Montag, 6. November 2017
Wie war es im Kloster?
Donnerstag, 19. Oktober 2017
Welche Fehler haben wir bei unseren Zukäufen gemacht?
Unendlich viele. Zu den katastrophaleren gehört der mangelhafte
Auftragseingang, den wir bei der Übernahme eines größeren Automobilzulieferers
übersehen haben. Das Umsatzwachstum der letzten Jahre hatte uns geblendet. Die
Qualitätsprobleme bei den Neuanläufen führten zu der Auslistung als Zulieferer
bei wichtigen OEM-Kunden. Aufgrund der Verzögerung zwischen Auftragseingang,
Serienanlauf ("SOP") und Umsatzgenerierung hatten wir dies übersehen.
Heute prüfen wir die Entwicklung des Auftragseingangs und -bestandes mindestens
der letzten zwei Jahre nach Monaten, idealerweise grafisch aufbereitet.
Häufig waren wir auch zu optimistisch, was die Marktentwicklung
anbelangt: was haben Küchenstudioketten, Aluminiumfolienhersteller oder
Auftragsfertiger für Telekom gemeinsam? Rückgänge im Umsatz führten dazu, dass
wir mit allen unsern Kostensenkungen im Ergebnis trotzdem nicht über die
Nulllinie kamen. Heute achten wir darauf, dass das Unternehmen "Pricing
Power" hat: Es wird nicht alle Kunden verlieren, wenn es den Preis einmal
um 5 % erhöht, um zum Beispiel gestiegene Materialpreise zu kompensieren.
Typischerweise sind diese Unternehmen in technischen Nischen tätig, wie einige
der Maschinenbauer, die wir übernommen haben, oder sind über Kanban-Prozesse eng
mit der Kundenfertigung verknüpft (z. B. unser Produzent für Elektrolaminate
K+S GmbH.)
Auch sollte sich der Deal für den Erwerber lohnen, in einigen
Fällen haben wir im Eifer des Gefechts zu viel Schulden akzeptiert, mit der
Erwartung, wenn zu wenig Cash Flow erwirtschaftet wird, nachverhandeln zu
können. In der Regel klappte dies jedoch nicht. Wir hatten dabei wohl unsern
Verhandlungsspielraum falsch eingeschätzt. So haben wir z.B. bei der Hering
Wärmetauscher fast 15 Jahre nur für die Banken gearbeitet und auf jede Form von
Dividenden verzichtet. Heute achten wir darauf, dass wir nicht zu viel für
unsere künftige Arbeit vorab bezahlen (z. B. in Form eines Kaufpreises oder in
der Übernahme von zu viel Schulden).
Wichtig ist auch, dass man sich Gedanken über den Cash-Flow Zyklus
des Geschäfts macht: ein Bekleidungshersteller, der nur zwei Kollektionen im
Jahr über die eigenen Läden verkauft, muss fast einen halben Jahresumsatz
vorproduzieren, wenn man den durchschnittlichen Orderzyklus von 180 Tagen in
der Beschaffung aus Asien mit berücksichtigt. Dies haben wir bei unserer ersten
Übernahme in der Branche glatt übersehen. Die Lieferanten fordern zumindest
einen Aval oder "Letter of credit", den die Banken in der
Anfangsphase der Sanierung sicherlich nicht ohne eine Barhinterlegung von
möglicherweise 1:1 auslegen werden. Ähnliches gilt für Anzahlungsbürgschaften bei
Projektgeschäften. Obwohl der typische Kunde eines Maschinenbauers einen Teil des Kaufpreises vorab bezahlt, erwartet er als Sicherheitsleistung einen Anzahlungs-Aval. Banken oder Versicherungen werden diese Bürgschaft aber nur mit
einer teilweisen Hinterlegung dieser Mittel auslegen. Diese Mittel stehen dann
nicht zur Verfügung, um die notwendigen Vormaterialien zu beschaffen.
Auch sollte man die Rolle von Kreditversicherern verstehen. In
Europa gibt es nur drei: EulerHermes, Coface und Atradius. Diese entscheiden
häufig über das Schicksal der neu gekauften Gesellschaft. Setzen diese die
Kreditlinie nach der Übernahme auf
null, weil zum Beispiel der Konzernverbund wegfällt, dann verlangen die
Lieferanten bei Bestellungen plötzlich Sofortkasse. Dies treibt das
erforderliche Finanzierungsvolumen in die Höhe und hat häufig die Insolvenz zur
Folge. Heute nehmen wir die Kreditversicherer sehr Ernst und suchen aktiv das
Gespräch, um durch gezielte Informationen Unsicherheiten zu nehmen und klar den
Eindruck zu vermitteln, dass die Gesellschaft eine Zukunft hat.
