Dienstag, 9. November 2021

Was unterscheidet eine gute Beteiligungsgesellschaft von einer schlechten?

Wir selbst eine ... Eine gute Beteiligungsgesellschaft ist inhabergeführt, steigert langfristig den Wert des Portfolios, berichtet ehrlich über die Ergebnisse, gibt Fehler zu und kann frei werdende Mittel mit einer hohen Rendite investieren.

Da die Ermittlung des Beteiligungsportfolios subjektiven Faktoren unterliegt, ist Transparenz entscheidend. Es lohnt sich, Aktionärsbriefe zu lesen. Wichtig ist, dass das Management Anteile hat und mitleidet, wenn ein Investment schlecht läuft. Negativbeispiele gibt es viele, zum Beispiel die Münchner Gesellschaft, die Firmen zu mehr oder weniger symbolischen Kaufpreisen erwirbt und dann den Nettowert hochrechnet, indem sie ehrgeizige Geschäftspläne aufstellt und die zukünftigen Erträge mit geringem Zinsfaktor abdiskontiert.  Die gleiche Gesellschaft schüttet beim Verkauf nur 60 % des Erlöses aus, der Rest geht an die Manager - korrigiert aber den Nettowert nicht um diesen Schwund... Oder die Venture-Capital Gesellschaft aus Berlin, die ihre Beteiligungen höher bewertet, als andere mit den gleichen Werten im Portfolio.  

Mit Brederode z.B. haben wir unseren Einsatz innerhalb weniger Jahre verdreifacht und damit gut 20 % p.a. an Rendite erzielt. Brederode finanziert Private Equity Fonds und investiert liquide Mittel in börsennotierte Gesellschaften. In dieser Anlageklasse war seit der Finanzkrise gutes Geld zu verdienen, im Fall von Brederode in den letzten 5 Jahren gut 16 % p.a. zuzüglich ca. 1 % Dividendenrendite. Außerdem hatten wir die Aktien mit einem Discount von 30 % zum Buchwert erworben. Abzüglich Verbindlichkeiten entspricht der Buchwert dem Nettowert der Beteiligungen, der zu der aktuellen Bewertung in den Büchern steht. Heute entspricht der Preis dem 1,1-fachen des Buchwertes (= Eigenkapital). Insofern haben wir auch von der gestiegenen Bewertung profitiert. Bei einer erwarteten Rendite des Marktes von 8 % und weiterhin gutem Anlageerfolg müsste Brederode mindestens mit dem 2-fachen des Buchwertes notieren.

Mit Fairfax International kaufen wir derzeit die Aktien eines international agierenden Value-Investor zu, der mit 33 % Discount zum Buchwert notiert. Fairfax ähnelt Berkshire Hathaway, die zu dem 1,4-fachen des Buchwertes handelt. Rund 1/3 des Portfolios sind in Indien angelegt, u.a. in Gesellschaften der IIFL-Gruppe in die wir selbst EUR 30 Mio. investiert haben. Was Fairfax besonders attraktiv macht, ist der mit 20 % wachsende Float der Gesellschaft. Für diesen Float wird der Versicherer sogar bezahlt: das Combined Ratio (i.e. die Kosten der Verwaltung inklusive der Schadensquote) betrug in den letzten 5 Jahren nur 98 %.  Der Float ist EUR 21 Mrd. und entspricht mehr als dem Doppelten der Marktkapitalisierung von EUR 10 Mrd. Die Gesellschaft kann den Float frei anlegen und profitiert von dem Gewinnzuwachs. Erzielt Fairfax mit dem Float nur 5 % Rendite, dann steigt der Nettowert je Aktie um 12 % (2 %+2x 5 %) bzw. über 14 %, wenn man  die 20 % Steigerung des Floats mit hinzurechnet! In den letzten 5 Jahren wuchs der Nettowert um  9 % p.a.  - inklusive der Dividende von 2,3 % können die Anleger damit 11 % jährliche Rendite erzielen.  Wir rechnen in den nächsten Jahren mit einer höheren Rendite, da sich Fairfax in den letzten Jahren ein mittlerweile aufgegebenes teures Hedging des Wertpapierportfolios leistete, der ca. 2 % an jährlicher Rendite kostete. 

Noch attraktiver sind Beteiligungsgesellschaften, die in einer Marktnische investieren und damit hohe Renditen erzielen, wie zum Beispiel Ryman Healthcare und Summerset. Beide haben umfangreichen Grundbesitz, auf dem sie Wohnheime für Pensionäre errichten. Aufgrund ihrer Attraktivität gibt es lange Wartezeiten. Die Pensionäre bzw. die Angehörigen bekommen nach Beendigung der Nutzung nur den Kaufpreis minus Verwaltungsgebühr zurück und profitieren damit nicht von dem in der Zwischenzeit eingetretenen Bewertungsgewinn. Die Betreiber können mit dem Float neue Wohneinheiten bauen und steigerten so in den letzten 5 Jahren ihren Buchwert um 16 % (Ryman) bzw. 30 % (Summerset). Im Fall von Ryman betragen die Nettoschulden mittlerweile 80 % des Eigenkapitals, während bei Summerset die Nettoschulden nur halb so hoch sind.  Die Dividendenrendite beträgt zwischen 1 und 2 %. Beide notieren mit dem rund Zweifachen des Buchwertes, ein Preis, der durchaus angemessen erscheint.


