Dienstag, 14. November 2017
Unser größtes Debakel Steeltech und wie es dazu führte, dass wir komplett den BAVARIA Kurs änderten...
Montag, 13. November 2017
Darf man mit seinem Geschäftspartner nachverhandeln?
Darf ich jemanden entlassen, obwohl ich Gewinne mache?
Donnerstag, 9. November 2017
Was waren unsere teuersten Fehler?
Montag, 6. November 2017
Was lief bei unserm ersten Deal alles schief?
Was war das beste Feedback was ich jemals erhalten habe?
Wie war es im Kloster?
Donnerstag, 19. Oktober 2017
Welche Fehler haben wir bei unseren Zukäufen gemacht?
Unendlich viele. Zu den katastrophaleren gehört der mangelhafte
Auftragseingang, den wir bei der Übernahme eines größeren Automobilzulieferers
übersehen haben. Das Umsatzwachstum der letzten Jahre hatte uns geblendet. Die
Qualitätsprobleme bei den Neuanläufen führten zu der Auslistung als Zulieferer
bei wichtigen OEM-Kunden. Aufgrund der Verzögerung zwischen Auftragseingang,
Serienanlauf ("SOP") und Umsatzgenerierung hatten wir dies übersehen.
Heute prüfen wir die Entwicklung des Auftragseingangs und -bestandes mindestens
der letzten zwei Jahre nach Monaten, idealerweise grafisch aufbereitet.
Häufig waren wir auch zu optimistisch, was die Marktentwicklung
anbelangt: was haben Küchenstudioketten, Aluminiumfolienhersteller oder
Auftragsfertiger für Telekom gemeinsam? Rückgänge im Umsatz führten dazu, dass
wir mit allen unsern Kostensenkungen im Ergebnis trotzdem nicht über die
Nulllinie kamen. Heute achten wir darauf, dass das Unternehmen "Pricing
Power" hat: Es wird nicht alle Kunden verlieren, wenn es den Preis einmal
um 5 % erhöht, um zum Beispiel gestiegene Materialpreise zu kompensieren.
Typischerweise sind diese Unternehmen in technischen Nischen tätig, wie einige
der Maschinenbauer, die wir übernommen haben, oder sind über Kanban-Prozesse eng
mit der Kundenfertigung verknüpft (z. B. unser Produzent für Elektrolaminate
K+S GmbH.)
Auch sollte sich der Deal für den Erwerber lohnen, in einigen
Fällen haben wir im Eifer des Gefechts zu viel Schulden akzeptiert, mit der
Erwartung, wenn zu wenig Cash Flow erwirtschaftet wird, nachverhandeln zu
können. In der Regel klappte dies jedoch nicht. Wir hatten dabei wohl unsern
Verhandlungsspielraum falsch eingeschätzt. So haben wir z.B. bei der Hering
Wärmetauscher fast 15 Jahre nur für die Banken gearbeitet und auf jede Form von
Dividenden verzichtet. Heute achten wir darauf, dass wir nicht zu viel für
unsere künftige Arbeit vorab bezahlen (z. B. in Form eines Kaufpreises oder in
der Übernahme von zu viel Schulden).
Wichtig ist auch, dass man sich Gedanken über den Cash-Flow Zyklus
des Geschäfts macht: ein Bekleidungshersteller, der nur zwei Kollektionen im
Jahr über die eigenen Läden verkauft, muss fast einen halben Jahresumsatz
vorproduzieren, wenn man den durchschnittlichen Orderzyklus von 180 Tagen in
der Beschaffung aus Asien mit berücksichtigt. Dies haben wir bei unserer ersten
Übernahme in der Branche glatt übersehen. Die Lieferanten fordern zumindest
einen Aval oder "Letter of credit", den die Banken in der
Anfangsphase der Sanierung sicherlich nicht ohne eine Barhinterlegung von
möglicherweise 1:1 auslegen werden. Ähnliches gilt für Anzahlungsbürgschaften bei
Projektgeschäften. Obwohl der typische Kunde eines Maschinenbauers einen Teil des Kaufpreises vorab bezahlt, erwartet er als Sicherheitsleistung einen Anzahlungs-Aval. Banken oder Versicherungen werden diese Bürgschaft aber nur mit
einer teilweisen Hinterlegung dieser Mittel auslegen. Diese Mittel stehen dann
nicht zur Verfügung, um die notwendigen Vormaterialien zu beschaffen.