Generell sollte man Verkäufern gegenüber nach dem Motto verfahren:
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Auch der vermeintlich honorige
Schwabe, verheiratet mit einer Ärztin, kann sich als jemand entpuppen, der
unbezahlte Rechnungen einfach in der Schublade entsorgt hat (natürlich waren
sie vorher nicht gebucht worden). Wir haben daraus gelernt, immer mit den Originalzahlen
(z.B. BWA's, Kontoauszüge, Geschäftsberichte zu arbeiten), statt uns nur auf Excel basierte Controllingauszüge zu verlassen. Vor Betrug bleibt man allerdings nicht
gefeit. Bei schlechtem Bauchgefühl sollte man von der Transaktion die Finger
lassen und bei nachweislichen Falschaussagen auch den Vertragsrücktritt ins
Auge fassen (alle Antworten sollte man vor diesem Hintergrund auch sorgfältig dokumentieren und den
elektronischen Datenraum sich als CD geben lassen).
Auch eine von den großen Vier geprüfte Bilanz muss nicht richtig
sein. Ein Prüfungsleiter in Süditalien ist ganz anderem Druck ausgesetzt, wenn
er die Bilanz nicht testiert, obwohl weder die Vorräte, noch die Kasse
oder die Forderungen überhaupt vorhanden sind. Auch lässt das Prüfungshonorar
die Fahrt auf die Baustelle nicht zu, um den tatsächlichen Baufortschritt
wirklich beurteilen zu können. Das heißt, alle angearbeiteten Leistungen (im
Anlagenbau oft gewinn bestimmend) sind nur auf Basis von Material- und
Zeitbelegen ermittelbar, lassen aber kein Bild über die tatsächliche technische
Umsetzbarkeit und kaufmännische Abrechenbarkeit zu.
Wir haben im Laufe der Zeit versucht, eine Checkliste zu erstellen, die auf den Lernerfahrungen aus unsern Fehlern beruht. Dabei sollte man sich darauf konzentrieren, die erfolgsentscheidenden Mängel auszuschließen. Dies kann je nach Geschäft und Verkäufermotivation unterschiedlich sein. Oft lohnt es sich auch, die finanzielle Lage des Verkäufers zu untersuchen. Jemand, der selbst in der Krise steckt, neigt in seiner Verzweiflung eher dazu, unrechtmäßige Dinge zu tun.
Die ersten 100 Tage einer Sanierung...
Dienstag, 17. Oktober 2017
Welche Manager sollte man meiden?
Sie lernen nicht aus Fehlern. Folgende
Grundmuster sind uns im Laufe der Zeit aufgefallen:
1. Die Schuld immer woanders suchen
Der Fokus liegt bei ihm darauf,
Entschuldigungen zu suchen. Dadurch sieht sich der Manager immer in einer
Opferrolle. Er übersieht dabei, dass er zwar nicht das Ergebnis zu 100 %
beeinflussen kann, wohl aber den Prozess. Er wird damit nie lernen, seine
Handlungsspielräume auszunutzen und dabei feststellen, dass er viel mehr Einfluss
hat als angenommen, z.B. durch sein vorbildliches Handeln. Deshalb sollte man
seine Kinder auch nicht für gute Schulnoten loben, sondern nur für die harte
Arbeit.
2. Die Sucht nach Anerkennung und Liebe
Besonders deutlich fiel mir dies bei
einem unserer Manager auf, der in jedem Gespräch die Liebe suchte oder
zumindest eine Form der Anerkennung. Vielleicht hat er in der Kindheit zu wenig
Sicherheit erfahren. Konflikten geht er aus dem Weg und Unangenehmes delegiert
er. Wobei sein Selbstbewusstsein immer
mehr schrumpft. Nur indem man Unangenehmes selber macht und möglichst sofort,
wächst man. Auch sollte man mit den Konsequenzen seines Handelns leben: hat man
den Falschen eingestellt, sollte man auch selbst das Entlassungsgespräch
führen!
3. Selbstüberschätzung
Sie decken schwache Manager, weil sie
einem das Gefühl für die eigene Bedeutung vermitteln. Sie prüfen nicht ergebnisoffen,
sondern suchen die Bestätigung für die vermeintlich gute Entwicklung. Anekdoten
wird mehr Bedeutung beigemessen als der tatsächlichen Entwicklung der Zahlen.
So werden z.B. Kundentermine als Vertriebserfolg gewertet, statt den
tatsächlichen Auftragseingang zu betrachten. Guten Managern, die selbstbewusst
widersprechen, wird mit Misstrauen oder Mobbing begegnet.
4. Kein Vertrauen in andere
Mikromanagement statt Delegation.
Abgeschlossen im eigenen Zimmer werden Präsentationen für die Gesellschafter
erstellt, ohne die Einbindung des Managementteams zu suchen.
