Dienstag, 9. November 2021
Was unterscheidet eine gute Beteiligungsgesellschaft von einer schlechten?
Donnerstag, 4. November 2021
Ich bin am Ende...
Der Freund, der seiner Frau und Mutter von drei Kindern verkündet, ich gehe jetzt. Ein Steuerberater, der plötzlich unauffindbar ist. Ab einem gewissen Alter mehren sich die Burn-outs. Die Batterie ist leer, dass viele Arbeiten hat in eine Sackkasse geführt. Erstaunlich eigentlich, wie viele Jahre es gut geht. Bei mir selbst war es vor ein paar Jahren ein "Bore-Out" - alles war auf einmal so langweilig geworden. Ich saß auf dem Sofa und fragte mich, wozu?
Der Besuch eines buddhistischen Klosters und gut 1,5 Stunden tägliches meditieren führten bei mir zu einer allmählichen Besserung. Das Leben zu verlangsamen, ist die einzige wirksame Methode, es zu verlängern. Bei jeder Aktivität - ob Gedanken, Wahl des Gesprächspartners oder Planung - versuche ich zu spüren, wie es sich für den Körper anfühlt. So hoffe ich, mein Leben auf gesunde Dinge und Tätigkeiten zu beschränken. Am glücklichsten bin ich, wenn ich daran denke, wie ich anderen helfen kann. Dazu gehört zum Beispiel das Schreiben dieses Blogs und der Beginn unserer Spendentätigkeit in Afrika. Restrukturierungsfälle haben wir in den letzten Jahren nur noch wenige gemacht - zu stressig. Auch lohnt es sich nicht mehr richtig. Die Mitarbeiterzahl in der Holding haben wir um fast 2/3 reduziert und Teile des Büros untervermietet. Der Abbau der Fixkosten nimmt uns den Handlungsdruck und weniger Mitarbeiter zu führen, reduzieren den Stress. Wir sind dadurch nicht erfolgloser geworden. So betrug unser Vermögenszuwachs im ersten Halbjahr des Jahres gut 18 %...
Mehr aber freut es mich, dass mein Sohn mit 24 Jahren nicht nur häufiger im Kloster war, sondern sogar Online Meditation unterrichtet. Und dass meine Frau und meine Schwester gleichfalls Vipassana Anhänger wurden. Nach jedem Klosteraufenthalt fühlt man sich wunderbar leicht. Vor einer Woche in Frankreich endete das siebentägige Schweigen sogar mit einer Disko in der Meditationshalle!
Die größten Risiken bei unseren Aktien?
Wie gut ist unser Portfolio bei steigender Inflation aufgestellt?
Knapp 80 % sind in Aktien investiert und wir halten uns damit für gut aufgestellt. Inflationsgewinner sind die Firmen, die vom Geldmengenzuwachs profitieren, ohne entsprechend investieren zu müssen. Dazu gehören zum Beispiel unsere Banken (17 % v. Portfolio), genauso wie Softwarefirmen (4 %), Beteiligungsgesellschaften (19 %) und Versicherer (7 %).
Besonders profitieren werden die Gesellschaften, die auf abgeschriebenen Anlagen sitzen und die Preise überproportional steigern können. In diese Gruppe fallen unsere Immobilien-REITs und Rohstoffproduzenten (8 %). Leiden werden Firmen mit geringer Wertschöpfung und Bruttomarge (<10 %). Sie werden Mühe haben, gestiegene Faktorkosten (Löhne, Materialpreise) weiterzugeben, wie z.B. Automobilhersteller. Teile unseres Japanportfolio sind hiervon am stärksten betroffen (3 %).
(Mehr zu "Mautstellenbetreibern" im Investorenbrief von Horizon Kinetics).
Was ist der größte Wert in unserem Portfolio?
