Donnerstag, 27. Januar 2022
Ohne Kernenergie geht es nicht und wie man als Investor profitiert..
Freitag, 17. Dezember 2021
Squeeze-outs - der Unsinn deutscher Rechtssprechung
Bereits seit 15 Jahren läuft das Squeeze-out Verfahren zur Übernahme der HypoBank durch die UniCredit. Ein Abschluss des Rechtsstreits vor dem Landgericht wird erst in 2-3 Jahren erwartet. Ein Irrsinn. In fast allen anderen Ländern erhält der Minderheitsaktionär den Kaufpreis, der für den Erwerb der letzten Anteile bis zur Erreichung der Squeeze-out Grenze (zumeist 90 % - in Deutschland 95 %) gezahlt wird. Die Annahme ist, dass dieser Preis der faire Preis für die Anteile ist. Und warum auch nicht?
Der Preis der Anteile kurz vor Erreichen der Squeeze-out Schwelle enthält mit Sicherheit eine Prämie für die Chance auf die 100 % Übernahme. Auch sind Angebot und Nachfrage das bessere Mittel den Wert eines Unternehmens zu bestimmen, statt sich auf Gutachter zu berufen, die nie völlig frei sind von den Vorstellungen des Auftraggebers. Die Deutschen wissen es besser. Hier bestimmen die Gerichte in Gutachter-Schlachten den fairen Preis. Jeder Squeeze-out in Deutschland kann vor den Landgerichten auf Kosten der Gesellschaft angefochten werden. Eine schöne Form des Geldverdienens für Rechtsanwälte und kleinere Fonds, die sich auf das Anfechten von Squeeze-outs spezialisieren. Ihre Aktien haben sie dabei erst nach Ankündigung der Maßnahme erworben. Für den Erwerber kann es mehr als ein Jahrzehnt der Rechtsunsicherheit bedeuten und er trägt im Zweifelsfall die Kosten für den Rechtsstreit.
Viele Firmen verzichten lieber auf den Börsengang - der deutsche Kapitalmarkt ist entsprechend unterentwickelt. Statt eines Squeeze-outs gibt es ein Delisting; entsprechend vegetieren die Unternehmen dann vor sich hin. Und Anleger bleiben über Jahre gefangen und können dann höchstens mit hohen Nachlässen die Aktien wieder loswerden.
Die Konsequenz der komplizierten und teuren Regeln? Die Leistungen werden nur in eingeschränkter Form noch angeboten (z.B. Wegfall von Mietangeboten bei mehr Mieterschutz, weniger Neubauten bei überzogenen Bauvorschriften, Automatisierung und Verlagerung der Jobs ins Ausland bei übertriebenem Kündigungsschutz).
Donnerstag, 9. Dezember 2021
Entscheiden ohne Sicherheit?
Das Warten auf mehr Daten ist auch eine Entscheidung. Bestraft werden in der Regel Entscheidungen, die einen schlechten Ausgang nehmen, obwohl sie unter Berücksichtigung der damaligen Datenlage richtig waren. So muss sich gerade die dänische Ministerpräsidentin vor dem Parlament für das Töten von 1 Mio. Minks im letzten Jahr verantworten. Ein Abwarten hätte wahrscheinlich nicht zur parlamentarischen Untersuchung geführt, selbst wenn dadurch mehr Menschen an Corona erkrankt wären. In der Regel führt das dazu, dass Entscheidungen immer wieder vertagt werden oder einmal getroffene Entscheidungen nicht mehr infrage gestellt werden - unter anderem, weil es so umständlich war, überhaupt die Entscheidung einzuholen. Beispiele gibt es hierfür zuhauf, ob es der Bau von zwei Stahlwerken in den USA und Südamerika war, der unbeirrt von ThyssenKrupp trotz der Überkapazitäten im Markt fortgeführt wurde. Was das Traditionsunternehmen fast in den Ruin führte. Oder der Verkauf unser K+S Gruppe an Sumitomo. Der japanische Verhandlungsführer gab mir gegenüber zu, dass sie trotz der aktuell schlechten Zahlen den Kaufpreis nicht revidieren werden, da das OK für den höheren Preis bereits vorliegt.
