Freitag, 4. März 2022

35 Mio. EUR weg und was lerne ich daraus?

Unsere russischen Aktien sind mit einem Schlag wertlos geworden, damit haben sich 7 % unseres Vermögens in Luft aufgelöst. Die Sanktionen kosten uns alle direkt oder indirekt Geld. Sie sind aber ein notwendiges Opfer, um einen Diktator in seinem Eroberungswahn aufzuhalten. Die Menschen in der Ukraine verlieren ihr Leben. Ohne einen Atomkrieg zu riskieren, sind leider nur wirtschaftliche Sanktionen möglich. 

Im Nachhinein ist klar, dass wir das Russland Risiko völlig falsch eingeschätzt haben. Die Wahrscheinlichkeit eines militärischen Angriff stuften wir als sehr gering ein, da wir keinen Gewinner sahen. Aber noch mehr unterschätzten wir das Ausmaß der finanziellen Sanktionen, die unsere russischen Aktien nach ein paar Tagen in Penny Stocks verwandelten. Wir hätten einen Teil unseres Gewinns realisieren müssen (unser Mitteleinsatz betrug nur 2 % des Vermögens, der Rest war aufgelaufener Gewinn). Ein Spruch von Ray Dalio kommt mir dabei in den Sinn: "if you worry, you don't need to worry and if you don't worry, then you need to worry". Bei einer Investorenkonferenz vor einem Monat warb ich für ein Engagement in den Entwicklungsländern (nur noch 1/4 unsere Portfolios) und fragte am Schluss, was kann schon schiefgehen bei den niedrigen Bewertungen?

Durch die Isolation Russlands steigt die Rohstoffknappheit und erhöht die Kosten für alle, da wirtschaftliche Sicherheit und Unabhängigkeit nur mit mehr Investitionen in Warenlager, lokales Sourcing und alternative Lieferquellen gewährleistet werden können. Die Höhe unseres Engagements in Xetra Gold und Goldminenbetreiber halten wir für ausreichend (ca. 12 % unserer Mittel nach dem jüngsten Anstieg). Allerdings haben wir nur 4 % in Öl- und Metallproduzenten (siehe weiter unten) angelegt. Hier sind wir auf der Suche nach weiteren Engagements.


2 Kommentare:

  1. "Es gibt kein Grundrecht auf steigende Kurse" oder "Zum Unterschied zwischen Substanz und Psychologie": Ja, die Kurse sind im Keller. Aber bedeutet das, dass die Substanz verloren ist (durchaus möglich, wenn Unternehmensstandorte im Krieggebiet liegen)? Vermutlich trifft dies weniger zu. Die Folge: Nach Beendigung der Krise werden die Kurse wieder auf etwa fair value steigen, sofern keine staatlichen Zwangsmassnahmen angewendet werden. Denkbar wäre hier die Enteignung zur Refinanzierung des Krieges. Klammert man diese Option aus, und auch diejenige einer nuklearen Eskalation, dann sollte sich die Kursschwäche als vorübergehende Rücksetzbewegung herausstellen - selbst dann, wenn der Krisenmodus sich verfestigt und zum gewohnten Zustand mutiert. Denn: alle Menschen sind auf Erwerbstätigkeit angewiesen, unabhängig davon, welcher Politiker sie gerade unterdrückt. Die aktuell weltweite Situation ist ohne Gesetzmässigkeit und ohne historisches Beispiel. Das erzeugt eine unangenehme Ungewissheit. Wer Stabilität wünscht, wird nicht umhin kommen, deren grössten Feind zu überwinden: die Politik.

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  2. Bleibe im Land und nähre Dich redlich...(Ps 37,5)

    Bei den Zulieferern ist es ähnlich,: möglichsst viel im eigenen Land produzieren. Dann sind die Lieferrisiken nicht so groß.

    Ich gehe auch davon aus, dass im Herbst spätestens die Sanktionen wieder fallen. Andererseits ist das Risiko vorhaanden, dass die russische Regierung den russichen Unternehmen nicht mehr erlaubt, die ADRs mit Aktien zu unterlegen. Damit wären die ADRs, die Sie wohl im Depot haben, wertlos... Nur, warum schreiben Sie dieses in den Blog und machen keine Mwldung bzw. adhoc?

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