Donnerstag, 4. November 2021

Ich bin am Ende...

Der Freund, der seiner Frau und Mutter von drei Kindern verkündet, ich gehe jetzt. Ein Steuerberater, der plötzlich unauffindbar ist. Ab einem gewissen Alter mehren sich die Burn-outs. Die Batterie ist leer, dass viele Arbeiten hat in eine Sackkasse geführt. Erstaunlich eigentlich, wie viele Jahre es gut geht.  Bei mir selbst war es vor ein paar Jahren ein "Bore-Out" - alles war auf einmal so langweilig geworden. Ich saß auf dem Sofa und fragte mich, wozu?

Der Besuch eines buddhistischen Klosters und gut 1,5 Stunden tägliches meditieren führten  bei mir zu einer allmählichen Besserung. Das Leben zu verlangsamen, ist die einzige wirksame Methode, es zu verlängern. Bei jeder Aktivität - ob Gedanken, Wahl des Gesprächspartners oder Planung - versuche ich zu spüren, wie es sich für den Körper anfühlt. So hoffe ich, mein Leben auf gesunde Dinge und Tätigkeiten zu beschränken. Am glücklichsten bin ich, wenn ich daran denke, wie ich anderen helfen kann. Dazu gehört zum Beispiel das Schreiben dieses Blogs und der Beginn unserer Spendentätigkeit in Afrika. Restrukturierungsfälle haben wir in den letzten Jahren nur noch wenige gemacht - zu stressig. Auch lohnt es sich nicht mehr richtig. Die Mitarbeiterzahl in der Holding haben wir um fast 2/3 reduziert und Teile des Büros untervermietet. Der Abbau der Fixkosten nimmt uns den Handlungsdruck und weniger Mitarbeiter zu führen, reduzieren den Stress. Wir sind dadurch nicht erfolgloser geworden. So betrug unser Vermögenszuwachs im ersten Halbjahr des Jahres gut 18 %...

Mehr aber freut es mich, dass mein Sohn mit 24 Jahren nicht nur häufiger im Kloster war, sondern sogar Online Meditation unterrichtet. Und dass meine Frau und meine Schwester gleichfalls Vipassana Anhänger wurden. Nach jedem Klosteraufenthalt fühlt man sich wunderbar leicht. Vor einer Woche in Frankreich endete das siebentägige Schweigen sogar mit einer Disko in der Meditationshalle!

Die größten Risiken bei unseren Aktien?

Wie gut ist unser Portfolio bei steigender Inflation aufgestellt?

Knapp 80 % sind in Aktien investiert und wir halten uns damit für gut aufgestellt. Inflationsgewinner sind die Firmen, die vom Geldmengenzuwachs profitieren, ohne entsprechend investieren zu müssen. Dazu gehören zum Beispiel unsere Banken (17 % v. Portfolio), genauso wie Softwarefirmen (4 %), Beteiligungsgesellschaften (19 %) und Versicherer (7 %).

Besonders profitieren werden die Gesellschaften, die auf abgeschriebenen Anlagen sitzen und die Preise  überproportional steigern können. In diese Gruppe fallen unsere Immobilien-REITs und Rohstoffproduzenten (8 %). Leiden werden Firmen mit geringer Wertschöpfung und Bruttomarge (<10 %). Sie werden Mühe haben, gestiegene Faktorkosten (Löhne, Materialpreise) weiterzugeben, wie z.B. Automobilhersteller. Teile unseres Japanportfolio sind hiervon am stärksten betroffen (3 %).

(Mehr zu "Mautstellenbetreibern" im Investorenbrief von Horizon Kinetics).


Was ist der größte Wert in unserem Portfolio?

Mit 8 % ist die russische Tinkoff ähnlich stark gewichtet bei uns wie XETRA Gold. Bewertet mit dem 10-fachen des Buchwertes ist die Aktie für eine Bank teuer. Die Eigenkapitalrendite betrug in den letzten 5 Jahren 45 % und lag damit etwas unter dem Gewinnwachstum (52 %) - finanziert wurde die Differenz mit der Ausgabe von 10 % neuer Aktien. Der Umsatzanteil an Gebühren mit 25 % ist hoch und  wächst stärker als das traditionelle Kreditgeschäft. Das Management unter Oliver Hughes versucht schneller "Asset light" weiter zu wachsen und es besteht insofern die Chance, trotz des hohen Wachstums die Eigenkapitalrendite zu halten. Das KGV von 27 liegt dabei durchaus noch in einem vernünftigen Rahmen. Allerdings haben Wachstumsaktien wie Tinkoff das grösste Bewertungsrisiko bei wachsender Inflationsangst, da ein steigender Zins Aktien mit niedriger Rendite (Wachstumsaktien) benachteiligt.

Was kann schiefgehen?