Gute Geschäftsführer (oder Politiker) entscheiden dagegen häufig und sind eher bereit, einmal getroffene Entscheidungen zu revidieren, wenn der Fehler offensichtlich ist.
Montag, 29. November 2021
Inflation oder Deflation?
Die Gesamtschulden der industrialisierten
Länder und China betragen heute über 400 % des Bruttosozialprodukts und
sind nur bezahlbar, solange die Zinsen nahe bei null bleiben. Die Aufwendungen der USA für Zinsen und für die Pensionäre (die eine zusätzliche, versteckte Schuldenlast
bedeuten) übersteigen mittlerweile die Steuereinnahmen. US-Staatsschulden sind
in zwei Jahren um 30 % auf 130 % des
Bruttosozialproduktes hochgeschnellt. Sie befinden sich damit auf dem Niveau
des Zweiten Weltkrieges, wie die folgende Übersicht von Lyn Alden zeigt:
Noch höher ist die Verschuldung der privaten Haushalte und der Unternehmen in den USA: nämlich doppelt so hoch. Zwar reduzierten sich die privaten Schulden seit der Finanzkrise um 20 %, sie sind aber nach wie vor noch auf dem höchsten Niveau der letzten 100 Jahre.
Da Staatsschulden eigentlich nie getilgt
werden, findet ein Abbau nur statt, wenn die Zinsen niedriger sind als das
Wirtschaftswachstum. Insofern kommt die Inflation den USA nicht ganz ungelegen,
so findet der Schuldenabbau schneller statt.
Um die US-Inflationsrate von derzeit 5 %
wirksam zu bekämpfen, müssten die Zinsen um 5 % höher als im Augenblick sein (Staatspapiere
mit 5 Jahre Laufzeit sind bei ca. 1,3 %).
Da dies die privaten Haushalte aber in den Bankrott treiben würde, ist eine nachhaltige Zinserhöhung faktisch ausgeschlossen. Paul Volker bekämpfte die hohen Inflationsraten in den US in den 70’er Jahren (mehr als 10 %) mit Zinsen, die deutlich darüber lagen. Damals waren die privaten Schulden weniger als halb so hoch, trotzdem kam es zu einer schweren Rezession der US-Wirtschaft.
So beschränkt sich die Politik der
US-Zentralbank auf ein Management der Erwartungen. Es wird von einer möglichen
Zinserhöhung im nächsten Jahr gesprochen, allerdings sind homöopathische
0,25 % angedacht. Und stellt eine Reduzierung der Aufkäufe
festverzinslicher Wertpapiere durch die US-Notenbank (QE) in Aussicht.
Die Aufkäufe dienen dabei zur Vermeidung von Negativzinsen und reduzieren das
effektive Zinsniveau um zusätzlich ca. 2 %. Gleichzeitig werden die
Finanzinstitute gezwungen, zur Sicherheit mehr festverzinsliche Wertpapiere zu
halten, was ebenfalls der Reduzierung des Effektivzinses dient.
Die Frage bleibt, ob die US-Inflation nur
temporär so hoch ist, wie die US-Zentralbank zu Anfang behauptete. Sie sprach
davon, dass die erhöhte Nachfrage nach Konsumgütern dank der Beendigung der Covidrestriktionen
auf ein - Virus bedingt - reduziertes Angebot traf. Das folgende Bridgewater
Schaubild zeigt allerdings, dass das Angebot an Gütern höher als 2019 ist und
dass die gestiegene Nachfrage den Inflationsanstieg verursacht:
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In der lesenswerten Analyse wird
darauf hingewiesen, dass der Inflationsschub in den USA erst am Anfang steht.