Mit 8 % ist die russische Tinkoff ähnlich stark gewichtet bei uns wie XETRA Gold. Bewertet mit dem 10-fachen des Buchwertes ist die Aktie für eine Bank teuer. Die Eigenkapitalrendite betrug in den letzten 5 Jahren 45 % und lag damit etwas unter dem Gewinnwachstum (52 %) - finanziert wurde die Differenz mit der Ausgabe von 10 % neuer Aktien. Der Umsatzanteil an Gebühren mit 25 % ist hoch und wächst stärker als das traditionelle Kreditgeschäft. Das Management unter Oliver Hughes versucht schneller "Asset light" weiter zu wachsen und es besteht insofern die Chance, trotz des hohen Wachstums die Eigenkapitalrendite zu halten. Das KGV von 27 liegt dabei durchaus noch in einem vernünftigen Rahmen. Allerdings haben Wachstumsaktien wie Tinkoff das grösste Bewertungsrisiko bei wachsender Inflationsangst, da ein steigender Zins Aktien mit niedriger Rendite (Wachstumsaktien) benachteiligt.
Was kann schiefgehen?
Viel. Eine Rezession trifft alle unsere Firmen, genauso wie eine Panik an der Aktienbörse. Aber es gibt auch Einzelrisiken, wie das Beispiel der PAX Global Systems (0,3 %) zeigt. Eine Untersuchung des FBI führte über Nacht zu einer Halbierung der Marktkapitalisierung des Zahlungssystemproduzenten. Einzige Sicherheit bietet die Diversifizierung und eine risikobezogene Gewichtung des Portfolios - riskante Wetten sollten immer nur einen kleinen Teil des Portfolios darstellen.
Donnerstag, 7. Oktober 2021
Unsere größten Fehler im letzten Jahr?
Hersteller verbessern die Qualität der Autos, indem sie die Fehlerrate reduzieren. So ist es auch beim Investieren. Statt die Perfektion anzustreben, ist es einfacher, die Rendite durch die Vermeidung dummer Fehler zu verbessern. Zu fragen, was bei einer Investition schiefgehen kann, ist besser als nur nach Argumenten zur Untermauerung der Investitionsthese zu suchen. Man muss lernen, sich mit den eigenen Fehlern ehrlich auseinanderzusetzen. Ziel ist die Entwicklung einer Checkliste, um die Entscheidungen kontinuierlich zu verbessern.
Was haben wir in den letzten Jahren falsch gemacht?
Wir hatten ein zu hohes Renditeziel, als wir mit unseren Aktienanlagen anfingen. Wir wollten mindestens 20 % Rendite erzielen und haben dabei in Kauf genommen, dass wir mit dem größten Teil unserer Mittel nichts verdienten. Hätten wir diesen Teil einfach in einen DAX ETF investiert, wäre unsere Rendite höher gewesen! Falsch war auch der Versuch, mit dem Warten auf einen Kursrückgang Markttiming zu betreiben. Seit 2013 ist der DAX um rund 70 % von 9.000 auf über 15.000 gestiegen. Es ist besser, voll investiert zu sein und gelegentliche Rücksetzer dazu zu nutzen, um die Konzentration des Portfolios zu stärken oder in Werte der Watchliste umzuschichten.
Makrowetten lohnen sich generell nicht, da Faktoren wie USD Wechselkurse oder der Ölpreis noch weniger zu verstehen sind als Einzelwerte. Auch fehlte es an Überzeugung, um im nennenswerten Umfang z.B. auf steigende Ölpreise zu setzen. Die allgemeine Markteinschätzung (wie z.B. es wurde in den letzten Jahren zu wenig in die Entwicklung neuer Ölvorkommen investiert und die Marktkapitalisierung aller Ölfirmen ist historisch niedrig) half dagegen bei unserer Entscheidung, in Lundin Energy als Einzelwert zu investieren.
Falsch war es auch, bei Aktien auf fallende Kurse zu setzen. Selbst bei einer korrekten Einschätzung bleibt der Zeitpunkt der Kurskorrektur ungewiss und bei dem asymmetrischen Chance-Risikoprofil (der Einsatz lässt sich höchstens verdoppeln, aber die Verluste sind unendlich) bleiben die Einsätze zu niedrig, um hier nennenswert Geld zu verdienen. Ein Bargeldpuffer ist ein besserer Schutz gegen Kursrückgänge als Verkaufsoptionen. Da im Mittel die Kurse steigen, ist auch eine Wette auf den Rückgang des Aktienindexes zu teuer. Neben dem Vorteil eines quasi unendlichen Gewinnpotentials bei Aktienkäufen lernt man im Laufe der Zeit immer mehr über das Unternehmen und die Branche, wodurch sich neue Kaufgelegenheiten bieten. Wetten auf Kursrückgänge stellen in der Regel auf das einzelne Unternehmen ab und sind damit nicht einfach übertragbar.