Ein guter Manager dagegen sucht das
Gespräch mit allen, er schafft eine Kultur, die aus Fehlern lernt. Er spornt
seine Mitarbeiter an, Herausforderungen zu suchen und schafft eine bewusste
Fehlerkultur.
Mittwoch, 11. Oktober 2017
Outperformance mit Aktien erzielen
Billig schlägt den Markt. Viele empirische Studien belegen dies (s.u.). Wir
selbst haben mit dieser Strategie in den letzten 4,5 Jahren den DAX um rund 4 %
p.a. geschlagen. Wie so oft liegt die Schwierigkeit in der Umsetzung.
Aktientitel, die von den Kennzahlen her billig erscheinen, wirken auf den
ersten Blick abstoßend. Häufig sind diese Titel oder Branchen mit Recht vom
Markt abgestraft worden. Allerdings in der Regel zu stark. Gute Namen und
attraktive Branchen sind dagegen tendenziell zu hoch bewertet, wenn man die
wichtigsten Kennzahlen vergleicht. Das Gleiche gilt übrigens im Private Equity:
ein Maschinenbauer, der Anlagen zur Herstellung von Pharmaerzeugnissen
herstellt, ist unter Umständen doppelt so teuer wie ein ähnlicher
Maschinenbauer, der andere Branchen bedient.
Unser Japanportfolio zeigt, wie Aktien mit ähnlichem Profil (starke
Exportnation wie Deutschland) oft irrational anders bewertet sind. In der Regel
verschwinden diese Unterschiede nach einiger Zeit wieder aufgrund des
"Reversion to the mean" Effektes. Dabei bieten japanische
Aktien den Vorteil, dass die Namen nicht vorbelastet sind und man deswegen
einfacher allein nach Kennzahlen die Aktienauswahl treffen kann.
Wie sind wir dabei vorgegangen? Wir haben in regelmäßigen Abständen mit
gleicher Gewichtung eine Auswahl von japanischen Aktien gekauft, die wir aufgrund ausgewählter Kennzahlen ausgesucht haben:
-
EBIT Multiple (unter 5)
Keine Unregelmäßigkeiten in den 10 Jahreszahlen
(Forderungen/Verbindlichkeiten, Lieferungen/Leistungen im richtigen Verhältnis
zur Bruttomarge, Cash Flow entspricht Gewinnen, Buchwertzuwachs entspricht grob
der Eigenkapitalrendite minus der Dividenden).
Tendenziell erfüllen eher kleine Unternehmen unsere Kriterien
(Marktkapitalisierung unter EUR 300 Mio.). Allerdings hat die Qualität der
Aktien im Laufe der Zeit stark abgenommen, da die Bewertungen auch in Japan
gestiegen sind. Unser Japanportfolio (30 Titel mit einer Haltedauer von 1,5
Jahren und 21 % im Plus) weist per 11.10.17 folgende Kennzahlen im Vergleich zu
den 30 DAX Unternehmen auf:
-
Enterprise Value/EBIT 5,1 (14,1)
(DAX in Klammern)
Die japanischen Unternehmen sind fast 2/3 billiger (zugegeben: Sie sind
kleiner), sind aber mindestens ebenso gut wie die deutschen DAX Unternehmen.
Die Eigenkapitalrendite ist höher, obwohl die Unternehmen hohe
Nettokassenbestände (deswegen auch das niedrige EBIT Multiple) aufweisen, die
sicherlich nicht nötig sind. Diese erhöhen die Bilanzsumme und das Eigenkapital
- damit reduziert sich auch die Kapitalrendite ("ROE"). Basis sind
übrigens immer die Ergebniszahlen der letzten 12 Monate und nicht die (in der
Regel zu hoch geschätzten) Ertragserwartungen!
Literaturempfehlungen:
Tweedy Brown: What worked in investing (free)
Gray/Carlisle: Quantitative Value
Greenblatt: The little book that still beats the market
Montag, 9. Oktober 2017
Wie wählen wir Geschäftsführer aus?
"Eine fast unlösbare Aufgabe", so oder ähnlich beschreiben wir
die Geschäftsführerrolle in unseren Anzeigen, damit sich nur die
qualifiziertesten Bewerber angesprochen fühlen. Wir haben in den letzten 15
Jahren rund 40 Firmen erworben und dabei sehr häufig die Geschäftsführer
gewechselt, oft mehrmals. Zu Anfang hatten wir viele Fehlbesetzungen und einen
mangelhaften Interviewprozess. Im Laufe der Zeit sind wir etwas besser geworden.
Wir stellen immer die gleichen Fragen im ersten Telefoninterview:
Mit welchem Ziel wurden Sie eingestellt?
