Donnerstag, 4. März 2021

Gold und Rohstoffe als sicherer Schutz vor Inflation?

Wir hatten zum Jahresende EUR 42 Mio. in Xetra Gold investiert - rund 11 % unserer Mittel. Seitdem ist der Goldkurs stärker unter Druck gekommen. Interessanterweise wohl  in Verbindung mit der laufenden Diskussion in den USA, ob das geplante zusätzliche staatliche Unterstützungsprogramm von EUR 1,3 Billionen nicht zu steigender Inflation führt. Da es den Covid bedingten Nachfrageausfall mehr als kompensiert. Ist Gold damit die richtige Anlage bei drohender Geldentwertung? 

Langfristig korreliert der Preis von Gold mit der Ausweitung der Geldmenge und bietet damit einen Schutz vor der Geldentwertung. Die Angst davor ist nicht unbegründet: Im letzten Jahr stieg zum Beispiel die US-Geldmenge um 25 %. 

Kurzfristig haben aber die Stärke des US-Dollars und die Höhe der realen Zinsen den größeren Einfluss auf den Goldpreis. Da Gold keine Rendite bringt (unsere Haltekosten betragen ca. 0,3 %) sind die Zinsen auf langfristige Staatsanleihen die Opportunitätskosten für das Halten von Gold. Seit Jahresbeginn steigen die Zinsen auf langfristige US-Staatsanleihen stark, der Zinssatz für 10 Jahre Laufzeit z.B. erhöhte sich um 60 % von 0,9 % auf 1,5 %. Kein Wunder, dass Gold als Anlageform unattraktiver geworden ist. Wichtiger noch als der Nominalzins ist der Realzins für den Anleger. Da die Inflationserwartungen nach wie vor sehr niedrig sind, ist damit zunächst der reale Zins gestiegen. Historisch korreliert der Goldpreis stärker mit den tatsächlichen Zinsen als mit den nominalen. 

 

Die Frage ist, ob die Notenbanken eine Erhöhung der langfristigen Zinsen zulassen oder ob sie nicht vielmehr durch den Kauf von langfristigen Staatsanleihen die Zinsen künstlich niedrig halten ("Yield Control"). Eine solche Kontrolle der Zinsen ist aber zu erwarten:

1. Die US-Verschuldung beträgt fast 400 % der Wirtschaftsleistung eines Jahres ("GDP") - höhere Zinsen sind nicht bezahlbar und würden zu vielen Insolvenzen führen.

2. Die Neuverschuldung der US-Regierung ist auf Höchstniveau (in 2020 stieg die US-Staatsverschuldung allein um 20% vom GDP) und es gibt außer der US-Notenbank keinen Käufer mehr für US-Staatsanleihen. Früher haben Ausländer gekauft, aber große Anleger wie die chinesischen Staatsfonds investieren vermehrt in inländische Anleihen oder versuchen, durch andere Anlageformen (wie Aktien) ihre Abhängigkeit vom US-Dollar zu reduzieren.


Wird der langfristige Zinssatz künstlich niedrig gehalten bei steigenden Inflationserwartungen, fällt der Realzins und Gold wird wieder attraktiver. Gold ist fungibel und verspricht historisch gleichzeitig Sicherheit. Bitcoin z.B. ist derzeit mehr ein Spekulationsobjekt als eine reale Alternative (Transaktion dauert zu lange, sehr hoher Energieverbrauch, als Anlageklasse ist der Gesamtwert zu klein). Dieser Goldpreisanstieg wird so lange anhalten, bis die Notenbanken (und vorweg die USA) dazu gezwungen sind, mit einem Zinsanstieg die steigende Inflation zu bremsen. Nur mit einem Realzins der niedriger ist als das Wirtschaftswachstum lässt sich die Verschuldung reduzieren. Dies spricht dafür, dass der Realzins viele Jahre negativ bleiben wird. Nur so lässt sich das hohe Schuldenniveau - ähnlich wie nach dem Zweiten Weltkrieg - reduzieren. Natürlich nicht absolut (Schulden werden nie wirklich getilgt), sondern im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung.

Neben Gold versprechen auch andere Rohstoffe Schutz vor Inflation. Das Halten dieser Rohstoffe ist mit Ausnahme anderer Edelmetalle wie Platin teuer und die ETF Betreiber wählen einen künstlichen Ersatz. So wird zum Beispiel Kupfer oder Öl auf Ziel gekauft und beim Ablaufen der Option nicht in Empfang genommen, sondern wieder gegen eine längere Laufzeit eingetauscht. Da  Rohstoffpreise in der Regel steigenden Erwartungen unterliegen, ist ein Kauf auf Ziel teurer als ein Kauf per sofort. Gründe für diesen sogenannten Contango sind Zins- und Inflationserwartungen. Mit dem Kauf dieser synthetischen ETF's sind schwer kalkulierbare Roll-over Kosten verbunden und damit würden wir vom Kauf eher abraten. 

Interessanter sind Minenbetreiber und Unternehmen, die mittelbar mit der Rohstoff- Ausbeute Geld verdienen wie z.B.  Servicefirmen. In den letzten 10 Jahren ist aufgrund der sehr niedrigen Rohstoffpreise zu wenig in die Förderung investiert worden, was diese Aktien besonders interessant macht. Wer nicht  einzelne Aktientitel auswählen möchte, kann einen entsprechenden ETF wählen. Wir selbst haben derzeit ca. 2,5% der Mittel in vergleichbare Unternehmen investiert und möchten diesen Anteil gerne noch ausbauen.

Wer mehr über die Inflationsgefahren, die Reaktion der Notenbanken und geeignete Geldanlagen erfahren möchte, dem sei der Blog von Lyn Alden  oder ihre Youtube Interviews empfohlen. Lyn ist keine 30 Jahre alt und extrem beeindruckend. 

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