Viel. Eine Rezession trifft alle unsere Firmen, genauso wie eine Panik an der Aktienbörse. Aber es gibt auch Einzelrisiken, wie das Beispiel der PAX Global Systems (0,3 %) zeigt. Eine Untersuchung des FBI führte über Nacht zu einer Halbierung der Marktkapitalisierung des Zahlungssystemproduzenten. Einzige Sicherheit bietet die Diversifizierung und eine risikobezogene Gewichtung des Portfolios - riskante Wetten sollten immer nur einen kleinen Teil des Portfolios darstellen.

Donnerstag, 7. Oktober 2021

Unsere größten Fehler im letzten Jahr?

Hersteller verbessern die Qualität der Autos, indem sie die Fehlerrate reduzieren. So ist es auch beim Investieren. Statt die Perfektion anzustreben, ist es einfacher, die Rendite durch die Vermeidung dummer Fehler zu verbessern. Zu fragen, was bei einer Investition schiefgehen kann, ist besser als nur nach Argumenten zur Untermauerung der Investitionsthese zu suchen. Man muss lernen, sich mit den eigenen Fehlern ehrlich auseinanderzusetzen. Ziel ist die Entwicklung einer Checkliste, um die Entscheidungen kontinuierlich zu verbessern. 

Was haben wir in den letzten Jahren falsch gemacht?

Wir hatten ein zu hohes Renditeziel, als wir mit unseren Aktienanlagen anfingen. Wir wollten mindestens 20 % Rendite erzielen und haben dabei in Kauf genommen, dass wir mit dem größten Teil unserer Mittel nichts verdienten.  Hätten wir diesen Teil einfach in einen DAX ETF investiert, wäre unsere Rendite höher gewesen! Falsch war auch der Versuch, mit dem Warten auf einen Kursrückgang Markttiming zu betreiben. Seit 2013 ist der DAX um rund 70 % von 9.000 auf über 15.000 gestiegen. Es ist besser, voll investiert zu sein und gelegentliche Rücksetzer dazu zu nutzen, um die Konzentration des Portfolios zu stärken oder in Werte der Watchliste umzuschichten. 

Makrowetten lohnen sich generell nicht, da Faktoren wie USD Wechselkurse oder der Ölpreis noch weniger zu verstehen sind als Einzelwerte. Auch fehlte es an Überzeugung, um im nennenswerten Umfang z.B. auf steigende Ölpreise zu setzen. Die allgemeine Markteinschätzung (wie z.B. es wurde in den letzten Jahren zu wenig in die Entwicklung neuer Ölvorkommen investiert und die Marktkapitalisierung aller Ölfirmen ist historisch niedrig) half dagegen bei unserer Entscheidung, in Lundin Energy als Einzelwert zu investieren.

Falsch war es auch, bei Aktien auf fallende Kurse zu setzen. Selbst bei einer korrekten Einschätzung bleibt der Zeitpunkt der Kurskorrektur ungewiss und bei dem asymmetrischen Chance-Risikoprofil (der Einsatz lässt sich höchstens verdoppeln, aber die Verluste sind unendlich) bleiben die Einsätze zu niedrig, um hier nennenswert Geld zu verdienen. Ein Bargeldpuffer ist ein besserer Schutz gegen Kursrückgänge als Verkaufsoptionen. Da im Mittel die Kurse steigen, ist auch eine Wette auf den Rückgang des Aktienindexes zu teuer. Neben dem Vorteil eines quasi unendlichen Gewinnpotentials bei Aktienkäufen lernt man im Laufe der Zeit immer mehr über das Unternehmen und die Branche, wodurch sich neue Kaufgelegenheiten bieten. Wetten auf Kursrückgänge stellen in der Regel auf das einzelne Unternehmen ab und sind damit nicht einfach übertragbar. 

Generell haben wir zu wenig investiert bei Aktien, von dessen Wert wir überzeugt waren. So hatten wir zum Beispiel bei Tinkoff (unserem größten Gewinner) zu wenig investiert, obwohl die Qualität der Firma und die vorhandene Unterbewertung eindeutig waren. Trotz zweifellos vorhandenem Länderrisiko Russland rechtfertigte das Chance-Risikoprofil  einen höheren Einsatz als 2 % unserer Mittel. Verschlechtert sich die Qualität des Unternehmens nicht, sollte man Gewinner trotz einer hohen Bewertung nicht verkaufen, solange die Firma in die Bewertung hineinwachsen kann. 

Es ist nicht nötig, Aktienkurse täglich zu prüfen. Stattdessen reicht eine periodische Prüfung der Ausgangsthese, die hoffentlich ausreichend dokumentiert ist. Generell ist es viel schwieriger Aktien zu verkaufen als zu kaufen (z.B. siehe). Deswegen ist es auch besser,  Aktien zu kaufen, die man gerne dauerhaft halten möchte. Mit einem Trading in einzelnen Werten von denen man nicht zu 100 % überzeugt ist, verschwendet man dagegen nur Zeit ... 



Donnerstag, 16. September 2021

Ja zum Schuldenmachen?