Was sind die Ergebnisse, auf die Sie am meisten stolz sind?
Was waren ein paar Fehlschläge?
Mit wem haben Sie gearbeitet:
Chefs - wie war es für ihn zu arbeiten?
Was wird er mir sagen, wenn wir ihn anrufen?
Was sind ihre größten Stärken und Schwächen?
Teams - wie stark war Ihr Team?
Haben Sie Dinge geändert? Entlassen?
Wie
würden Sie Ihr Team beurteilen, nachdem Sie gegangen sind?
Warum haben Sie den Job verlassen?
Dabei versuchen wir, monetäre Ergebnisse der Arbeit zu ermitteln (nicht:
Wir haben einen Turnaround geschafft, sondern: wie hat sich die EBIT-Marge entwickelt? Wie die Verschuldung?).
Wir versuchen mindestens 8 Stärken und Schwächen zu erfragen. Fragen immer
wieder nach und versuchen insbesondere Fehler zu diskutieren (um zu sehen, ob
der Kandidat lernfähig ist). Wir nutzen dabei die Topgrading-Methode: How To Hire, Coach and Keep A Players (B. Smart, G. Smart).
Dabei versuchen wir beim Gespräch neugierig zu bleiben. Wir laden den
Kandidaten nur ein, wenn wir im Gespräch den Eindruck gewonnen haben, die oder den
"Einen" gefunden zu haben.
Wir machen nach Abschluss der Interviews immer Referenzanrufe. Diese machen wir natürlich selbst und möglichst zahlreich. Wir telefonieren auch mit Personen, die der Kandidat selbst nicht als Kontakt angegeben hatte.
Dabei
stellen wir die folgenden Fragen:
In welchem Zusammenhang haben Sie mit ihr/ihm gearbeitet?
Größten Stärken/wichtigste Schwächen damals?
Rating 1-10-warum?
Würden Sie ihn/sie wieder einstellen?
Dabei sprechen wir spezifische Punkte an und konzentrieren uns auf die
Schwächen. Manchmal stellt sich bei Nachbohren gerade bei der letzten
Frage heraus, dass etwas vorgefallen ist, was auch für uns ein No-Go bedeutet.
Unterbewertete Europäische Banken - einige Ideen...
Sicherlich nicht die Deutsche Bank. Zwar notiert sie aktuell mit knapp 30 Mrd. Marktkapitalisierung nur zum 0,4-fachen des Buchwertes (=Eigenkapital). Allerdings beträgt das Eigenkapital* mit 70 Mrd. nur 4,4 % der Bilanzsumme von 1,6 Billionen. Viel zu niedrig. Speziell wenn man sich mit dem Geschäftsmodell beschäftigt, das mehr einem gigantischem Hedgefund gleicht. Und keine Ähnlichkeit mehr zu einer traditionellen Bank aufweist, die sich auf Kontoführung und Kreditvergabe konzentriert. Die Deutsche Bank hat in den letzten 2,5 Jahren eine Eigenkapitalrendite ("ROE") im negativen Bereich erwirtschaftet und in den letzten 10 Jahren durchschnittlich gerade mal 2 % geschafft. Trotz oder gerade wegen der überdimensionierten Risiken, die die Bank eingegangen ist!
Unterstellt man einen fairen Marktzins von 8 % wäre der angemessene Preis der Deutschen Bank damit 25 % des augenblicklichen Buchwertes - vorausgesetzt die Eigenkapitalquote würde risikoadäquat bei 15-20 % liegen. Bei der augenblicklichen Rendite würde es ohne Kapitalerhöhung und Dividenden 144 Jahre dauern, bis das Eigenkapital vervierfacht wäre und 16 % der Bilanzsumme entspräche. Allerdings nur, wenn die Bilanzsumme in der Zwischenzeit nicht wächst (unausweichlich bei steigenden Einnahmen, die wiederum mit zusätzlichem Eigenkapital besichert werden müssen). Für war eine unlösbare Aufgabe für das Management der Bank!
Dagegen gibt es eine ganze Reihe von europäischen Banken (zumeist regionale), die
1. eine Eigenkapitalquote von 13 bis 15 % aufweisen und die
2. trotzdem eine Eigenkapitalrendite ("ROE") von teilweise 8 % oder mehr erwirtschaften.
Die folgende Übersicht zeigt einige europäische Banken, deren Aktien wir gegenwärtig halten:
Die durchschnittliche Rendite (Dividende und Buchwertwachstum) z.B. bei der Regionalbank Credit Agricole Brie ("CAB") beträgt 10,8 %. Trotzdem ist die Aktie nur mit dem 0,45-fachen des Buches bewertet - etwa so hoch wie die Deutsche Bank!