Genannt werden zwei Gründe: die höheren Immobilienpreise, die erst mit einer
Verzögerung Mietsteigerungen zur Folge haben, die direkt Eingang finden in den
Konsumpreisindex CPI. Und das hohe Angebot an offenen Stellen, das erst nach einiger
Zeit zum Ausgleich höhere Löhne erfordert. Grundsätzlich lässt sich nicht
vorhersagen, ob höhere Inflationsraten von Dauer sind oder ob sich die Lage
nach einiger Zeit wieder beruhigt. Unklar ist auch, ob die US-Regierung weitere
Mehrausgaben zum Ausgleich der wachsenden Ungleichheit umsetzen kann. Ohne (nur
schwer durchsetzbare) Steuererhöhungen riskiert die Regierung dabei, die Inflation erst
richtig anzufachen.
Dienstag, 23. November 2021
Darf man in Entwicklungsländern investieren?
Wer sein Geld vor zehn Jahren in einen Entwicklungsländer ETF (z.B. iShares
MSCI Emerging Markets - EEM) investierte, steigerte den Einsatz um 36 %.
Der S&P 500 hat sich in der gleichen Zeit achtmal besser entwickelt - mit
einem passenden ETF wie z.B. SPY konnte man den Einsatz verdreifachen. Warum
haben wir trotzdem ca. ein Drittel unserer Gelder in Entwicklungsländern
investiert?
1. Wir halten den US-Aktienmarkt für überbewertet.
Der US-Aktienmarkt macht rund die Hälfte der Börsenkapitalisierung aller
Aktienmärkte aus, obwohl der Anteil der US-Wirtschaft nur ein Viertel der
Weltwirtschaft ist. Langfristig gilt beim Investieren der "Reversion to
the Mean" Effekt, wonach sich die Bewertungen mit der Zeit wieder
angleichen.
2. Die Bedeutung des US-Dollar als Reservewährung wird abnehmen
Da die USA die Dollarmenge und das weltweite Zahlungssystem SWIFT
kontrollieren, sind alle übrigen Länder auf das Wohlwollen der US-Regierung
angewiesen. Die chinesische und russische Regierung versuchen, mehr und mehr
einer möglichen Erpressbarkeit durch den Abschluss von Handelsgeschäften in
anderen Währungen wie dem EURO oder dem Yuan zu entgehen. Damit
fällt die Nachfrage nach US-Dollar.
3. Die beginnende US-Inflation wird längerfristig den US-Dollar schwächen
Steigende Staatsausgaben in den USA, die durch die Notenbank finanziert
werden und gleichzeitig niedrige Zinsen (damit die Defizite bezahlbar bleiben)
führen mittelfristig zu einem Abwertungsdruck des Dollars.
4. Im Gegensatz zu den 90er Jahren haben die Entwicklungsländer im Mittel deutlich weniger Dollarschulden und sind damit stabiler aufgestellt
Die folgende Übersicht der US-Schulden und -Vermögen der wichtigsten
Entwicklungsländer (basierend auf der Bank of International Settlement) von
2020 zeigt die Abhängigkeit dieser Länder vom US-Dollar:
5. Die Wachstumsraten in den Entwicklungsländern mit Ausnahme von China werden hoch bleiben
Alle Produkte und Dienstleistungen, die sich am Bedarf der wachsenden Mittelklasse ausrichten, werden überproportional zulegen, wie z.B. Versicherungen oder Vermögensprodukte.
6. Die Kreditquote in den meisten Entwicklungsländern ist niedrig
Die Verschuldung der privaten Haushalte ist z.B. in Indien mit 30 % nur halb so hoch wie in China. Damit bieten alle Kreditprodukte wie z.B. Hypotheken interessantes Wachstumspotential.