Sparen klingt besser, als Schuldenmachen? Auch die  deutschen Politiker fordern nach den Covid bedingten Mehrausgaben der letzten Monate eine Rückkehr zur schwarzen Null, wie jüngst der FDP Politiker Lindner.  Die hohe Sparquote der Deutschen von mehr als 10 % bei gleichzeitig ausgeglichenem Staatshaushalt hat aber wesentlich zur weltweiten Schuldenkrise beigetragen. Wenn der eine spart, muß der andere Schulden machen. Weltweit kann die Kapitalbilanz nur ausgeglichen sein. Die deutsche Industrie hatte in den letzten Jahren keine Verwendung für die Ersparnisse der Deutschen - im Saldo wurde hier nicht mehr investiert als verdient. Da die Sparquote der Privathaushalte in den letzten 30 Jahren (vor Corona) bei rund 10 % lag, muß jemand anders die Schulden machen.  Wir haben unsere Ersparnisse exportiert und damit in anderen Ländern den Konsum finanziert. Und so zur steigenden Verschuldung bei den Hauptabnehmern der Exporte - z.B. den USA - beigetragen. 

Die hohe private Sparquote half aber nicht dem Durchschnitts-Arbeitnehmer beim Vermögensaufbau, sondern kam Dank der wachsenden Ungleichheit in Deutschland nur den Besserverdienern zu gute (siehe vorheriger Blog).  Da Sparen Konsumverzicht bedeutet, würde in einer geschlossenen Volkswirtschaft die Produktion pro rata zurückgefahren, bis die Sparquote bei Null liegt. Wenn sich der Staat weigert Schulden zu machen, zum Beispiel um Steuersenkungen oder Infrastruktur-Investitionen zu finanzieren,  dann kann nur der Export die fehlende interne Nachfrage ausgleichen.  Ohne Reallohnsteigerungen bei den Durchschnittsverdienern kann die Wirtschaft nur wachsen, wenn der Exportanteil steigt,  wie es in Deutschland seit Beginn der 90'er Jahre der Fall ist.  Da Exporte im Ausland Konsum bedeuten, muß das Abnehmerland im steigenden Maß Schulden machen. Das geht solange gut, bis die Bonität angezweifelt wird, wie es die große Finanzkrise 2009 zeigte. Seit dem sind die Südeuropäer auch zu Sparern geworden und die USA bleibt als Hauptabnehmer der deutschen und europäischen Exportüberschüsse. So ist es nur eine Frage der Zeit, bis die nächste Kreditkrise oder der Handelskrieg mit Strafzöllen richtig ausbricht. 

So bleibt dem Deutschen Staat eigentlich nichts anderes übrig, als mit der Aufnahme von Schulden den fehlenden Konsum in Deutschland auszugleichen, wenn man den weltweiten Handelskrieg vermeiden möchte. Solange, bis die Importe der Höhe nach den Exporten entsprechen,  wie es zu Beginn der 90'er Jahre fast der Fall war.  Mit steigenden deutschen Importen hilft man den Ausländern, die eigene Arbeitslosigkeit zur reduzieren. Gleichzeitig kommt der steigende Staatskonsum der inländischen Nachfrage und Beschäftigung zu gute. Damit ist ein gesundes Wachstum für alle verbunden. 

Die staatlichen Mehrausgaben helfen die Produktivität zu steigern, zum Beispiel durch Investitionen zum Ausbau des Internets (sehr langsam im europäischen Vergleich) oder Investitionen in Straßenbau und Bahn, um Stauverluste zu reduzieren. Alle Ausgaben haben auch einen Multiplikator-Effekt, in dem die Beschäftigung oder (durch Zulagen) die Kaufkraft gesteigert wird und  sich damit wiederum die Nachfrage erhöht. 


Dienstag, 14. September 2021

Als Deutsche stehlen wir anderen die Arbeit...

Deutschland und China sind durch Konsumverzicht Weltmeister im Export geworden. Sie leben von der Nachfrage in anderen Ländern und nehmen ihnen die Arbeit weg. Beide profitieren von Währungen, die künstlich niedrig gehalten werden. Mit den Erlösen werden ausländische Schuldpapiere erworben, die den Ausländern und insbesondere den USA helfen, die Importe zu bezahlen. In den USA hat der schuldenfinanzierte Konsum zur Deindustrialisierung geführt. Die amerikanischen Arbeitnehmer sind damit zum Opfer der Globalisierung geworden. Die Wahl von Trump und der Start eines Handelskrieges ist letztendlich die Folge. 

Nach der großen Finanzkrise haben die Deutschen der Europäischen Gemeinschaft die gleiche unsinnige Wirtschaftsformel ("liefere BMWs gegen Schuldscheine") aufgezwungen. Bis 2009 war die Außenhandelsbilanz im Euroraum noch ausgeglichen, da Spanien, Irland, Griechenland und Portugal mit ihrem Schuldenaufbau deutsche Importe bezahlten. Nach dem Platzen der Schuldenblase wurde diesen Ländern von Deutschland der gleiche Konsumverzicht aufgezwungen und sie exportieren ebenfalls mehr als sie konsumieren. Ähnlich wie bei den Deutschen wurde der Konsumverzicht durch Maßnahmen wie die Erhöhung der Abgaben und der Mehrwertsteuer sowie die Kürzung der meisten Infrastrukturmaßnahmen zur Sicherung der Schwarze Null (Staatshaushalt darf keine Neuschulden aufnehmen) durchgesetzt. 

