Dienstag, 14. September 2021

Wachsende Ungleichheit führt zu Handelskriegen und macht die Welt ärmer

Deutschland und China haben mehr gemein, als man denkt. Beide Länder sind durch Konsumverzicht Weltmeister im Export geworden. Mit den Erlösen werden ausländische Schuldpapiere erworben, die den Ausländern und insbesondere den USA helfen, die Importe zu bezahlen. In den USA hat der schuldenfinanzierte Konsum zur Deindustrialisierung geführt. Die amerikanischen Arbeitnehmer sind damit zum Opfer der Globalisierung geworden. Die Wahl von Trump und der Start eines Handelskrieges sind letztendlich die Folge. Nach der großen Finanzkrise haben die Deutschen der Europäischen Gemeinschaft die gleiche unsinnige Wirtschaftsformel ("liefere BMW's gegen Schuldscheine") aufgezwungen. Bis 2009 war die Außenhandelsbilanz im Euroraum noch ausgeglichen, da Spanien, Irland, Griechenland und Portugal mit ihrem Schuldenaufbau deutsche Importe bezahlten. Nach dem Platzen der Schuldenblase wurde diesen Ländern von Deutschland der gleiche Konsumverzicht aufgezwungen und sie exportieren ebenfalls mehr als sie konsumieren. Ähnlich wie bei den Deutschen wurde der Konsumverzicht durch Maßnahmen wie die Erhöhung der Abgaben und der Mehrwertsteuer sowie die Kürzung der meisten Infrastrukturmaßnahmen zur Sicherung der Schwarze Null (Staatshaushalt darf keine Neuschulden aufnehmen) durchgesetzt. 

Sei den Unternehmenssteuerreformen in Deutschland Anfang der Jahre 2000 ist die Steuerbelastung der Spitzenverdiener (obere 10 %) bis 2018 um 2,5 % Prozent gesunken, während sich die Belastung der unteren Lohngruppen um 5 % erhöht hat. Gleichzeitig sind die Gehälter der Spitzenverdiener seit 1990 um 30 % gestiegen, währen die untersten Lohngruppen keinen realen Lohnzuwachs hatten. Infolgedessen ist der Gini-Koeffizient (der den Grad der Ungleichheit) misst, in Deutschland von 1990 bis 2016 von 0,25 auf 0,3 gestiegen. Klingt nicht nach viel, allerdings beträgt der Koeffizient bei einer kompletten Gleichverteilung 0 und bei 1 gehört alles einer Person! Laut OECD ist die Ungleichheit in Deutschland zwischen 2000 und 2008 in Deutschland stärker gestiegen als in jedem anderen OECD Land.

Die Grafik zeigt die Lohnentwicklung nach Einkommensgruppen (in Dritteln) in Deutschland:



(Quelle: www.boeckler.de/pdf/imk_vortrag_behringer_2017_12_13.pdf )


Die gestiegene Ungleichheit in Deutschland und die größere Sparquote der Besserverdienenden haben den Konsum in Deutschland stark reduziert. Stattdessen sind die Ausländer zu Konsumenten der deutschen Produkte geworden. Die Deutschen sind dabei weniger zu Exportweltmeistern geworden, sondern haben im Verhältnis zum Wirtschaftswachstum auf Importe bzw. Konsum verzichtet:



Import und Export in Zahlen (2000 bis 2017). Quelle: Statistisches Bundesamt: Außenhandel, www-genesis.destatis.de


Das Wirtschaftswachstum in den Jahren seit 2000 beruht fast ausschließlich auf stark gestiegenen Exporten, während der Durchschnittsdeutsche nichts davon hatte! Die Amerikaner sind weltweit die größten Abnehmer für die Exporte der Deutschen und anderer Länder geworden, die sich einen ähnlichen Konsumverzicht leisten (wie z.B. Holland oder China). Auch in den USA hat die Ungleichheit durch ähnliche Maßnahmen wie in Deutschland stark zugenommen. Und die Durchschnittslöhne stagnierten. Da der USA Dollar aber die Weltwährung ist, konnte der Durchschnittsverdiener seinen Konsum durch die Aufnahme von immer mehr Schulden steigern. Der Konsum wurde dabei durch immer mehr Auslandsschulden finanziert. Gleichzeitig hat die Kapitalzufuhr aus dem Ausland den US Dollar gestärkt und damit Importe verbilligt. Der steigende Dollar hatte umgekehrt zur Folge, dass die US Produktion im Laufe der Zeit immer unwirtschaftlicher wurde und im starken Maße Personal reduziert wurde. Mit der steigende Globalisierung sind in den USA immer mehr Jobs ins Ausland verlagert worden. Die Opiod-Krise und 20 Mio. Amerikaner, die wegen Gefängnisaufenthalten oder Vorstrafen aus dem Arbeitsleben ausschieden, sind Symptome dieser Krise.  Die Radikalisierung der Politik und Handelskriege sind letztendlich die Folge. Auch lassen sich nicht immer mehr Schulden aufbauen, da der US Dollar als Reservewährung in Gefahr ist. Irgendwann muß ein System zusammenbrechen, dass Wirtschaftswachstum nur durch Konsumverzicht und den immer stärker steigenden Export von Ersparnissen und damit einhergehende Verschuldung sichert.  Weltweit muß die Sparquote Null sein,  denn jedem Sparer steht ein Schuldner gegenüber. 

Wege aus der Krise

Alle Maßnahmen zur Bekämpfung der wachsende Ungleichheit helfen, den Konsum zu stärken und der wachsenden Verschuldung zu begegnen. Mehr Konsum hilft, Exportüberschüsse abzubauen und damit den Außenhandel weltweit wieder in ein Gleichgewicht zu bringen. Interessanterweise denken hier die amerikanische Regierung Biden und die Chinesen ähnlich. Auch die Programme der politischen Parteien (mit Ausnahme der FDP) in Deutschland enthalten hier Ansätze, wie steigende Steuern für die Reichen und mehr Umverteilung, Stärkung der Nachfrage durch Infrastrukturausgaben und Erhöhung des privaten Konsums. Allerdings wird der Widerstand der Habenden groß sein, Lobbyisten werden beschäftigt, um mit Scheinargumenten ("Staaten dürfen keine Schulden aufnehmen", Vermögenssteuer ist Neidsteuer und führt zu Entlassungen") gegen zu halten. So zettelte Trump parallel zur steuerlichen Entlastung der Reichen in 2018 einen Handelskrieg mit China und eine Kampf gegen Emigration an, um von seiner Politik der wachsenden Ungleichheit abzulenken. 

Die Steuern sollten so gewählt werden, dass sie effizient sind und den Anreiz zum Unternehmertum nicht nehmen. Also Mehrwertsteuer und Abgaben wie GEZ Gebühren senken, Grunderwerbssteuer und Erbschaftssteuer dagegen erhöhen. Schließlich müssen auch die Besserverdienenden verstehen, dass es Wirtschaftswachstum nur geben kann, wenn alle davon profitieren. Dies erkannte in den 20'er Jahren auch Henry Ford, der seine Mitarbeiter sehr gut bezahlte, damit sie seine Autos auch leisten konnten. 


Mehr dazu: 

Trade Wars Are Class Wars: How Rising Inequality Distorts the Global Economy and Threatens International Peace

by Matthew C. Klein and Michael Pettis


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