Generell haben wir zu wenig investiert bei Aktien, von dessen Wert wir überzeugt waren. So hatten wir zum Beispiel bei Tinkoff (unserem größten Gewinner) zu wenig investiert, obwohl die Qualität der Firma und die vorhandene Unterbewertung eindeutig waren. Trotz zweifellos vorhandenem Länderrisiko Russland rechtfertigte das Chance-Risikoprofil einen höheren Einsatz als 2 % unserer Mittel. Verschlechtert sich die Qualität des Unternehmens nicht, sollte man Gewinner trotz einer hohen Bewertung nicht verkaufen, solange die Firma in die Bewertung hineinwachsen kann.
Es ist nicht nötig, Aktienkurse täglich zu prüfen. Stattdessen reicht eine periodische Prüfung der Ausgangsthese, die hoffentlich ausreichend dokumentiert ist. Generell ist es viel schwieriger Aktien zu verkaufen als zu kaufen (z.B. siehe). Deswegen ist es auch besser, Aktien zu kaufen, die man gerne dauerhaft halten möchte. Mit einem Trading in einzelnen Werten von denen man nicht zu 100 % überzeugt ist, verschwendet man dagegen nur Zeit ...
Donnerstag, 16. September 2021
Ja zum Schuldenmachen?
Sparen klingt besser, als Schuldenmachen? Auch die deutschen Politiker fordern nach den Covid bedingten Mehrausgaben der letzten Monate eine Rückkehr zur schwarzen Null, wie jüngst der FDP Politiker Lindner. Die hohe Sparquote der Deutschen von mehr als 10 % bei gleichzeitig ausgeglichenem Staatshaushalt hat aber wesentlich zur weltweiten Schuldenkrise beigetragen. Wenn der eine spart, muß der andere Schulden machen. Weltweit kann die Kapitalbilanz nur ausgeglichen sein. Die deutsche Industrie hatte in den letzten Jahren keine Verwendung für die Ersparnisse der Deutschen - im Saldo wurde hier nicht mehr investiert als verdient. Da die Sparquote der Privathaushalte in den letzten 30 Jahren (vor Corona) bei rund 10 % lag, muß jemand anders die Schulden machen. Wir haben unsere Ersparnisse exportiert und damit in anderen Ländern den Konsum finanziert. Und so zur steigenden Verschuldung bei den Hauptabnehmern der Exporte - z.B. den USA - beigetragen.
Die hohe private Sparquote half aber nicht dem Durchschnitts-Arbeitnehmer beim Vermögensaufbau, sondern kam Dank der wachsenden Ungleichheit in Deutschland nur den Besserverdienern zu gute (siehe vorheriger Blog). Da Sparen Konsumverzicht bedeutet, würde in einer geschlossenen Volkswirtschaft die Produktion pro rata zurückgefahren, bis die Sparquote bei Null liegt. Wenn sich der Staat weigert Schulden zu machen, zum Beispiel um Steuersenkungen oder Infrastruktur-Investitionen zu finanzieren, dann kann nur der Export die fehlende interne Nachfrage ausgleichen. Ohne Reallohnsteigerungen bei den Durchschnittsverdienern kann die Wirtschaft nur wachsen, wenn der Exportanteil steigt, wie es in Deutschland seit Beginn der 90'er Jahre der Fall ist. Da Exporte im Ausland Konsum bedeuten, muß das Abnehmerland im steigenden Maß Schulden machen. Das geht solange gut, bis die Bonität angezweifelt wird, wie es die große Finanzkrise 2009 zeigte. Seit dem sind die Südeuropäer auch zu Sparern geworden und die USA bleibt als Hauptabnehmer der deutschen und europäischen Exportüberschüsse. So ist es nur eine Frage der Zeit, bis die nächste Kreditkrise oder der Handelskrieg mit Strafzöllen richtig ausbricht.