Sei den Unternehmenssteuerreformen in Deutschland Anfang der Jahre 2000 ist die Steuerbelastung der Spitzenverdiener (obere 10 %) bis 2018 um 2,5 % Prozent gesunken, während sich die Belastung der unteren Lohngruppen um 5 % erhöht hat. Gleichzeitig sind die Gehälter der Spitzenverdiener seit 1990 um 30 % gestiegen, währen die untersten Lohngruppen keinen realen Lohnzuwachs hatten. Infolgedessen ist der Gini-Koeffizient (der den Grad der Ungleichheit) misst, in Deutschland von 1990 bis 2016 von 0,25 auf 0,3 gestiegen. Klingt nicht nach viel, allerdings beträgt der Koeffizient bei einer kompletten Gleichverteilung 0 und bei 1 gehört alles einer Person! Laut OECD ist die Ungleichheit in Deutschland zwischen 2000 und 2008 in Deutschland stärker gestiegen als in jedem anderen OECD Land. 

Die Grafik zeigt die Lohnentwicklung nach Einkommensgruppen (in Dritteln) in Deutschland:



(Quelle: www.boeckler.de/pdf/imk_vortrag_behringer_2017_12_13.pdf )


Die gestiegene Ungleichheit in Deutschland und die größere Sparquote der Besserverdienenden haben den Konsum in Deutschland stark reduziert. Stattdessen sind die Ausländer zu Konsumenten der deutschen Produkte geworden. Die Deutschen sind dabei weniger zu Exportweltmeistern geworden, sondern haben im Verhältnis zum Wirtschaftswachstum auf Importe bzw. Konsum verzichtet:



Import und Export in Zahlen (2000 bis 2017). Quelle: Statistisches Bundesamt: Außenhandel, www-genesis.destatis.de


Das Wirtschaftswachstum in den Jahren seit 2000 beruht fast ausschließlich auf stark gestiegenen Exporten, während der Durchschnittsdeutsche nichts davon hatte! Die Amerikaner sind weltweit die größten Abnehmer für die Exporte der Deutschen und anderer Länder geworden, die sich einen ähnlichen Konsumverzicht leisten (wie z.B. Holland oder China). Auch in den USA hat die Ungleichheit durch ähnliche Maßnahmen wie in Deutschland stark zugenommen. Und die Durchschnittslöhne stagnierten. Da der USA Dollar aber die Weltwährung ist, konnte der Durchschnittsverdiener seinen Konsum durch die Aufnahme von immer mehr Schulden steigern. Der Konsum wurde dabei durch immer mehr Auslandsschulden finanziert. Gleichzeitig hat die Kapitalzufuhr aus dem Ausland den US-Dollar gestärkt und damit Importe verbilligt. Der steigende Dollar hatte umgekehrt zur Folge, dass die US-Produktion im Laufe der Zeit immer unwirtschaftlicher wurde und im starken Maße Personal reduziert wurde. Mit der steigenden Globalisierung sind in den USA immer mehr Jobs ins Ausland verlagert worden. Die Opiod-Krise und 20 Mio. Amerikaner, die wegen Gefängnisaufenthalten oder Vorstrafen aus dem Arbeitsleben ausschieden, sind Symptome dieser Krise.  Die Radikalisierung der Politik und Handelskriege sind letztendlich die Folge. Auch lassen sich nicht immer mehr Schulden aufbauen, da der US-Dollar als Reservewährung in Gefahr ist. Irgendwann muß ein System zusammenbrechen, dass Wirtschaftswachstum nur durch Konsumverzicht und den immer stärker steigenden Export von Ersparnissen und damit einhergehende Verschuldung sichert.  Weltweit muß die Sparquote Null sein, denn jedem Sparer steht ein Schuldner gegenüber. 

Wege aus der Krise

Alle Maßnahmen zur Bekämpfung der wachsenden Ungleichheit helfen, den Konsum zu stärken und der wachsenden Verschuldung zu begegnen. Mehr Konsum hilft, Exportüberschüsse abzubauen und damit den Außenhandel weltweit wieder in ein Gleichgewicht zu bringen. Interessanterweise denken hier die amerikanische Regierung, Biden und die Chinesen ähnlich. Auch die Programme der politischen Parteien (mit Ausnahme der FDP) in Deutschland enthalten hier Ansätze, wie steigende Steuern für die Reichen und mehr Umverteilung, Stärkung der Nachfrage durch Infrastrukturausgaben und Erhöhung des privaten Konsums. Allerdings wird der Widerstand der Habenden groß sein, Lobbyisten werden beschäftigt, um mit Scheinargumenten ("Staaten dürfen keine Schulden aufnehmen", Vermögenssteuer ist Neidsteuer und führt zu Entlassungen") gegenzuhalten. So zettelte Trump parallel zur steuerlichen Entlastung der Reichen in 2018 einen Handelskrieg mit China und ein Kampf gegen Emigration an, um von seiner Politik der wachsenden Ungleichheit abzulenken. 

Die Steuern sollten so gewählt werden, dass sie effizient sind und den Anreiz zum Unternehmertum nicht nehmen. Also Mehrwertsteuer und Abgaben wie GEZ Gebühren senken, Grunderwerbssteuer und Erbschaftssteuer dagegen erhöhen. Schließlich müssen die Besserverdienenden verstehen, dass es Wirtschaftswachstum nur geben kann, wenn alle davon profitieren. Dies erkannte in den 20'er Jahren auch Henry Ford, der seine Mitarbeiter sehr gut bezahlte, damit sie sich seine Autos auch leisten konnten. 