Und das, obwohl:
1. beim aktuellen Aktienpreis die Dividendenrendite 5,5 % beträgt (die Deutsche Bank zahlt 2,4 % - holte sich aber das Geld via Kapitalerhöhungen von den Aktionären zurück)
2. das Eigenkapital fast 3-mal höher ist als bei der Deutschen Bank
3. das regionale Kreditgeschäft (ohne große Ausfallraten selbst in der Finanzkrise) viel risikoloser ist
4. der Buchwert in den letzten fünf Jahren um über 5 % p.a. gestiegen ist (und nicht wie bei der Deutschen Bank trotz vieler Kapitalerhöhungen gefallen ist)
Allerdings sollte man beachten, dass das Ertragswachstum nicht schrittgehalten hat mit dem Buchwertwachstum. Der ROE ist in den letzten 5 Jahren aufgrund der niedrigen Zinsen und der gesunkenen Zinsspanne von 7 auf 5 % gesunken. Die Bank steckt außerdem im Haftungsverbund mit anderen Regionalbanken und der Credit Agricole selbst (die allerdings im Gegensatz zur Deutschen Bank in den letzten Jahren deutlich profitabel gearbeitet hat). Sollten die Zinsen steigen, dann wird die Bank sicherlich wieder die historische Bewertung von dem 0,8-fachen des Buches erreichen wie vor der Finanzkrise. Die Dividendenrendite bei Credit Agricole Normandie beträgt übrigens aktuell 4,2% - hier weißt die Capital IQ Tabelle keine Zahl aus.
Noch besser sind die skandinavischen Sparkassen, wie z.b. die SpareBank 1 Nord-Norge. Hier liegt die durchschnittliche Eigenkapitalrendite bei 11 % und die Bank wächst stark, was noch besser ist. Die Höhe des Eigenkapitals ist mit 12 % angemessen, angesichts des traditionellen Kreditgeschäftes. Trotzdem handelt die Aktie nur zu 56 % vom Buchwert. Angemessen wäre ein Preis von mindestens dem 1,4-fachen des Buches (11 %/8 %) - allerdings ohne das Wachstum richtig einzupreisen.
Freitag, 6. Oktober 2017
Wie wir in Aktien investieren..
Aus unserem Aktionärsbrief vom Juni 2017:
1. Versteckte Juwelen
Hierzu gehört z.B. die im Zeitraum März 2015 bis Februar 2016 erworbenen El. En Aktien von einem
Unternehmen, das Laseranlagen (insbesondere für medizinische Anwendungen z.B. Entfernungen
von Tattoos) herstellt. Wir hatten für rund EUR 2 Mio. Aktien erworben. Der Unternehmenswert war
unserer Meinung nach günstig: Er betrug weniger als das 7-fache des operativen Gewinnes (EBIT),
trotz einer Eigenkapitalrendite von 10 % und eines EBIT Wachstums von rund 8 % p.a. in den letzten 5
Jahren. Warum war der EBIT Multiplikator trotz des Wachstums der Gesellschaft so niedrig? Zum
einen gab es im Februar 2016 eine Schwächephase im Markt, vorwiegend bei italienischen Titeln,
des Weiteren enthielten die offiziellen Zahlen noch nicht den Verkaufserlös von Anteilen an einer
amerikanischen Aktiengesellschaft (Cyanusure). Mittlerweile haben wir die Aktien mit einem Gewinn
von EUR 2,64 Mio. verkauft.
Leider findet man solche Juwelen selten und im Nachhinein betrachtet haben wir hier natürlich viel zu
wenig investiert.
2. Weltweit billige Aktien
Viele Aktien weltweit sind nicht grundlos billig, da sie politischen und/oder Währungsrisiken
unterliegen und häufig zyklisch sind. Letztendlich sind solche Beteiligungen eher spekulativ, da eine
sorgfältige Analyse in der Regel nicht möglich ist. Wir haben es trotzdem versucht und damit im
Durchschnitt Geld verloren. Allerdings kann man mit einem verfeinerten Filter (kostenlos und gut z.B.
„Global FT Screener“) durchaus Geld verdienen, wie unsere weiteren Investitionen gezeigt haben.
So
haben wir z.B. erfolgreich nach folgenden Kriterien gefiltert: Entwickelte Industrieländer mit niedrigem
EBIT-Multiplikator <7 und dauerhaft hoher Eigenkapitalrendite (>12 %) bei gleichzeitig geringer
Verschuldung (< 50 % Eigenkapital). Wir haben hier in regelmäßigen Abständen jeweils zehn solcher
Werte mit gleicher Gewichtung gekauft. Dabei haben wir Immobilien, Bank- und Rohstoffwerte
ausgeklammert und je nach Land eine bestimmte Höchstzahl von Werten festgelegt. In den letzten
Jahren überwiegen dabei kleinere japanische Unternehmen aufgrund der im internationalen Vergleich
sehr hohen Kassenbestände, die den Unternehmenswert (Marktkapitalisierung zuzüglich der
Nettokasse) erhöhen.