Der Fall unseres türkischen Investment zeigt, dass ein Anlage in Entwicklungsländern mit einem höheren Risiko verbunden sind. Wir hatten vor gut zwei Jahren in eine türkische Versicherung investiert, die Sparanlagen für die wachsende Mittelklasse anbietet. Die wirtschaftliche Entwicklung der Agesa enttäusche uns nicht: in den letzten fünf Jahren stiegen Buchwert und Umsatz um gut ein Drittel und der Nachsteuergewinn sogar um 73 %. Dabei betrug die Eigenkapitalrendite im Mittel 42 %! Mit Ausnahme von gut 5 % Dividendenrendite p.a. erzielten wir jedoch keinen Wertzuwachs. Der Aktienkurs in Lira verdoppelte sich zwar, aber gleichzeitig halbierte sich die türkische Lira. Ein Machthaber mit Großherrscherallüren, der immer wieder Zentralbanker feuert, um die Zinsen trotz der hohen Inflationsrate so niedrig wie möglich zu halten, führten zu einer entsprechenden Abwertung der Währung.
Bei einer Investition in ein Schwellenland wie Indien muss man die latente Abwertung der Lokalwährung mit einrechnen - wir selbst kalkulieren mit ca. 5 % p.a. Preisverfall der Rupie. Eine Wertanlage in Indien muss eine Rendite von mindestens 15 % p.a. erzielen, damit wir in Euro gerechnet auf unsere Kosten kommen. Um erfolgreich in Entwicklungsländern investieren zu können, sollte man die Makrorisiken im Auge behalten. Erste Anzeichen einer Vertrauenskrise sind Verschlechterungen in der Handelsbilanz, die die Abhängigkeit von Dollarimporten erhöhen, steigende Zinsen im Land und eine sich abschwächende Währung. Ist das Vertrauen zerstört, kann die Kapitalflucht und der Fall der Aktienmärkte sehr plötzlich erfolgen, wie die vielen Krisen in den Entwicklungsländern zeigen.
Für den Privatanleger ist es sicherlich am einfachsten, dem Portfolio einen Entwicklungsländer ETF beizumischen - vielleicht ohne China mit einzubeziehen, da dieses Land rund ein Drittel der Entwicklungsländer ETFs ausmacht (z.B. iShares EMXC).
Donnerstag, 18. November 2021
Warum spielt der Konzernabschluss für Beteiligungs-Holdings keine Rolle?
Dienstag, 9. November 2021
Was unterscheidet eine gute Beteiligungsgesellschaft von einer schlechten?
Donnerstag, 4. November 2021
Ich bin am Ende...
Der Freund, der seiner Frau und Mutter von drei Kindern verkündet, ich gehe jetzt. Ein Steuerberater, der plötzlich unauffindbar ist. Ab einem gewissen Alter mehren sich die Burn-outs. Die Batterie ist leer, dass viele Arbeiten hat in eine Sackkasse geführt. Erstaunlich eigentlich, wie viele Jahre es gut geht. Bei mir selbst war es vor ein paar Jahren ein "Bore-Out" - alles war auf einmal so langweilig geworden. Ich saß auf dem Sofa und fragte mich, wozu?
Der Besuch eines buddhistischen Klosters und gut 1,5 Stunden tägliches meditieren führten bei mir zu einer allmählichen Besserung. Das Leben zu verlangsamen, ist die einzige wirksame Methode, es zu verlängern. Bei jeder Aktivität - ob Gedanken, Wahl des Gesprächspartners oder Planung - versuche ich zu spüren, wie es sich für den Körper anfühlt. So hoffe ich, mein Leben auf gesunde Dinge und Tätigkeiten zu beschränken. Am glücklichsten bin ich, wenn ich daran denke, wie ich anderen helfen kann. Dazu gehört zum Beispiel das Schreiben dieses Blogs und der Beginn unserer Spendentätigkeit in Afrika. Restrukturierungsfälle haben wir in den letzten Jahren nur noch wenige gemacht - zu stressig. Auch lohnt es sich nicht mehr richtig. Die Mitarbeiterzahl in der Holding haben wir um fast 2/3 reduziert und Teile des Büros untervermietet. Der Abbau der Fixkosten nimmt uns den Handlungsdruck und weniger Mitarbeiter zu führen, reduzieren den Stress. Wir sind dadurch nicht erfolgloser geworden. So betrug unser Vermögenszuwachs im ersten Halbjahr des Jahres gut 18 %...