Mehr dazu: 

Trade Wars Are Class Wars: How Rising Inequality Distorts the Global Economy and Threatens International Peace

by Matthew C. Klein and Michael Pettis


Mittwoch, 1. September 2021

Bleiben die Zinsen so niedrig?

Ein Argument für steigende Zinsen ist, dass die Generation der Babyboomer sich langsam aus dem Erwerbsleben verabschiedet und mit dem Abbau der Ersparnisse die Konsumnachfrage (und damit die Zinsen) ankurbelt. Das Beispiel Japan zeigt aber, dass dies nicht der Fall sein muss. Trotz zunehmender Überalterung und Rückgang der Erwerbstätigenzahl leidet das Land seit mehr als ein Jahrzehnt unter  Niedrigzinsen. 

Eine gerade veröffentlichte Studie der US Federal Reserve zeigt, dass die starke Einkommensverschiebung zu den Vermögenden hin ein starkes Ansteigen der Sparquote zur Folge hat. Dieser Effekt ist deutlich stärker als die vermehrte Konsumnachfrage der Ruheständler. Eine höhere Sparquote führt zu steigenden Preisen bei Kapitalanlagen und damit sinkende Renditen bzw. Zinsen. Wenn ich meine eigene Sparquote (oder die der BAVARIA sehe), kann ich bestätigen, dass wir unsere Gewinne fast vollständig wieder anlegen. Im Gegensatz zu einem Arbeitnehmer, der fast alles in den Konsum stecken muss. Dies deckt sich auch mit der Beobachtung, dass die Ungleichheit auch (oder gerade) in Folge der Geldvermehrung stark zugenommen hat und weiter zunehmen wird, solange das Gelddrucken der Notenbanken kein Ende findet.

Auf der Angebotsseite kommt es dagegen immer häufiger zu Verknappungen und damit zum Preisanstieg bei Rohstoffen und Konsumgütern. Der plötzliche Konsumanstieg mit der stark gestiegenen Impfquote hat zu einer Angebotsverknappung geführt. Auch der Trend zur De-Globalisierung aufgrund der Verkürzung der Lieferketten (um diese weniger störanfällig zu machen) führt zu steigenden Preisen. Da der Servicesektor aber in den westlichen Industrieländern dominiert, wird ohne einen drastischen Anstieg der Löhne die richtige Inflation ausbleiben.

Was heiß dies als Investor? Ohne exogenen Schock (zum Beispiel Platzen der Immobilienblase in China) oder ein Umschwenken der Politik hin zu mehr Umverteilung bleiben die Aktienpreise auch in den nächsten Jahren hoch und eine hohe Aktienquote (bei uns 75 %) im eigenen Portfolio erscheint sinnvoll.

Donnerstag, 26. August 2021

18%+ für unser Aktienportfolio im ersten Halbjahr 2021

Im ersten Halbjahr 2021 stieg der Nettowert je Aktie um 18% von EUR 81 auf EUR 95. Der DAX Aktienindex erhöhte sich im gleichen Zeitraum um 13%. 

Die größten Gewinner waren die russische Tinkoff Bank (+171%) und unsere indischen Aktien (+59%) - im Wesentlichen IT- und Finanzdienstleister (z.B. Birlasoft und Shriram City Union). Hauptverlierer waren Ryman Healthcare (-13%), Gold (-8%) und unsere japanischen Aktien (-1%). Insgesamt haben wir 76% unserer Gesamtmittel in Aktien investiert, der Goldanteil liegt bei 9% und die Barmittel bei 13%.  Im ersten Halbjahr verdienten wir mit unseren Aktienanlagen rund EUR 73 Mio. – ein Plus von 27% bezogen auf den Bestand an Aktien zum Jahresanfang von EUR 266 Mio. Neben dem Wertzuwachs erzielten wir aus  Aktienverkäufen EUR 0,8 Mio. und Dividenden EUR 3,1 Mio.  




Donnerstag, 20. Mai 2021

Verhandeln lernen

Konflikt scheuen und sich damit abfinden, schlecht zu  verhandeln! Dabei ist das ganze Leben eine Verhandlung... Wie mache ich es besser?

Startpunkt ist die eigene Erwartung, eine höhere Erwartung sendet ein wichtiges Signal an die andere Partei. Mit einer guten Vorbereitung kann man viel entspannter verhandeln. Dabei sollten man die Ziele und Alternativen aller so gut wie möglich kennen. Ein Skript hilft, die Kontrolle über die eigenen Gefühle zu behalten. Die Reaktion des Gegenübers hängt dabei mehr von der Stimmlage ab, als von dem Inhalt der Forderung. Zu 70 % bestimmen Gefühle das eigene und fremde Handeln. Wie lassen sich diese positiv beeinflussen? Sprich so mit dem anderen, wie mit Freunden und lächele viel dabei ...  

