Mittwoch, 1. September 2021

Werden die Zinsen so niedrig bleiben?

Ein Argument für steigende Zinsen ist, dass die Generation der Babyboomer sich langsam aus dem Erwerbsleben verabschiedet und mit dem Abbau der Ersparnisse die Konsumnachfrage (und damit die Zinsen) ankurbelt. Das Beispiel Japan zeigt aber, dass dies nicht der Fall sein muss. Trotz zunehmender Überalterung und Rückgang der Erwerbstätigenzahl leidet das Land seit mehr als ein Jahrzehnt unter  Niedrigzinsen. 

Eine gerade veröffentlichte Studie der FED zeigt, dass die starke Einkommensverschiebung zu den Reichen hin ein starkes Ansteigen der Sparquote zur Folge hat. Dieser Effekt ist wesentlich stärker als die vermehrte Konsumnachfrage der Ruheständler. Eine höhere Sparquote führt zu steigenden Preisen bei Kapitalanlagen und damit sinkende Renditen bzw. Zinsen. Wenn ich meine eigene Sparquote (oder die der BAVARIA sehe), kann ich bestätigen, dass wir unsere Gewinne fast vollständig wieder anlegen. Im Gegensatz zu einem Arbeitnehmer, der fast alles in den Konsum stecken muss. Dies deckt sich auch mit der Beobachtung, dass die Ungleichheit auch (oder gerade) in Folge des QE stark zugenommen hat und weiter zunehmen wird, solange die Geldvermehrung der Notenbanken kein Ende findet.

Auf der Angebotsseite kommt es dagegen immer häufiger zu Verknappungen und damit zum Preisanstieg bei Rohstoffen und Konsumgütern. Der plötzliche Konsumanstieg mit der stark gestiegenen Impfquote hat zu einer Angebotsverknappung geführt. Auch der Trend zur Deglobalisierung aufgrund der Verkürzung der Lieferketten (um diese weniger störanfällig zu machen) führt zu steigenden Preisen. Da der Servicesektor aber in den westlichen Industrieländern dominiert, wird ohne einen drastischen Anstieg der Löhne die richtige Inflation ausbleiben.

Was heiß dies als Investor? Ohne exogenen Schock (zum Beispiel Platzen der Immobilienblase in China) oder ein Umschwenken der Politik hin zu mehr Umverteilung bleiben die Aktienpreise auch in den nächsten Jahren hoch und eine hohe Aktienquote (bei uns 75%) im eigenen Portfolio erscheint sinnvoll.

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