Wenn man die Gesellschaften nicht gut genug einschätzen kann, sollte man z.B. Aktien, die eine
vorher bestimmte Verlustschwelle überschreiten (z.B. -30 %) einfach verkaufen, Gewinnbringer sollte
man dagegen laufen lassen. Leider halten wir uns nicht immer daran. Da wir grundsätzlich lieber mit
Wertabschlag kaufen, fällt es uns schwer, Aktien von Unternehmen, die ihren fairen Wert erreicht
haben, nicht einfach zu verkaufen. Den fairen Wert sehen wir für Unternehmen, die kaum wachsen bei
einem EBIT Multiplikator von 10.
3. Qualitätsaktien
Idealerweise hält man nur Aktien, die dauerhaft eine Überrendite erzielen können (z.B. ROE 12 % und
darüber) und die gleichzeitig die Möglichkeit haben, Gewinne zu reinvestieren und damit Wachstum zu
erzielen. Bedauerlicherweise werden diese Aktien in der Regel deutlich zu hoch gehandelt. Diese kann man
eigentlich nur nach Gewinnwarnungen oder in Marktschwächephasen (wie zuletzt im Februar 2016)
kaufen. Hier bietet sich an, eine Liste mit interessanter Firmen auf Wiedervorlage zu legen (das
Internet bietet hier leicht die Möglichkeit, mit E-Mailbenachrichtigungen zu arbeiten).
4. Holdinggesellschaften
Unserem eigenen Geschäftsmodell sind Holdinggesellschaften wie Berkshire Hathaway oder
Brederode am Nächsten. Hier kommt es regelmäßig zu stärkeren Unterbewertungen, da die
Börsenbewertung nur auf die aktuellen Ergebnisse und das erwartete Gewinnwachstum abstellt. Da
Beteiligungsgesellschaften aufgrund der Käufe und Verkäufe schwankende Gewinne haben, sind
diese tendenziell eher unterbewertet (außer sie bewerben stark die eigene Aktie).
Entscheidend ist unserer Meinung nach, ob die Gesellschaft neben einer Dividendenrendite ein Wachstum des Eigenkapitals bzw. des Nettobeteiligungswertes je Aktie erzielt. Dabei sollte man prüfen, wie vorsichtig dieser vom Management ermittelt wird. Interessant sind solche Werte, die, wie z.B. Brederode SA, in den letzten fünf Jahren bis 2016 trotz einer Dividendenrendite von rund 1,5 % ihren Buchwert je Aktie um 10,6 % gesteigert haben. Ein Aktionär erzielt damit eine Rendite von 12 %, obwohl die Aktie aktuell zu 20 % Abschlag vom Buchwert zu kaufen ist. Bleibt die Rendite nachhaltig erzielbar, wäre bei einer langfristig zugrunde gelegten Marktrendite von 8 % ein Zuschlag von 50 % zum Buchwert angemessen. Ein gutes Indiz ist ferner, dass das Management von Brederode diese Beurteilung teilt und jedes Jahr eigene Aktien zurückkauft (warum soll man als Management fremde Aktien kaufen, wenn man die eigenen viel besser kennt und diese mit deutlichem Abschlag gehandelt werden).
Donnerstag, 5. Oktober 2017
Wie kaufe ich meine erste Firma?
- Was möchtest Du im Leben erreichen?
