ihrem Interesse handelten.

Ein Münchner Private Equity Fond zahlte vor wenigen Jahren mehr als 10x EBITDA für den Zulieferer für Geschirrspülmaschinen trotz der Notwendigkeit, mehr als ein Drittel des EBITDA wieder reinvestieren zu müssen, um den  Maschinenpark an fünf Produktionsstandorten zu erhalten. Warum? Es war nicht das eigene Geld. Verliert man in der Auktion, geht irgendwann das Recht verloren, das Geld der Investoren investieren zu können. Man verliert nichts und partizipiert am Gewinn mit 20%! Kein Wunder, dass die Private Equity Branche floriert!

Wenn man das Verhalten anderer verstehen will, sollte man die Motivation des Gegenübers zu erkennen versuchen. Besonders die mittelbaren Folgen bestimmen das Verhalten der Parteien. Beispiele gibt es viele, wo die indirekten Folgen nicht berücksichtigt werden. So führt z.B. eine Mietpreisbremse zu geringeren Renditen und zu weniger Neubauten, wenn die im Prospekt versprochene Investorenrendite nicht mehr erreicht werden kann.


Den Mut haben unbeliebt zu sein

Jeder möchte geliebt werden und sucht die Zustimmung. Nur der Zusammenhalt in der Gruppe hat uns früher das Überleben ermöglicht. So sind wir aber auch leicht zu manipulieren.  Die Sucht nach Anerkennung führt dazu, dass wir uns in der Regel dem Diktat der Gruppe beugen.  Schließt man sich bei Investitionsentscheidungen der Mehrheitsmeinung an, verdient man kein Geld. Auch im Privaten findet man kein Glück, wenn man sich bei Entscheidungen zur eigenen Zukunft der Meinung anderer ohne  Hinterfragen einfach anschließt. Die Kunst besteht darin, zu beurteilen, wo die Mehrheit recht hat und wo nicht. Eigene Recherchen und eine Sensibilität für die eigenen Gefühle sind dabei entscheidend.

 

Donnerstag, 10. Dezember 2020

Das Leben ist unfair.

Dieser erste Satz in Dale Carnegies Buch übte eine zutiefst beruhigende Wirkung auf mich aus. Wer hat nicht schon eine Ungerechtigkeit erlebt und darunter gelitten? Wochenlang regt man sich auf und es bringt doch nichts. Jeder Versuch der Vergeltung verstärkt nur das eigene Unglück. In Gedanken wiederholt man wieder und wieder das gleiche Szenario und fühlt sich immer unglücklicher dabei. Wie kommt man aus diesem Teufelskreis heraus? 

Bei meinem letzten Aufenthalt im Kloster vor ein paar Wochen habe ich eine neue Meditationstechnik kennengelernt, welche die Antwort liefert: Notiz nehmen. Eine unangenehme Erinnerung kommt auf und man nimmt diese zur Kenntnis, indem man etwas dreimal in Gedanken wiederholt "Denken, Denken, Denken" oder "Schmerzen, Schmerzen, Schmerzen". Man notiert beim Gehen oder Sitzen einfach, was einen gerade beschäftigt. Allerdings nicht so, dass man das Gefühl zu ausführlich analysiert, sondern indem man es idealerweise in einem Wort zusammenfasst. Statt Schmerzen oder unangenehme Gedanken zu verdrängen, erkennt man es einfach an, so lange bis das Gefühl oder der Gedanke von alleine wieder verschwindet. Denn alles ist vergänglich und ständig im Fluss. Versucht man Unangenehmes zu verdrängen, wird es  zu einem ständigen Wegbegleiter und setzt sich z.B. im Körper als Verspannung fest, um in den unpassenden Momenten wieder zu Tage zu treten.  Was einen jahrelang beschäftigen kann. Noch schlimmer ist es, wenn man in der Sache einen Rechtsstreit anfängt und immer wieder aufs Neue gezwungen wird, sich mit der Sache zu beschäftigen.

Natürlich enthebt einen dies nicht, von der Verpflichtung gegen Ungerechtigkeiten zu kämpfen. Allerdings sollte man sich nicht daran zerreiben. Stattdessen hilft es, sich wieder und wieder zu vergegenwärtigen, dass es immer ungerecht zugehen kann. 