So bleibt dem Deutschen Staat eigentlich nichts anderes übrig, als mit der Aufnahme von Schulden den fehlenden Konsum in Deutschland auszugleichen, wenn man den weltweiten Handelskrieg vermeiden möchte. Solange, bis die Importe der Höhe nach den Exporten entsprechen, wie es zu Beginn der 90'er Jahre fast der Fall war. Mit steigenden deutschen Importen hilft man den Ausländern, die eigene Arbeitslosigkeit zur reduzieren. Gleichzeitig kommt der steigende Staatskonsum der inländischen Nachfrage und Beschäftigung zu gute. Damit ist ein gesundes Wachstum für alle verbunden.
Die staatlichen Mehrausgaben helfen die Produktivität zu steigern, zum Beispiel durch Investitionen zum Ausbau des Internets (sehr langsam im europäischen Vergleich) oder Investitionen in Straßenbau und Bahn, um Stauverluste zu reduzieren. Alle Ausgaben haben auch einen Multiplikator-Effekt, in dem die Beschäftigung oder (durch Zulagen) die Kaufkraft gesteigert wird und sich damit wiederum die Nachfrage erhöht.
Dienstag, 14. September 2021
Als Deutsche stehlen wir anderen die Arbeit...
Deutschland und China sind durch Konsumverzicht Weltmeister im Export geworden. Sie leben von der Nachfrage in anderen Ländern und nehmen ihnen die Arbeit weg. Beide profitieren von Währungen, die künstlich niedrig gehalten werden. Mit den Erlösen werden ausländische Schuldpapiere erworben, die den Ausländern und insbesondere den USA helfen, die Importe zu bezahlen. In den USA hat der schuldenfinanzierte Konsum zur Deindustrialisierung geführt. Die amerikanischen Arbeitnehmer sind damit zum Opfer der Globalisierung geworden. Die Wahl von Trump und der Start eines Handelskrieges ist letztendlich die Folge.
Nach der großen Finanzkrise haben die Deutschen der Europäischen Gemeinschaft die gleiche unsinnige Wirtschaftsformel ("liefere BMWs gegen Schuldscheine") aufgezwungen. Bis 2009 war die Außenhandelsbilanz im Euroraum noch ausgeglichen, da Spanien, Irland, Griechenland und Portugal mit ihrem Schuldenaufbau deutsche Importe bezahlten. Nach dem Platzen der Schuldenblase wurde diesen Ländern von Deutschland der gleiche Konsumverzicht aufgezwungen und sie exportieren ebenfalls mehr als sie konsumieren. Ähnlich wie bei den Deutschen wurde der Konsumverzicht durch Maßnahmen wie die Erhöhung der Abgaben und der Mehrwertsteuer sowie die Kürzung der meisten Infrastrukturmaßnahmen zur Sicherung der Schwarze Null (Staatshaushalt darf keine Neuschulden aufnehmen) durchgesetzt.
Sei den Unternehmenssteuerreformen in Deutschland Anfang der Jahre 2000 ist die Steuerbelastung der Spitzenverdiener (obere 10 %) bis 2018 um 2,5 % Prozent gesunken, während sich die Belastung der unteren Lohngruppen um 5 % erhöht hat. Gleichzeitig sind die Gehälter der Spitzenverdiener seit 1990 um 30 % gestiegen, währen die untersten Lohngruppen keinen realen Lohnzuwachs hatten. Infolgedessen ist der Gini-Koeffizient (der den Grad der Ungleichheit) misst, in Deutschland von 1990 bis 2016 von 0,25 auf 0,3 gestiegen. Klingt nicht nach viel, allerdings beträgt der Koeffizient bei einer kompletten Gleichverteilung 0 und bei 1 gehört alles einer Person! Laut OECD ist die Ungleichheit in Deutschland zwischen 2000 und 2008 in Deutschland stärker gestiegen als in jedem anderen OECD Land.