- Kopiere die, die es geschafft haben (frag sie einfach, wie sie es gemacht haben ... jeder erzählt gerne von sich und sucht Anerkennung)
- Siehe es als ständigen Verbesserungsprozess an
- Setzt Dir ein ehrgeiziges Ziel (unseres lautete z.B. EUR 500 Mio. Umsatz in 5 Jahren zu erreichen)
(Buch: Covey, 7 skills of highly succesful people)
Akzeptiere dabei:
- Dass Du Fehler machen wirst (wenn Du Perfektion suchst, fängst Du nie an: Ich schätze unsere Fehlerrate auf 50 %)
- Widersprüche (nicht aufgeben, aber flexibel bleiben)
- Absage (jede Absage bringt Dich ein Schritt näher zum Ziel und bietet Dir die Chance, etwas dazuzulernen)
- Lerne von den Fehlern Anderer und vermeide teure Fehler (zumindest, wenn Du sie Dir noch nicht leisten kannst)
- Siehe alles als ein Spiel
Lerne:
- Recherchiere Erfolgsstrategien (Biografien, Zeitungsartikel, Erzählungen)
- Tue so, als wäre der Erfolg schon eingetreten
- Zuhören (die wichtigste Eigenschaft)
- Entwickele und teste Thesen (z.B. E-Mails, Art der Ansprache)
Erfolgreiche Kommunikation:
- Spiegele Sprachweise anderer (und gewinne damit Vertrauen)
- Rede mit Dir selbst immer positiv (und verhandele Dich nicht selbst runter)
- Schaffe ein Erfolgsanker (stell Dir eine erfolgreiche Situation vor, kneife Dich dann und jedes Mal wenn Du Dich wieder an der gleichen Stelle kneifst, ruft Dein Körper das Gefühl zurück)
- Kommunikation ist das, was bei anderen ankommt
- Lerne zu kommunizieren (Dein Leben hängt davon ab)
(Buch: Caldini: Power of Persuasion; Anthony Robbins: Unlimited Power, Awakening the Giant)
Erfolgsstrategien:
- Industrieller Ansatz (schieß mit der Schrotflinte, es ist ein Spiel von Wahrscheinlichkeiten)
- Fokus auf "Momente der Wahrheit" (Dein Webauftritt, Dein Auftreten)
- Nimm den Telefonhörer ab
Die Kunst des 1 Euro Deals:
- Mindestens 20 % aller Transaktionen sind EUR 1 Deals
- Suche Verkäufer, die einen Grund haben, die Firma abzugeben (z.B. Ergebnisabführungsverträge, die automatisch Verlustübernahmen mit einschließen und bei Entlassungen in Konzernen zu exorbitanten Kosten führen, da es keine Deckelung gibt)
- Wenn das "Current Trading" gut ist, dann ist das schlecht für Dich (ein Grund weniger, die Firma für EUR 1 abzugeben)
- Jedes Problem, was Du übernimmst, ist Teil des Kaufpreises (z.b. zu viel Personal ist ein Teil des gezahlten Kaufpreises)
- Fokus der Due Diligence ist es Probleme zu finden, aber nicht um den Deal abzusagen, sondern als Argument den Kaufpreis zu verringern!
(Goldstein: How to buy a business with no cash down)
Due Diligence:
- Mach sie immer selbst (so lernst Du am meisten über das Geschäft)
- Erstelle eine Cash Flow Rechnung für die nächsten Monate (fehlt meistens in den Datenräumen), sammele (erfrage) alle Informationen dazu, z.b. überfällige Lieferantenrechnungen, Rückstellungen für Boni, die jährlich einmal gezahlt werden müssen
- Überprüfe im Prozess (dauert typischerweise 3-6 Monate) laufend das aktuelle Ergebnis ("Current Trading") und den Auftragseingang ("AE")
Häufige Fehler:
- Cash Zyklus im Geschäft nicht verstanden (wie lange sind Zahlungsziele, wie lange bis die Vorräte abverkauft werden, Zahlungsziele bei Lieferanten)
- Auftragseingangshistorie und Rückgänge im AE übersehen
- Zu wenig Misstrauen dem Verkäufer gegenüber
Wenn Du doch Kaufpreis zahlen solltest:
- Zahle nur für profitables Geschäft und nicht für Deinen eigenen Arbeitseinsatz (beim Turnaround)
- Zahle nie mehr als das 5-6x operatives Ergebnis (EBIT), dies entspricht (bei 30 % typischer Steuerquote) dem 8-fachen des Nachsteuerergebnisses - eine Sicherheitsmarge von mehr als 30 % auf das 12-fache Nettoergebnis als fairen Wert
- Kaufe Unternehmen mit EUR 1 Mio. bis 3 Mio. EBIT (darunter lohnt sich die Arbeit nicht, z.b. für Bankenfinanzierung und Mittelbeschaffung, darüber ist Wettbewerb zu hoch)
(HBR Guide to Buying a Small Business (HBR Guide Series),Ruback, Royce Yudkoff)
Wie Du die Transaktion verhandelst:
- Da die meisten Investment-Memo`s (Kaufprozess für Firmen läuft ähnlich ab wie für Immobilien) Hockeysticks enthalten (i.e. obwohl die Firma historisch kein Geld verdient hat, soll sie es in der Zukunft tun) musst Du zunächst Kaufpreis bieten (um in die nächste Bieterrunde zu kommen)
- Nutze dann das aktuelle Ergebnis um den Kaufpreis nach unten zu verhandeln
- Ruf den Firmenmakler möglichst häufig an (um Gefühl für Kaufpreis und Ranking zu bekommen)
- Vermeide es, Zusagen zu geben, die Du nicht einhalten willst (vermeide "CiC" - Verletzung vorvertraglichen Vertrauensverhältnis)
- Auch Zusagen im Prozess selbst können hinterher rechtlichen Bindungscharakter haben, wenn sie "absolut" sind und keine Einschränkung enthalten, wie z.B. Abhängigkeit von Gremienvorbehalten (Ehefrau, Finanzierung) oder Due Diligence
(Dawson: Secrets of Power Negotiations)
Auf jeden Fall vermeide:
- Jede Art von persönlicher Garantien (im Transaktionsfieber werden diese viel zu leichtfertig gegeben)
- Eine Insolvenz ist nicht gut (sie senkt möglicherweise Dein Selbstbewusstsein) ist aber kein Weltuntergang (Arbeitsplätze werden oft noch gerettet durch den Insolvenzverwalter), falls doch eine persönliche Garantie gegeben worden ist, schon!