 Die gleiche Technik kann man in Diskussionen verwenden, wenn jemand immer wieder einen Gedanken wiederholt und zum Störenfried wird. Dahinter steckt oft nur der Wunsch, Anerkennung zu finden. Also wiederholt man den Gedanken oder schreibt ihn auf, sodass sich der Gegenüber verstanden fühlt und wieder zum produktiven Teilnehmer der Diskussion wird. 

 

 

 




Dienstag, 8. Dezember 2020

Was machen wir mit unserem Geld?

International übersteigt die Staatsverschuldung den Höchststand zum Ende des zweiten Weltkrieges und die Aktienkurse erreichen trotz der Coronaepidemie neue Rekorde. Unklar ist, ob der Nachfrageausfall dauerhaft zu Konsumverzicht und Deflation führt oder ob die gestiegene Geldmenge die Angst vor der Geldentwertung weckt und damit eine Inflation auslöst. Was macht man in einer solchen Situation mit dem Geld?

Zum Schutz vor Inflation haben wir rund 12% unserer Mittel in Gold angelegt (Xetra Gold und Gold Mining ETF GDXJ). Auch Aktien können bei Inflation den Wert bewahren, sofern die Gesellschaften nicht zu viel reinvestieren. Allerdings verlieren zukünftige Erlöse durch die Inflation an Wert. Ein steigender Abzinsungsfaktor und geringere Kurs-Gewinn-Verhältnisse sind die Folge. Wir bevorzugen daher niedriger bewertete Value-Anlagen statt Wachstumsunternehmen. Wir haben derzeit über 60% unserer Mittel in Aktien investiert.  

Unsere Kasse von ca. 20% bietet die Chance interessanter Wertanlagen bei fallenden Preisen (Deflationsszenario). Genauso sind festverzinsliche Wertpapiere ein Schutz bei Deflation. Aufgrund der Minuszinsen sehen wir allerdings das Risiko starker Kursverluste (inverses Verhältnis zwischen Zins und Preis der Anleihe) bei einem Ansteigen der Inflationserwartungen. In Immobilien und Rohstoffen sind wir derzeit nur sehr gering investiert (unter 5%), ein Anteil, den wir gerne ausbauen möchten, denn auch Sachwerte schützen vor der Inflation. Unser Private Equity Anteil beträgt nur 3%, da es an interessanten Kaufgelegenheiten in den letzten Jahren mangelte und wir unser Beteiligungsportfolio Corona-bedingt um die Hälfte abgewertet haben.

Bei Aktienanlagen konzentrieren wir uns auf inhabergeführte Unternehmen oder solche, die sehr langfristig orientiert sind und an einer beständigen Erhöhung des Unternehmenswertes arbeiten. Entwicklungsländer und Schwellenländer machen knapp 30% des Aktienportfolios aus, ein verhältnismäßig hoher Anteil, den wir aber gerne noch ausbauen möchten.

Jeweils rund 7% unseres Aktienportfolios sind in die Kapitalanleger Brederode, Berkshire und Inv.AG investiert sowie die Altenheimbetreiber Summerset und Ryman Healthcare. Im Saldo haben wir in den letzten fünf Jahren damit unseren Einsatz fast verdoppelt. Jeweils 5% unseres Portfolios machen die beiden Familienunternehmen TCS Holding Group und Grupo Catalana Occidente aus. Hinter Letzterer verbirgt sich der führende Kreditversicherer Atradius. 