Mehr aber freut es mich, dass mein Sohn mit 24 Jahren nicht nur häufiger im Kloster war, sondern sogar Online Meditation unterrichtet. Und dass meine Frau und meine Schwester gleichfalls Vipassana Anhänger wurden. Nach jedem Klosteraufenthalt fühlt man sich wunderbar leicht. Vor einer Woche in Frankreich endete das siebentägige Schweigen sogar mit einer Disko in der Meditationshalle!
Die größten Risiken bei unseren Aktien?
Wie gut ist unser Portfolio bei steigender Inflation aufgestellt?
Knapp 80 % sind in Aktien investiert und wir halten uns damit für gut aufgestellt. Inflationsgewinner sind die Firmen, die vom Geldmengenzuwachs profitieren, ohne entsprechend investieren zu müssen. Dazu gehören zum Beispiel unsere Banken (17 % v. Portfolio), genauso wie Softwarefirmen (4 %), Beteiligungsgesellschaften (19 %) und Versicherer (7 %).
Besonders profitieren werden die Gesellschaften, die auf abgeschriebenen Anlagen sitzen und die Preise überproportional steigern können. In diese Gruppe fallen unsere Immobilien-REITs und Rohstoffproduzenten (8 %). Leiden werden Firmen mit geringer Wertschöpfung und Bruttomarge (<10 %). Sie werden Mühe haben, gestiegene Faktorkosten (Löhne, Materialpreise) weiterzugeben, wie z.B. Automobilhersteller. Teile unseres Japanportfolio sind hiervon am stärksten betroffen (3 %).
(Mehr zu "Mautstellenbetreibern" im Investorenbrief von Horizon Kinetics).
Was ist der größte Wert in unserem Portfolio?
Mit 8 % ist die russische Tinkoff ähnlich stark gewichtet bei uns wie XETRA Gold. Bewertet mit dem 10-fachen des Buchwertes ist die Aktie für eine Bank teuer. Die Eigenkapitalrendite betrug in den letzten 5 Jahren 45 % und lag damit etwas unter dem Gewinnwachstum (52 %) - finanziert wurde die Differenz mit der Ausgabe von 10 % neuer Aktien. Der Umsatzanteil an Gebühren mit 25 % ist hoch und wächst stärker als das traditionelle Kreditgeschäft. Das Management unter Oliver Hughes versucht schneller "Asset light" weiter zu wachsen und es besteht insofern die Chance, trotz des hohen Wachstums die Eigenkapitalrendite zu halten. Das KGV von 27 liegt dabei durchaus noch in einem vernünftigen Rahmen. Allerdings haben Wachstumsaktien wie Tinkoff das grösste Bewertungsrisiko bei wachsender Inflationsangst, da ein steigender Zins Aktien mit niedriger Rendite (Wachstumsaktien) benachteiligt.
Was kann schiefgehen?
Viel. Eine Rezession trifft alle unsere Firmen, genauso wie eine Panik an der Aktienbörse. Aber es gibt auch Einzelrisiken, wie das Beispiel der PAX Global Systems (0,3 %) zeigt. Eine Untersuchung des FBI führte über Nacht zu einer Halbierung der Marktkapitalisierung des Zahlungssystemproduzenten. Einzige Sicherheit bietet die Diversifizierung und eine risikobezogene Gewichtung des Portfolios - riskante Wetten sollten immer nur einen kleinen Teil des Portfolios darstellen.
Donnerstag, 7. Oktober 2021
Unsere größten Fehler im letzten Jahr?
Hersteller verbessern die Qualität der Autos, indem sie die Fehlerrate reduzieren. So ist es auch beim Investieren. Statt die Perfektion anzustreben, ist es einfacher, die Rendite durch die Vermeidung dummer Fehler zu verbessern. Zu fragen, was bei einer Investition schiefgehen kann, ist besser als nur nach Argumenten zur Untermauerung der Investitionsthese zu suchen. Man muss lernen, sich mit den eigenen Fehlern ehrlich auseinanderzusetzen. Ziel ist die Entwicklung einer Checkliste, um die Entscheidungen kontinuierlich zu verbessern.