Auch sollte man die Rolle von Kreditversicherern verstehen. In
Europa gibt es nur drei: EulerHermes, Coface und Atradius. Diese entscheiden
häufig über das Schicksal der neu gekauften Gesellschaft. Setzen diese die
Kreditlinie nach der Übernahme auf
null, weil zum Beispiel der Konzernverbund wegfällt, dann verlangen die
Lieferanten bei Bestellungen plötzlich Sofortkasse. Dies treibt das
erforderliche Finanzierungsvolumen in die Höhe und hat häufig die Insolvenz zur
Folge. Heute nehmen wir die Kreditversicherer sehr Ernst und suchen aktiv das
Gespräch, um durch gezielte Informationen Unsicherheiten zu nehmen und klar den
Eindruck zu vermitteln, dass die Gesellschaft eine Zukunft hat.
Generell sollte man Verkäufern gegenüber nach dem Motto verfahren:
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Auch der vermeintlich honorige
Schwabe, verheiratet mit einer Ärztin, kann sich als jemand entpuppen, der
unbezahlte Rechnungen einfach in der Schublade entsorgt hat (natürlich waren
sie vorher nicht gebucht worden). Wir haben daraus gelernt, immer mit den Originalzahlen
(z.B. BWA's, Kontoauszüge, Geschäftsberichte zu arbeiten), statt uns nur auf Excel basierte Controllingauszüge zu verlassen. Vor Betrug bleibt man allerdings nicht
gefeit. Bei schlechtem Bauchgefühl sollte man von der Transaktion die Finger
lassen und bei nachweislichen Falschaussagen auch den Vertragsrücktritt ins
Auge fassen (alle Antworten sollte man vor diesem Hintergrund auch sorgfältig dokumentieren und den
elektronischen Datenraum sich als CD geben lassen).
Auch eine von den großen Vier geprüfte Bilanz muss nicht richtig
sein. Ein Prüfungsleiter in Süditalien ist ganz anderem Druck ausgesetzt, wenn
er die Bilanz nicht testiert, obwohl weder die Vorräte, noch die Kasse
oder die Forderungen überhaupt vorhanden sind. Auch lässt das Prüfungshonorar
die Fahrt auf die Baustelle nicht zu, um den tatsächlichen Baufortschritt
wirklich beurteilen zu können. Das heißt, alle angearbeiteten Leistungen (im
Anlagenbau oft gewinn bestimmend) sind nur auf Basis von Material- und
Zeitbelegen ermittelbar, lassen aber kein Bild über die tatsächliche technische
Umsetzbarkeit und kaufmännische Abrechenbarkeit zu.
Wir haben im Laufe der Zeit versucht, eine Checkliste zu erstellen, die auf den Lernerfahrungen aus unsern Fehlern beruht. Dabei sollte man sich darauf konzentrieren, die erfolgsentscheidenden Mängel auszuschließen. Dies kann je nach Geschäft und Verkäufermotivation unterschiedlich sein. Oft lohnt es sich auch, die finanzielle Lage des Verkäufers zu untersuchen. Jemand, der selbst in der Krise steckt, neigt in seiner Verzweiflung eher dazu, unrechtmäßige Dinge zu tun.
Die ersten 100 Tage einer Sanierung...
Dienstag, 17. Oktober 2017
Welche Manager sollte man meiden?
Sie lernen nicht aus Fehlern. Folgende
Grundmuster sind uns im Laufe der Zeit aufgefallen:
1. Die Schuld immer woanders suchen
Der Fokus liegt bei ihm darauf,
Entschuldigungen zu suchen. Dadurch sieht sich der Manager immer in einer
Opferrolle. Er übersieht dabei, dass er zwar nicht das Ergebnis zu 100 %
beeinflussen kann, wohl aber den Prozess. Er wird damit nie lernen, seine
Handlungsspielräume auszunutzen und dabei feststellen, dass er viel mehr Einfluss
hat als angenommen, z.B. durch sein vorbildliches Handeln. Deshalb sollte man
seine Kinder auch nicht für gute Schulnoten loben, sondern nur für die harte
Arbeit.
2. Die Sucht nach Anerkennung und Liebe
Besonders deutlich fiel mir dies bei
einem unserer Manager auf, der in jedem Gespräch die Liebe suchte oder
zumindest eine Form der Anerkennung. Vielleicht hat er in der Kindheit zu wenig
Sicherheit erfahren. Konflikten geht er aus dem Weg und Unangenehmes delegiert
er. Wobei sein Selbstbewusstsein immer
mehr schrumpft. Nur indem man Unangenehmes selber macht und möglichst sofort,
wächst man. Auch sollte man mit den Konsequenzen seines Handelns leben: hat man
den Falschen eingestellt, sollte man auch selbst das Entlassungsgespräch
führen!
3. Selbstüberschätzung
Sie decken schwache Manager, weil sie
einem das Gefühl für die eigene Bedeutung vermitteln. Sie prüfen nicht ergebnisoffen,
sondern suchen die Bestätigung für die vermeintlich gute Entwicklung. Anekdoten
wird mehr Bedeutung beigemessen als der tatsächlichen Entwicklung der Zahlen.