Ein Spiegeln des Gegenübers in Tonlage, Ausdruck und Verhalten schafft zusätzliches Vertrauen. Ein Zusammenfassen und Wiederholen des Gesagten erkennt dem Gegenüber an, ohne dass man seine eigene Position aufgibt. Ziel ist es, ein "Ja, das ist es" von der anderen Partei zu bekommen. Letztendlich das Einmaleins des aktiven Zuhörens. Grundsätzlich ist man nur dann bereit, Neues aufzunehmen, wenn man sich verstanden fühlt. Diese Technik hilft auch bei Meetings: Das  Aufschreiben auf einer Tafel dient dazu, Störenfriede und irrelevante Beiträge zu neutralisieren. Das Gleiche gilt, für Misstrauen und Störungen: Ein Ansprechen trägt zur Entspannung bei. Wichtig ist ein neutraler Tonfall, sodass sich der Gegenüber nicht angegriffen fühlt. Nutze häufige Pausen und Stille, um der anderen Partei Raum zu geben, die eigene Position zu vertreten.  Siehe das Ganze als Geländeerkundigung. 

Die Angst vor einem Nein ist oft die Haupthürde für ein erfolgreiches Verhandeln. Ein Nein gibt dabei dem Anderen das Gefühl, die Kontrolle zu haben und nicht überrumpelt zu werden. Wichtig ist nur das Ja zum Schluss! Die Grundzüge der Psychologie (siehe Caldini) spielen bei einer erfolgreichen Verhandlung eine wichtige Rolle: 
1. Ohne ein Gefühl von Fairness gibt es keinen Deal. Frage z.B., was nicht fair an einem Vorschlag ist. Appelle von Fairness können allerdings auch manipulativ eingesetzt werden, wenn sie mit Forderungen verbunden sind.
2. Ein Zugeständnis löst bei dem Gegenüber den Zwang auch, ebenfalls ein Zugeständnis zu machen. So kann auch der Verzicht auf einen nicht finanziellen Dealbreaker dazu führen,  dass der Gegenüber sein finanzielles Angebot erhöht. 
3. Jede genannte Zahl wird zu einem Gesprächsanker und beeinflusst damit den weiteren Verlauf der Verhandlung. Vermeide ein zu schnelles Erwidern auf ein Vorschlag des Gegenübers. Nutze die Frage "Wie soll ich das machen" dazu, den anderen mit sich selbst verhandeln zu lassen.
4. Eine Deadline erhöht den Wert eines Vorschlags, weil sie ein Gefühl von Knappheit vermittelt. 

Vergiss nicht, dass auch nicht anwesende Parteien u.U. zustimmen müssen. Gewinne bei einem Personalgespräch zum Beispiel einen möglichen Mentor durch die Frage, was muss man tun, um in der Firma erfolgreich zu sein. Unterhalte Dich mit Deinem Gegenüber offen darüber, wie man die anderen Mitglieder der Organisation zur Zustimmung bewegt. Nutze dabei wie und was Fragen statt Aussagen zu machen. Ein Ja ist noch lange kein Erfolg, wenn der Wille zur Umsetzung fehlt. Auch die nächsten Schritte sollten abgestimmt sein. Hat man Zweifel an der Zustimmung des Anderen, sollte man diese ansprechen. Auch gibt es verschiedene Verhandlungstypen, sodass die Ansprache auch auf verschiedenen Ebenen erfolgen sollte. Eine mögliche Annahme ist, dass es für die umsetzbare Einigung drei schwarze Schwäne gibt. Diese gilt es, gemeinsam mit dem Gegenüber zu adressieren. 

Mittwoch, 12. Mai 2021

Gewollte Inflation und wie schütze ich mich als Investor davor?

Die Epidemie nähert sich dank der gestiegenen Impfquote dem Ende entgegen. Die deutsche Wirtschaft erholt sich zunehmend. Der Nachholbedarf und der Vergleich zum niedrigen Vorjahr führen dazu, dass die Wachstumsrate in der zweiten Jahreshälfte einen Sprung machen wird. Lieferengpässe und steigende Rohstoffpreise lassen aber auch die Inflationsrate steigen. Gleichzeitig sind die Schulden in allen Industriestaaten auf Rekordhöhe. Staaten und Privathaushalte sind mit durchschnittlich 300 % der Wirtschaftsleistung verschuldet, in den USA sogar mit mehr als 400 %. Nur extreme Niedrigzinsen verhindern den Wirtschaftskollaps. An Tilgung ist nicht zu denken. Die geplanten staatlichen Mehrausgaben werden die Schulden im Gegenteil weiter nach oben treiben. 

Gefahr droht, wenn die Wirtschaft wieder auf Vollast fährt. Konkurriert die gestiegene Nachfrage um ein verknapptes Angebot zum Beispiel von Arbeitsleistungen, besteht die Gefahr, dass sich die Inflation durch höhere Lohnforderungen verselbstständigt. Die Notenbanken haben angesichts der Schuldenlast keine andere Wahl, als die Zinsen durch den Ankauf der Schulden künstlich niedrig zu halten. Nur wenn die Zinsen niedriger sind als das Wirtschaftswachstum, reduziert sich die Verschuldung im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung.