Was haben wir in den letzten Jahren falsch gemacht?
Wir hatten ein zu hohes Renditeziel, als wir mit unseren Aktienanlagen anfingen. Wir wollten mindestens 20 % Rendite erzielen und haben dabei in Kauf genommen, dass wir mit dem größten Teil unserer Mittel nichts verdienten. Hätten wir diesen Teil einfach in einen DAX ETF investiert, wäre unsere Rendite höher gewesen! Falsch war auch der Versuch, mit dem Warten auf einen Kursrückgang Markttiming zu betreiben. Seit 2013 ist der DAX um rund 70 % von 9.000 auf über 15.000 gestiegen. Es ist besser, voll investiert zu sein und gelegentliche Rücksetzer dazu zu nutzen, um die Konzentration des Portfolios zu stärken oder in Werte der Watchliste umzuschichten.
Makrowetten lohnen sich generell nicht, da Faktoren wie USD Wechselkurse oder der Ölpreis noch weniger zu verstehen sind als Einzelwerte. Auch fehlte es an Überzeugung, um im nennenswerten Umfang z.B. auf steigende Ölpreise zu setzen. Die allgemeine Markteinschätzung (wie z.B. es wurde in den letzten Jahren zu wenig in die Entwicklung neuer Ölvorkommen investiert und die Marktkapitalisierung aller Ölfirmen ist historisch niedrig) half dagegen bei unserer Entscheidung, in Lundin Energy als Einzelwert zu investieren.
Falsch war es auch, bei Aktien auf fallende Kurse zu setzen. Selbst bei einer korrekten Einschätzung bleibt der Zeitpunkt der Kurskorrektur ungewiss und bei dem asymmetrischen Chance-Risikoprofil (der Einsatz lässt sich höchstens verdoppeln, aber die Verluste sind unendlich) bleiben die Einsätze zu niedrig, um hier nennenswert Geld zu verdienen. Ein Bargeldpuffer ist ein besserer Schutz gegen Kursrückgänge als Verkaufsoptionen. Da im Mittel die Kurse steigen, ist auch eine Wette auf den Rückgang des Aktienindexes zu teuer. Neben dem Vorteil eines quasi unendlichen Gewinnpotentials bei Aktienkäufen lernt man im Laufe der Zeit immer mehr über das Unternehmen und die Branche, wodurch sich neue Kaufgelegenheiten bieten. Wetten auf Kursrückgänge stellen in der Regel auf das einzelne Unternehmen ab und sind damit nicht einfach übertragbar.
Generell haben wir zu wenig investiert bei Aktien, von dessen Wert wir überzeugt waren. So hatten wir zum Beispiel bei Tinkoff (unserem größten Gewinner) zu wenig investiert, obwohl die Qualität der Firma und die vorhandene Unterbewertung eindeutig waren. Trotz zweifellos vorhandenem Länderrisiko Russland rechtfertigte das Chance-Risikoprofil einen höheren Einsatz als 2 % unserer Mittel. Verschlechtert sich die Qualität des Unternehmens nicht, sollte man Gewinner trotz einer hohen Bewertung nicht verkaufen, solange die Firma in die Bewertung hineinwachsen kann.
Es ist nicht nötig, Aktienkurse täglich zu prüfen. Stattdessen reicht eine periodische Prüfung der Ausgangsthese, die hoffentlich ausreichend dokumentiert ist. Generell ist es viel schwieriger Aktien zu verkaufen als zu kaufen (z.B. siehe). Deswegen ist es auch besser, Aktien zu kaufen, die man gerne dauerhaft halten möchte. Mit einem Trading in einzelnen Werten von denen man nicht zu 100 % überzeugt ist, verschwendet man dagegen nur Zeit ...
Donnerstag, 16. September 2021
Ja zum Schuldenmachen?