So werden z.B. Kundentermine als Vertriebserfolg gewertet, statt den
tatsächlichen Auftragseingang zu betrachten. Guten Managern, die selbstbewusst
widersprechen, wird mit Misstrauen oder Mobbing begegnet.
4. Kein Vertrauen in andere
Mikromanagement statt Delegation.
Abgeschlossen im eigenen Zimmer werden Präsentationen für die Gesellschafter
erstellt, ohne die Einbindung des Managementteams zu suchen.
Ein guter Manager dagegen sucht das
Gespräch mit allen, er schafft eine Kultur, die aus Fehlern lernt. Er spornt
seine Mitarbeiter an, Herausforderungen zu suchen und schafft eine bewusste
Fehlerkultur.
Mittwoch, 11. Oktober 2017
Outperformance mit Aktien erzielen
Billig schlägt den Markt. Viele empirische Studien belegen dies (s.u.). Wir
selbst haben mit dieser Strategie in den letzten 4,5 Jahren den DAX um rund 4 %
p.a. geschlagen. Wie so oft liegt die Schwierigkeit in der Umsetzung.
Aktientitel, die von den Kennzahlen her billig erscheinen, wirken auf den
ersten Blick abstoßend. Häufig sind diese Titel oder Branchen mit Recht vom
Markt abgestraft worden. Allerdings in der Regel zu stark. Gute Namen und
attraktive Branchen sind dagegen tendenziell zu hoch bewertet, wenn man die
wichtigsten Kennzahlen vergleicht. Das Gleiche gilt übrigens im Private Equity:
ein Maschinenbauer, der Anlagen zur Herstellung von Pharmaerzeugnissen
herstellt, ist unter Umständen doppelt so teuer wie ein ähnlicher
Maschinenbauer, der andere Branchen bedient.
Unser Japanportfolio zeigt, wie Aktien mit ähnlichem Profil (starke
Exportnation wie Deutschland) oft irrational anders bewertet sind. In der Regel
verschwinden diese Unterschiede nach einiger Zeit wieder aufgrund des
"Reversion to the mean" Effektes. Dabei bieten japanische
Aktien den Vorteil, dass die Namen nicht vorbelastet sind und man deswegen
einfacher allein nach Kennzahlen die Aktienauswahl treffen kann.
Wie sind wir dabei vorgegangen? Wir haben in regelmäßigen Abständen mit
gleicher Gewichtung eine Auswahl von japanischen Aktien gekauft, die wir aufgrund ausgewählter Kennzahlen ausgesucht haben:
-
EBIT Multiple (unter 5)
Keine Unregelmäßigkeiten in den 10 Jahreszahlen
(Forderungen/Verbindlichkeiten, Lieferungen/Leistungen im richtigen Verhältnis
zur Bruttomarge, Cash Flow entspricht Gewinnen, Buchwertzuwachs entspricht grob
der Eigenkapitalrendite minus der Dividenden).
Tendenziell erfüllen eher kleine Unternehmen unsere Kriterien
(Marktkapitalisierung unter EUR 300 Mio.). Allerdings hat die Qualität der
Aktien im Laufe der Zeit stark abgenommen, da die Bewertungen auch in Japan
gestiegen sind. Unser Japanportfolio (30 Titel mit einer Haltedauer von 1,5
Jahren und 21 % im Plus) weist per 11.10.17 folgende Kennzahlen im Vergleich zu
den 30 DAX Unternehmen auf:
-
Enterprise Value/EBIT 5,1 (14,1)
(DAX in Klammern)
Die japanischen Unternehmen sind fast 2/3 billiger (zugegeben: Sie sind
kleiner), sind aber mindestens ebenso gut wie die deutschen DAX Unternehmen.
Die Eigenkapitalrendite ist höher, obwohl die Unternehmen hohe
Nettokassenbestände (deswegen auch das niedrige EBIT Multiple) aufweisen, die
sicherlich nicht nötig sind. Diese erhöhen die Bilanzsumme und das Eigenkapital
- damit reduziert sich auch die Kapitalrendite ("ROE"). Basis sind
übrigens immer die Ergebniszahlen der letzten 12 Monate und nicht die (in der
Regel zu hoch geschätzten) Ertragserwartungen!
Literaturempfehlungen:
Tweedy Brown: What worked in investing (free)
Gray/Carlisle: Quantitative Value
Greenblatt: The little book that still beats the market
Der Blog Besser Investieren zieht um:
https://reimarscholz.substack.com/
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Nach gut 18 Jahren an der Börse haben wir gestern die Kündigung verschickt. Ich bin erleichtert. Mit einem Streubesitz von 4 % macht die Bör...
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https://reimarscholz.substack.com/