15% haben wir in unser Japan Portfolio investiert, das aus rund 60 Unternehmen besteht. Die Unternehmen sind durchschnittlich mit einem EBIT Multiple von 4 bewertet und damit viel günstiger als unser übriges Portfolio. Der Buchwert unserer japanischen Gesellschaften erhöhte sich in den letzten fünf Jahren um über 8% p.a. und die Dividendenrendite beträgt 2,8%. Bemerkenswert ist, dass trotz der hohen Barmittel von mehr als 2x EBITDA (keine Bankverbindlichkeiten!) die Eigenkapitalrendite der Unternehmen in den letzten 5 Jahren bei über 10% lag. Ändern sich die Bewertungen nicht, sollte dies grob der Rendite des Anlegers entsprechen. Die Eigenkapitalrendite wäre höher, wenn die Firmen ihre Barmittel zum Beispiel über Aktienrückkäufe auf ein vernünftiges Maß reduzieren würden. Zum Glück kommen immer mehr Finanzinvestoren auf die Idee, japanische Gesellschaften mit Hilfe der eigenen Kasse von der Börse zu nehmen. Hin und wieder kommt es auch zu solchen Übernahmeangeboten in unserm Portfolio. Die gezahlten Kaufpreise entsprechen aber mangels ausreichender Nachbesserungsmöglichkeiten (Klage) häufig nicht dem wahren Unternehmenswert.

 

 


Mittwoch, 2. Dezember 2020

Wie werde ich glücklich?

Vor fünf Jahren dachte ich nur noch ans Geld. Wenn ich ein Geschäft betrat, rechnete ich gleich nach, was der Ladenbesitzer verdiente. Diejenigen, die weniger verdienten, schätzte ich gering. Und fühlte mich immer unglücklicher dabei. Meine Rettung war eine 10-tägige Vipassana-Meditation. Die ersten vier Tage dienten dem Konzentrationstraining. Was als Mindfullness bezeichnet wird. Man lernt dabei, sich auf die Atmung zu konzentrieren. Und fühlt sich besser, wenn die Gedanken langsam in den Hintergrund treten.

Die Vipassana- Meditation geht einen Schritt weiter. Ziel der Methode ist die Heilung von allem Unglück. Der Mensch ist unglücklich, weil die Dinge nicht so sind, wie sie sein sollten. Der Ärger und die Sucht nach Veränderung stecken im Körper und beeinflussen ständig das Denken. Nie ist man zufrieden, immer ist man auf der Suche nach etwas. Und ärgert sich trotz aller guten Vorsätze immer wieder. Und erwartet das Glück immer woanders.

Wie löst man sich davon? Indem man sich während der Meditation selbst beobachtet und auf Körperempfindungen achtet, ohne zu reagieren. Die Schmerzen, die man mit der Zeit empfindet, dienen dazu, den Gleichmut zu trainieren. Das Ziel ist es, gleichmütig zu werden und so zum Glück zurückzufinden.  Die These ist, dass jeder Ärger, den man erfahren hat, im Körper gespeichert ist und unbewusst ständig das Denken beeinflusst. Um zum Glück zu finden, muss man erst den Körper reinigen von allem gespeicherten Ärger. Durch den Kopf allein findet man nicht zum Glück zurück. Nach fünf Klosteraufenthalten kann ich sagen: es funktioniert! Das Ganze ist leider mit Arbeit verbunden und dies kann keiner einem abnehmen.

Um vier Uhr morgens erfolgt der Weck-Gong. Vor und nach jeder Meditation wieder ein Gong. Abends gibt es einen ca. 1 stündigen Vortrag und die Meditation wird von Anleitungen und Gesang begleitet. Der Ablauf erfolgt weltweit immer nach dem gleichen Muster. Vorne sitzt ein Lehrer und beantwortet in den Pausen Fragen zur Methode. Ansonsten gibt es keine Ablenkung. Frauen und Männer meditieren streng getrennt und es herrscht tiefes Schweigen. Die Teilnahme ist kostenlos und am Ende entscheidet jeder selbst, ob und wieviel er spendet. Das Essen und der kostenlose Aufenthalt dienen dazu, ein Gefühl der Demut zu entwickeln. Man lernt,  Dankbarkeit für alles zu empfinden. Weltweit gibt es rund 50 Klöster, die nach der gleichen Methode unterrichten. Das Ganze ist sehr gut strukturiert und jede Minute ist ausgefüllt (https://www.dhamma.org).

Karstadt Kaufhof will mehr Geld vom Staat um Benko`s Miete zu zahlen...

Geht es um den vermeintlichen Erhalt von genügend Arbeitsplätzen ist der Staat in Deutschland schnell mit finanziellen Hilfen zur Stelle.  D...