Die Grafik zeigt die Lohnentwicklung nach Einkommensgruppen (in Dritteln) in Deutschland:
Die gestiegene Ungleichheit in Deutschland und die größere Sparquote der Besserverdienenden haben den Konsum in Deutschland stark reduziert. Stattdessen sind die Ausländer zu Konsumenten der deutschen Produkte geworden. Die Deutschen sind dabei weniger zu Exportweltmeistern geworden, sondern haben im Verhältnis zum Wirtschaftswachstum auf Importe bzw. Konsum verzichtet:
Das Wirtschaftswachstum in den Jahren seit 2000 beruht fast ausschließlich auf stark gestiegenen Exporten, während der Durchschnittsdeutsche nichts davon hatte! Die Amerikaner sind weltweit die größten Abnehmer für die Exporte der Deutschen und anderer Länder geworden, die sich einen ähnlichen Konsumverzicht leisten (wie z.B. Holland oder China). Auch in den USA hat die Ungleichheit durch ähnliche Maßnahmen wie in Deutschland stark zugenommen. Und die Durchschnittslöhne stagnierten. Da der USA Dollar aber die Weltwährung ist, konnte der Durchschnittsverdiener seinen Konsum durch die Aufnahme von immer mehr Schulden steigern. Der Konsum wurde dabei durch immer mehr Auslandsschulden finanziert. Gleichzeitig hat die Kapitalzufuhr aus dem Ausland den US-Dollar gestärkt und damit Importe verbilligt. Der steigende Dollar hatte umgekehrt zur Folge, dass die US-Produktion im Laufe der Zeit immer unwirtschaftlicher wurde und im starken Maße Personal reduziert wurde. Mit der steigenden Globalisierung sind in den USA immer mehr Jobs ins Ausland verlagert worden. Die Opiod-Krise und 20 Mio. Amerikaner, die wegen Gefängnisaufenthalten oder Vorstrafen aus dem Arbeitsleben ausschieden, sind Symptome dieser Krise. Die Radikalisierung der Politik und Handelskriege sind letztendlich die Folge. Auch lassen sich nicht immer mehr Schulden aufbauen, da der US-Dollar als Reservewährung in Gefahr ist. Irgendwann muß ein System zusammenbrechen, dass Wirtschaftswachstum nur durch Konsumverzicht und den immer stärker steigenden Export von Ersparnissen und damit einhergehende Verschuldung sichert. Weltweit muß die Sparquote Null sein, denn jedem Sparer steht ein Schuldner gegenüber.
Wege aus der Krise
Alle Maßnahmen zur Bekämpfung der wachsenden Ungleichheit helfen, den Konsum zu stärken und der wachsenden Verschuldung zu begegnen. Mehr Konsum hilft, Exportüberschüsse abzubauen und damit den Außenhandel weltweit wieder in ein Gleichgewicht zu bringen. Interessanterweise denken hier die amerikanische Regierung, Biden und die Chinesen ähnlich. Auch die Programme der politischen Parteien (mit Ausnahme der FDP) in Deutschland enthalten hier Ansätze, wie steigende Steuern für die Reichen und mehr Umverteilung, Stärkung der Nachfrage durch Infrastrukturausgaben und Erhöhung des privaten Konsums. Allerdings wird der Widerstand der Habenden groß sein, Lobbyisten werden beschäftigt, um mit Scheinargumenten ("Staaten dürfen keine Schulden aufnehmen", Vermögenssteuer ist Neidsteuer und führt zu Entlassungen") gegenzuhalten. So zettelte Trump parallel zur steuerlichen Entlastung der Reichen in 2018 einen Handelskrieg mit China und ein Kampf gegen Emigration an, um von seiner Politik der wachsenden Ungleichheit abzulenken.
Die Steuern sollten so gewählt werden, dass sie effizient sind und den Anreiz zum Unternehmertum nicht nehmen. Also Mehrwertsteuer und Abgaben wie GEZ Gebühren senken, Grunderwerbssteuer und Erbschaftssteuer dagegen erhöhen. Schließlich müssen die Besserverdienenden verstehen, dass es Wirtschaftswachstum nur geben kann, wenn alle davon profitieren. Dies erkannte in den 20'er Jahren auch Henry Ford, der seine Mitarbeiter sehr gut bezahlte, damit sie sich seine Autos auch leisten konnten.
Mehr dazu:
Trade Wars Are Class Wars: How Rising Inequality Distorts the Global Economy and Threatens International Peace
Mittwoch, 1. September 2021
Bleiben die Zinsen so niedrig?