Um die Verschuldung dauerhaft abzubauen, reicht es jedoch nicht, die Zinsen niedrig zu halten. Viele werden versuchen, ausländische Devisen und Werte zu erwerben, um der Geldentwertung zu entgehen. Daher werden die Regierungen auch versuchen, mit Kapitalkontrollen der drohenden Abwertung der eigenen Währung entgegenzuwirken. Verbote und Vorschriften zur Geldanlage können folgen. Dazu gehört zum Beispiel das Verbot, in Bitcoin zu investieren, um diese Art der Kapitalflucht zu verhindern. Die Banken und Versicherer können dazu gezwungen werden, inländischen Schuldenpapiere zu halten. Dies kann bis zum Verbot reichen, in Gold zu investieren. Die gezielte Nutzung von Steuern, wie z.B. Wegzugbesteuerungen sind eine weitere Methode, die Kapitalflucht zu verhindern. Die realen Zinsen (Nominalzinsen minus Inflationsrate) können bis zu zweistellig negativ werden. Ähnlich wie nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals führten negative Realzinsen verbunden mit hohen Wachstumsraten und Kapitalkontrollen dazu, das Schuldenniveau im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung drastisch zu reduzieren.

Wie kann man sich als Investor verhalten, um dem Verlust der Kaufkraft zu entgehen?

Attraktive sind Märkte mit geringer Gesamtverschuldung wie Indien und Russland. Niedrig bewerte Aktien sind interessanter als Wachstumsaktien, deren Bewertung durch den höheren Discount Faktor leiden. Auch Rohstoffproduzenten oder Unternehmen gehören dazu, deren Einnahmen proportional zur Geldmengenentwicklung steigen. Zum Beispiel notierte Wertpapierbörsen, Kreditversicherer oder Zahlungsabwickler wie Visa.  

Montag, 3. Mai 2021

Karstadt Kaufhof will mehr Geld vom Staat um Benko`s Miete zu zahlen...

Geht es um den vermeintlichen Erhalt von genügend Arbeitsplätzen, ist der Staat in Deutschland schnell mit finanziellen Hilfen zur Stelle.  Die im letzten Jahr gewährten Kredite von EUR 500 Millionen an die von Benko kontrollierte Karstadt Kaufhof Kette sind wohl schon ausgegeben.  Die Löhne wurden zusätzlich über Kurzarbeitergeld als Coronahilfe vom Staat gezahlt. Der Kredit diente dazu, die Miete an Benko's Signa Gruppe als Vermieter der Karstadt Kaufhof Läden zu zahlen. Hohe Mieten rechtfertigen steigende Immobilienpreise. Die damit erzielten Buchgewinne dienen dazu, Dividenden an Benko und seine Mitgesellschafter zu zahlen. Der Karstadt Kaufhof Vermieter erwirtschaftet keine wirklichen Gewinne. Die Mieterlöse reichten in der Vergangenheit nicht, um die Zinsen, Tilgungen und Steuern zu zahlen, wie eine Analyse von Bloomberg News zeigt. Höherbewertungen der Immobilien führen zu Buchgewinnen und werden von Benko zur Neuaufnahme von Krediten genutzt. Damit können dann Dividenden an Benko und seine Mitgesellschafter gezahlt werden. Ohne die geforderte Staatshilfe käme dieses System zum Erliegen. 

Wenn der Staat Unternehmer spielt, werden in der Regel Steuergelder verschwendet. Staatliche Kredite verzögern nur die Anpassung an geänderte Rahmenbedingungen. Kaufhausketten lassen sich nicht durch Kredite am Leben erhalten, wenn der Kunde dort nicht mehr einkaufen möchte. Die unausbleibliche Insolvenz führt dann dazu, dass der Staatskredit abgeschrieben wird. Vergessen wird, dass bei der Insolvenz die Arbeitsplätze nicht ganz verloren sind. Wettbewerbsfähige Unternehmen werden die attraktiven Innenstadtlagen belegen, vielleicht mit neu verhandelten Mietverträgen. Arbeitsplätze werden in der Regel keine verloren gehen. Der Kunde bekommt das, was er möchte. Der Staat kann bei der Umschulung und der Jobsuche helfen, sollte sich aber nicht dem Wandel entgegenstemmen. Mit der schnelleren Anpassung an Marktveränderungen ist zu erklären, warum sich die USA jetzt viel schneller als Europa von der Covidkrise erholt. 

Gleiches gilt für viele andere Branchen auch. Warum soll der Stadt der Lufthansa Kredite dafür geben, dass sie z.B. den Piloten mehr als das Doppelte zahlt als Ryanair? Bei den Staatshilfen wird vergessen, dass keine Flüge und Arbeitsplätze verloren gehen, wenn jetzt eine andere Fluggesellschaft die Route bedient. Stattdessen profitiert der Kunde davon, wenn die Fluggesellschaft die Ticketpreise verringern können, weil sie z.B. nicht durch hohe Tilgungsraten für Notkredite belastet ist. Wir haben unsere Sanierungen ohne Staatshilfe geschafft. Gescheitert sind wir immer dann, wenn wir versuchten, uns gegen Marktentwicklungen zu stemmen.

Der Blog Besser Investieren zieht um:

  https://reimarscholz.substack.com/