Sparen klingt besser, als Schuldenmachen? Auch die deutschen Politiker fordern nach den Covid bedingten Mehrausgaben der letzten Monate eine Rückkehr zur schwarzen Null, wie jüngst der FDP Politiker Lindner. Die hohe Sparquote der Deutschen von mehr als 10 % bei gleichzeitig ausgeglichenem Staatshaushalt hat aber wesentlich zur weltweiten Schuldenkrise beigetragen. Wenn der eine spart, muß der andere Schulden machen. Weltweit kann die Kapitalbilanz nur ausgeglichen sein. Die deutsche Industrie hatte in den letzten Jahren keine Verwendung für die Ersparnisse der Deutschen - im Saldo wurde hier nicht mehr investiert als verdient. Da die Sparquote der Privathaushalte in den letzten 30 Jahren (vor Corona) bei rund 10 % lag, muß jemand anders die Schulden machen. Wir haben unsere Ersparnisse exportiert und damit in anderen Ländern den Konsum finanziert. Und so zur steigenden Verschuldung bei den Hauptabnehmern der Exporte - z.B. den USA - beigetragen.
Die hohe private Sparquote half aber nicht dem Durchschnitts-Arbeitnehmer beim Vermögensaufbau, sondern kam Dank der wachsenden Ungleichheit in Deutschland nur den Besserverdienern zu gute (siehe vorheriger Blog). Da Sparen Konsumverzicht bedeutet, würde in einer geschlossenen Volkswirtschaft die Produktion pro rata zurückgefahren, bis die Sparquote bei Null liegt. Wenn sich der Staat weigert Schulden zu machen, zum Beispiel um Steuersenkungen oder Infrastruktur-Investitionen zu finanzieren, dann kann nur der Export die fehlende interne Nachfrage ausgleichen. Ohne Reallohnsteigerungen bei den Durchschnittsverdienern kann die Wirtschaft nur wachsen, wenn der Exportanteil steigt, wie es in Deutschland seit Beginn der 90'er Jahre der Fall ist. Da Exporte im Ausland Konsum bedeuten, muß das Abnehmerland im steigenden Maß Schulden machen. Das geht solange gut, bis die Bonität angezweifelt wird, wie es die große Finanzkrise 2009 zeigte. Seit dem sind die Südeuropäer auch zu Sparern geworden und die USA bleibt als Hauptabnehmer der deutschen und europäischen Exportüberschüsse. So ist es nur eine Frage der Zeit, bis die nächste Kreditkrise oder der Handelskrieg mit Strafzöllen richtig ausbricht.
So bleibt dem Deutschen Staat eigentlich nichts anderes übrig, als mit der Aufnahme von Schulden den fehlenden Konsum in Deutschland auszugleichen, wenn man den weltweiten Handelskrieg vermeiden möchte. Solange, bis die Importe der Höhe nach den Exporten entsprechen, wie es zu Beginn der 90'er Jahre fast der Fall war. Mit steigenden deutschen Importen hilft man den Ausländern, die eigene Arbeitslosigkeit zur reduzieren. Gleichzeitig kommt der steigende Staatskonsum der inländischen Nachfrage und Beschäftigung zu gute. Damit ist ein gesundes Wachstum für alle verbunden.
Die staatlichen Mehrausgaben helfen die Produktivität zu steigern, zum Beispiel durch Investitionen zum Ausbau des Internets (sehr langsam im europäischen Vergleich) oder Investitionen in Straßenbau und Bahn, um Stauverluste zu reduzieren. Alle Ausgaben haben auch einen Multiplikator-Effekt, in dem die Beschäftigung oder (durch Zulagen) die Kaufkraft gesteigert wird und sich damit wiederum die Nachfrage erhöht.
Der Blog Besser Investieren zieht um:
https://reimarscholz.substack.com/
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Quálitas Controladora ist der führende Kfz-Versicherer in Mexiko. Das Unternehmen verbindet eine starke Marktstellung mit konsequentem Kost...