Ein Argument für steigende Zinsen ist, dass die Generation der Babyboomer sich langsam aus dem Erwerbsleben verabschiedet und mit dem Abbau der Ersparnisse die Konsumnachfrage (und damit die Zinsen) ankurbelt. Das Beispiel Japan zeigt aber, dass dies nicht der Fall sein muss. Trotz zunehmender Überalterung und Rückgang der Erwerbstätigenzahl leidet das Land seit mehr als ein Jahrzehnt unter Niedrigzinsen.
Eine gerade veröffentlichte Studie der US Federal Reserve zeigt, dass die starke Einkommensverschiebung zu den Vermögenden hin ein starkes Ansteigen der Sparquote zur Folge hat. Dieser Effekt ist deutlich stärker als die vermehrte Konsumnachfrage der Ruheständler. Eine höhere Sparquote führt zu steigenden Preisen bei Kapitalanlagen und damit sinkende Renditen bzw. Zinsen. Wenn ich meine eigene Sparquote (oder die der BAVARIA sehe), kann ich bestätigen, dass wir unsere Gewinne fast vollständig wieder anlegen. Im Gegensatz zu einem Arbeitnehmer, der fast alles in den Konsum stecken muss. Dies deckt sich auch mit der Beobachtung, dass die Ungleichheit auch (oder gerade) in Folge der Geldvermehrung stark zugenommen hat und weiter zunehmen wird, solange das Gelddrucken der Notenbanken kein Ende findet.
Auf der Angebotsseite kommt es dagegen immer häufiger zu Verknappungen und damit zum Preisanstieg bei Rohstoffen und Konsumgütern. Der plötzliche Konsumanstieg mit der stark gestiegenen Impfquote hat zu einer Angebotsverknappung geführt. Auch der Trend zur De-Globalisierung aufgrund der Verkürzung der Lieferketten (um diese weniger störanfällig zu machen) führt zu steigenden Preisen. Da der Servicesektor aber in den westlichen Industrieländern dominiert, wird ohne einen drastischen Anstieg der Löhne die richtige Inflation ausbleiben.
Was heiß dies als Investor? Ohne exogenen Schock (zum Beispiel Platzen der Immobilienblase in China) oder ein Umschwenken der Politik hin zu mehr Umverteilung bleiben die Aktienpreise auch in den nächsten Jahren hoch und eine hohe Aktienquote (bei uns 75 %) im eigenen Portfolio erscheint sinnvoll.
Donnerstag, 26. August 2021
18%+ für unser Aktienportfolio im ersten Halbjahr 2021
Im ersten Halbjahr 2021 stieg der Nettowert je Aktie um 18% von EUR 81 auf EUR 95. Der DAX Aktienindex erhöhte sich im gleichen Zeitraum um 13%.
Die größten Gewinner waren die russische Tinkoff Bank (+171%) und unsere indischen Aktien (+59%) - im Wesentlichen IT- und Finanzdienstleister (z.B. Birlasoft und Shriram City Union). Hauptverlierer waren Ryman Healthcare (-13%), Gold (-8%) und unsere japanischen Aktien (-1%). Insgesamt haben wir 76% unserer Gesamtmittel in Aktien investiert, der Goldanteil liegt bei 9% und die Barmittel bei 13%. Im ersten Halbjahr verdienten wir mit unseren Aktienanlagen rund EUR 73 Mio. – ein Plus von 27% bezogen auf den Bestand an Aktien zum Jahresanfang von EUR 266 Mio. Neben dem Wertzuwachs erzielten wir aus Aktienverkäufen EUR 0,8 Mio. und Dividenden EUR 3,1 Mio.
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Donnerstag, 20. Mai 2021
Verhandeln lernen
Mittwoch, 12. Mai 2021
Gewollte Inflation und wie schütze ich mich als Investor davor?
Montag, 3. Mai 2021
Karstadt Kaufhof will mehr Geld vom Staat um Benko`s Miete zu zahlen...
Der Blog Besser Investieren zieht um:
https://reimarscholz.substack.com/
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Nach gut 18 Jahren an der Börse haben wir gestern die Kündigung verschickt. Ich bin erleichtert. Mit einem Streubesitz von 4 % macht die Bör...
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https://reimarscholz.substack.com/