- Vergiss nicht: die Schulden sind in der Firma (der GmbH) nicht bei Dir, ohne Ringfencing (i.e. limitierte Haftung) wären wir immer noch im Mittelalter (Venedig hat die GmbH als Gesellschaftsform erfunden und ist damit zur reichsten Stadt des Mittelalters geworden, der Verfall setzte ein, als diese wieder abgeschafft worden ist)
(Sapiens: A Brief History of Humankind von Yuval Noah Harari)
Mittwoch, 4. Oktober 2017
In diesem Monat gehe ich wieder elf Tage ins Kloster...
Was mache ich eigentlich für den Rest Deines Lebens? Gibt es überhaupt einen Sinn? Meine persönliche Krise kam vor gut zwei Jahren ...
Ich habe - wie immer - probiert, mich, wie Münchhausen, selbst mit dem Schopf aus dem Sumpf zu ziehen ... Bücher lesen half allerdings diesmal nicht weiter. Zuerst habe ich Zen probiert. Immer bis 10 zählen und dann wieder von vorne anfangen. Das hat bei mir jedoch nicht geklappt. Dann Vipassana Meditation. 10 Tage still sitzen und schweigen. Letzteres ist kein Problem, da die Gespräche im Kopf unterhaltsam genug sind. Beim ersten Mal habe ich es allerdings falsch verstanden. Ich dachte, ich könnte das Glück gleich finden, wenn ich jeden Tag meinen Bodyscan mache. Leider habe ich das ganze wie ein Soldat betrieben: ziemlich verbissen habe ich versucht, jeden Tag eine Stunde zu meditieren. Bis mir meine Frau sagte: Du siehst beim Meditieren immer so unglücklich aus!
Beim nächsten Klosteraufenthalt habe ich dann mein Gesicht beobachtet. Davor hatte ich bei meinem Bodyscan immer das Gesicht ausgelassen, weil ich dort nichts gespürt hatte. In der Tat merkte ich nach einer Weile, dass mein Gesicht total verspannt war. Nach ein paar Stunden des Beobachtens (keine Sorge, es gibt auch Pausen), fing ich an, Krämpfe im Gesicht zu bekommen. Dann plötzlich haben sich meine Muskeln entspannt und ich konnte seit Jahren zum ersten Mal wieder richtig lächeln. Dann habe ich es verstanden: Sich glücklich zu fühlen, ist nicht egoistisch. Im Gegenteil, Buddha predigte, dass Du erst anderen Menschen wirklich helfen kannst, wenn Du selbst glücklich bist. Dazu musst Du zuerst mit Dir selbst ins Reine kommen. Das Glück entsteht nur im eigenen Innern und hängt nicht von Deinen äußeren Umständen ab.
Jetzt fange ich jede Meditation damit an, mich bewusst zu entspannen (mit halb geöffneten Mund durch den Mund ein- und ausatmen geht am besten), bevor ich mit der Reise durch den Körper beginne. Und am Schluss wünsche ich mir und allen Menschen Glück und Freiheit. Manchmal stelle ich mir auch eine bestimmte Person vor und wünsche ihr alles Gute. Dabei fühle ich mich richtig gut. Ein Gefühl, was mich mehr und mehr begleitet.
Dienstag, 3. Oktober 2017
Was antworten Politiker eigentlich auf Emails?
Ein paar Wochen vor der Wahl hatte ich unseren letzten Aktionärsbrief mit dem Motto "Was tun?" an einige Spitzenpolitiker der Parteien geschickt. Geantwortet haben allerdings nur Herr Lindner (ausführlich) und Herr Schulz:
Der Blog Besser Investieren zieht um:
https://reimarscholz.substack.com/
-
Warum Nullwachstum attraktiv erscheint: Überforderung & Vorzug einfacher Lösungen: Nach Krisen, Preisschocks und Dauerpessimismus kling...
-
Manche Investitionen erfordern von uns viel Geduld. Die folgende Geschichte über Hering Wärmetauscher zeigt, wie viel Ausdauer, Improvisati...